Land- & Forstwirtschaft

Kunstinstallation im Holzknechtmuseum

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Ruhpolding. Eine ganz besondere Dauerausstellung ist im Holzknechtmuseum in der Laubau eröffnet worden: Von außen zu sehen sind auf dem weitläufigen Museumsgelände in weiten Abständen lediglich sieben Holzskulpturen mit Titeln wie „Was da ist“ oder „Was verbindet“.

Dahinter steckt aber viel mehr, nämlich eine Menge von Geschichten, Informationen, Musik und Eindrücken, die der interessierte Besucher mit Hilfe eines QR-Codes auf jeder Skulptur abrufen kann. Thema der Installation „Zwischenräume- Die Sieben Säulen“ sind vor allem die Almen als historische Kulturlandschaften und Ballungszentren der Biodiversität.  Das ganze Projekt kommt aus der „werkstatt kesselfligga“ aus Vachendorf – eine künstlerische Gemeinschaft und Ideenschmiede von Bettina und Jochen Nistler. Dort betreiben sie einen Raum für Kunst und Kultur sowie lokale Projekte wie die „Bankerlgeschichten in Vachendorf, wo sie an 14 Bänken QR-Codes anbrachten, um lokalhistorische Geschichten direkt auf das Smartphone abzurufen.

Bei der trotz starker Hitze gut besuchten Vernissage freute sich Museumsleiterin Franziska Oslmeier so viele Ehrengäste wie Bezirksrätin Annemarie Funke und andere Zweckverbandsräte, den stellvertretenden Bürgermeister Hermann Feil, Mitglieder des Fördervereins sowie Bettina Burkhardt-Aicher von der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) in Laufen und Sabine Pröls vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz Bayern zu begrüßen. Als „Plädoyer für das Innehalten an Ort und Stelle“ bezeichnete Frau Oslmeier den Kern der Installation. Alles drehe sich um die Fragen: Was ist Natur? Was ist Kultur? Kann man das trennen? Was habe ich damit zu tun? Landschaften, Ökosysteme und Lebewesen hätten besonders im Alpenraum und der Almwirtschaft sehr viel mit dem Holzknechtmuseum zu tun. Historisch gesehen habe das Salinenwesen mit seinem ungeheuren Energiebedarf und auch die Landwirtschaft des östlichen Chiemgaus viel mit der Almwirtschaft zu tun. Der Grundgedanke der Installation, nämlich das Miteinander von Mensch und Umwelt betreffe sowohl die Geschichte als auch die Zukunft der Forstwirtschaft.

Projektfläche Hochkienbergalm

Ausgangspunkt des Projekts war die Revitalisierung der Hochkienbergalm, unterstützt von der Andrea von Braun Stiftung, der Heinz Sielmann Stiftung und der ANL Laufen, wie Jonas Stuck, Projektverantwortlicher bei der Andrea von Braun Stiftung erläuterte. Bei der Revitalisierung der Hochkienbergalm sei allen Unterstützern klar gewesen, dass man den Blick nicht nur auf den Berg richten dürfe, sondern sich auch im Tal engagieren müsse, um den Naturschutz langfristig den Menschen zu erklären. „Genau hier setzt diese wunderbare Installation an“, so Stuck. Anhand der sechs Säulen des Steinmetzes Lorenz Rosenberger und der Perlen von Angelika Gimpl erzählen Bettina und Jochen Nistler die Geschichte eines Birkhuhns und seiner tierischen Nachbarn und Freunde. Auch kommen die Sennerin Scarlett Haßlberger und und der Holzknecht Tobi Stückl zu Wort. Jede der Säulen steht für eine der sechs Kategorien – Ressourcen, Leben, Kultur, Werte, Verantwortung, Handeln. Durch die Geschichten der Nistlers erfahren wir, wie sich die Heimat der Tiere langsam verändert: die Landschaft wird dunkler, offene Flächen verschwinden und die Luft auf der Alm weht langsamer. Resultat: die Alm wächst zu.

Was wie ein Märchen klingt, beschreibt die ökologische Realität: Allein in den Bayerischen Alpen gingen zwischen 2008 und 2018 rund 1800 Hektar Almweidefläche verloren. Sie aber bieten vielen spezialisierten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Das tierökologische und vegetationskundliche Monitoring auf der Hochkienbergalm- einer rund zehn Hektar großen Projektfläche – habe gezeigt, dass sich dort oben einige aktive Balzplätze des Birkhuhns befinden und die Population erfreulich stabil ist. Das zeige, wie bedeutsam diese Alm – und bewirtschaftete Almen generell – für den Naturschutz sind. Mit dieser Installation im Holzknechtmuseum wolle man eine Debatte über den Wert unserer Almlandschaften anstoßen, gerade auch bei der kommenden Generation durch den Besuch von  Schulklassen etc. an das Thema heranführen.

Die sehenswerte Installation soll 12 Jahre lang im Holzknechtmusum zu sehen sein. Dazu gibt es bis zum Ende der Museumssaison, Ende Oktober, zu den üblichen Öffnungszeiten des Museums zwei Foto – Sonderausstellungen im Nebengebäude. Geöffnet ist täglich, außer Montag, von 10 bis 17 Uhr. Anmeldung für Gruppen und nähere Auskünfte sind unter der Telefonnummer 08663/639 zu haben.

Bericht und Fotos: Christiane Giesen –  „Zwischenräume – Die Sieben Säulen“ – Holzskulpturen mit Perlen und einem QR-Code versehen, laden im Holzknechtmuseum in der Laubau zum Verweilen, Nachdenken und Sich-verzaubern-lassen ein. 

                       


Redaktion

Toni Hötzelsperger

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