Klangmagie zwischen Romantik, Moderne und Virtuosität – Collegia Musica Chiemgau begeistert mit außergewöhnlichem Konzertprogramm in Bad Reichenhall – von Brigitte Janoschka
Bad Reichenhall. Mit einem außergewöhnlichen Konzertprogramm präsentierte sich die Collegia Musica Chiemgau e.V. unter der Leitung von Elke Burkert am Wochenende in Mühldorf und Bad Reichenhall. Mehr als 70 Musikerinnen und Musiker standen mit purpurnen Accessoires auf der Bühne des Kurgastzentrums. Bereits die beiden Solokonzerte hatten den Charakter festlicher Höhepunkte: Vor der Pause erklang das Konzert für Klavier und Orchester a-Moll op. 16 von Edvard Grieg (1843-1907), nach der Pause folgte Alexander Glasunows (1865-1936) Violinkonzert a-Moll op. 82. Doch Dirigentin Elke Burkert im festlichen Frack gelang es darüber hinaus, mit außergewöhnlichen Orchesterwerken weitere musikalisch-glanzvolle Entdeckungen zu präsentieren.
Den Auftakt machte die Ouvertüre zu „Der Templer und die Jüdin“ von Heinrich Marschner (1785-1861), die mit ihrer romantischen Klangfülle und farbenreichen Orchestrierung überzeugte. Einen völlig anderen Charakter zeigte das Scherzo für großes Orchester des 1933 geborenen Komponisten Gerhard Deutschmann. Die klar strukturierte Komposition mit ihren kunstvoll gearbeiteten Fugenpassagen verlangte dem Orchester höchste Präzision ab. Freude machte besonders das musikalische Wechselspiel der Instrumentengruppen, die dieselben Themen jeweils in unterschiedlichen Klangfarben gestalteten. Trotz seiner modernen Tonsprache blieb der Aufbau des Werkes durch die wiederkehrenden Fugenelemente stets nachvollziehbar. Nach der Aufführung bedankte sich Elke Burkert beim Komponisten persönlich und äußerte ihre Freude darüber, dessen Musik aufführen zu dürfen.
Ein weiterer Höhepunkt war die Symphony No. 10 „The Big D“ des amerikanischen Komponisten Don Gillis (1912-1978). Die Sinfonie zeichnet ein musikalisches Porträt der Stadt Dallas („The Big D“) und ihrer lebendigen Atmosphäre. Bereits die Satzbezeichnungen geben die programmatische Ausrichtung vor: „All-American City“, „Requiem for a Hero“, „Conventioneer“ und „Cotton Bowl“. Besonders eindrucksvoll geriet das Requiem, das mit Glockenschlägen begann und in nachdenklichen Kantilenen an den ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy erinnerte. Humorvolle Akzente setzte der persiflierte Walzer des dritten Satzes, während das Finale mit jazzigen Rhythmen, Jahrmarktsklängen und festlicher Energie die Begeisterung eines typischen Footballspiels in Dallas musikalisch einfing.
Brillant und kristallklar ließ Pianist Christoph Declara den Steinway-Flügel im Grieg-Konzert erklingen. Bereits im ersten Satz beeindruckte er mit technischer Souveränität und ausdrucksstarker Gestaltung der virtuosen Kadenz. Die teils lyrisch-perlenden Melodiebögen, teils kraftvollen rhythmischen Impulse wechselten zwischen Orchester-Tutti und Klavier. Der spontane Szenenapplaus nach dem ersten Satz zeigte die Begeisterung des Publikums. Besonders eindrucksvoll wirkte der zweite Satz, in dem Grieg für weite Teile „con sordino“ – also den Einsatz von Dämpfern für die Streicher – vorschreibt, die damit eine sehnsuchtsvolle, fast schwebende Atmosphäre schufen. Nach dem temperamentvollen, vom norwegischen Volkstanz „Halling“ inspirierten Finale bedankte sich Declara mit einer „Étude-Tableau“ von Sergej Rachmaninow. Die virtuose Zugabe war weit mehr als ein musikalisches Dankeschön und demonstrierte nochmals eindrucksvoll sein pianistisches Können.
Nicht weniger faszinierend gestaltete sich der Auftritt des Geigers Richard Milone im Violinkonzert von Alexander Glasunow mit drei, ohne Pause ineinander übergehenden Sätzen. Das Werk vereint nahezu sämtliche spieltechnischen Herausforderungen der Violinliteratur. Milone meisterte Doppelgriffe, Flageoletts und Pizzicato am Griffbrett mit der linken Hand scheinbar mühelos. Darüber hinaus überzeugte er durch seine intensive musikalische Ausdruckskraft. Mit sichtbarer Freude und tänzerischer Beweglichkeit verlieh er dem Werk eine außergewöhnliche Lebendigkeit und schien die Musik im Augenblick ihres Entstehens zu erleben – als wäre er die Verkörperung des Komponisten selbst und immer im Bewusstsein des dialogisierenden Zusammenspiels mit dem Orchester.
Am Ende eines Konzerts voller spannungsvoller Kontraste, Entdeckungen und großer Virtuosität zeigte sich die besondere Stärke der Collegia Musica Chiemgau: die Verbindung von musikalischer Qualität, programmatischem Mut und spürbarer Begeisterung für die Musik. Das Publikum dankte mit lang anhaltendem Applaus und erlebte ein Konzert, das seinem Motto „Klangmagie“ — auch mit der Zugabe, einem Orchestersatz aus Engelbert Humperdincks “Hänsel und Gretel” – alle Ehre machte.
Bericht und Fotos: Brigitte Janoschka
3718: Freuen sich über den überwältigenden Applaus: Elke Burkert und Christoph Declara
3727: Dank an den Komponisten Gerhard Deutschmann
3745: Richard Milone bei seiner herausragenden Interpretation von Glasunows Violinkonzert
3753: Überwältigender Applaus auch für Richard Milone und Elke Burkert
3757: Mutter und Tochter
8459: Der Komponist Gerhard Deutschmann nach dem Konzert








