Kultur

Chiemgauer Kupfertafel-Rarität

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Das Stifterbild verbindet Kunst, Handwerk und Regionalgeschichte – und kehrt nach erfolg-reicher Restaurierung zurück in die Pfarrkirche „Darstellung des Herrn“ nach Aschau.

Als das Stifterbild der Familie Mayr für die katholische Pfarrkirche in Aschau im Chiemgau entstand, blieb es nicht bei einer Momentaufnahme. Über die Jahre wuchs das Familienporträt des regional bekannten Patriarchen Thomas Mayr weiter: Nach und nach wurden die drei Ehefrauen sowie die Schar der zum Teil auch früh verstorbenen Kinder mit ihren jeweiligen Familienwappen ergänzt. Das Kupfertafelgemälde, entstanden um das Jahr 1702, wird dem Chiemgauer Maler Jacob Carnutsch zu-geschrieben und wurde von Stifter Thomas Mayr in Auftrag gegeben, nachdem er die Barockisierung der Kirche finanziert hatte. Das Gemälde ist bis heute eine eindringliche Familienchronik – und zu-gleich ein einzigartiges Zeugnis der Stiftungsgeschichte. Über die Jahrhunderte in der Wand der Pfarr-kirche eingelassen, wurde es in den vergangenen Monaten in den Atelierräumen der Referates Res-taurierung am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) in München restauriert. Ab Ende Mai soll es wieder an seinem ursprünglichen Standort in der Pfarrkirche „Darstellung des Herrn“ zu sehen sein.

„Das Stifterbild zeigt ein Stück Chiemgauer Ortsgeschichte auf ganz besonderem Untergrund. Eine Kupfertafel in dieser Größe war für das anfängliche 18. Jahrhundert ausgesprochen selten. Umso mehr freut es mich, dass wir durch die Restaurierung in unseren Werkstätten Farbwirkung und De-tails des Gemäldes zurückgewinnen konnten und das empfindliche Material gut geschützt kom-menden Generationen erhalten bleibt “, sagt Prof. Mathias Pfeil, Generalkonservator des BLfD. Das Kupferformat aus einem Stück, das das Gemälde trägt, ist außergewöhnlich groß: an der dünns-ten Stelle nur 0,3 Zentimeter dick, an der dicksten 1,4 Zentimeter misst es stolze 1,60 Meter auf 55 Zentimeter. Dass eine solche Tafel nach Aschau kam, dürfte mit der regionalen Rohstoff- und Wirt-schaftsgeschichte zusammenhängen. Das Chiemgau und das angrenzende Tirol waren seit der frühen Neuzeit von Bergbau- und Hüttenbetrieben geprägt. Mayr selbst hatte Beteiligungen in Binnenschifffahrtsunternehmen, war im Weinhandel tätig, sowie Eigentümer ei-ner Hoftaverne und Miteigentümer eines Eisenwerks am Pillersee in Tirol. Als wohl-habender Mann konnte er es sich leisten, seine Familiengeschichte auf einem groß-formatigen Kupferträger abbilden zu lassen. Intensiv mit dem Leben Mayrs und der Geschichte des Stifterbildes hat sich die Aschauer Lokalhistorikerin Martina Stoib beschäftigt.

In den vergangenen Monaten wurde das Gemälde von der freiberuflichen Restauratorin Doris Zeidler in den Ateliers des BLfD gefestigt und gereinigt. Dabei wurde vor allem der Überzug reduziert, also gealterte Schmutz- und Bindemittelschichten entfernt, die sich im Laufe der Zeit als dunkler Schleier über die Familie ge-legt hatten. Die Konturen des Stifters sowie seiner Ehe-frauen und Kinder sind nun wieder ebenso klar erkenn-bar wie der Gnadenaltar in der Bildmitte, der nach dem Vorbild der Münchner Herzogspitalkirche ge-staltet ist. Gemälde- und Metallrestaurierung arbeiteten eng zusammen, um den Anforderungen der Malschicht auf metallischer Unterlage gerecht zu werden. Anstatt der üblichen historischen Kleb-stoffe und Techniken, kamen modernste Materialien wie lösemittelgelöste Kunstharze und mikrokris-talline Wachse zum Einsatz, die das wasserempfindliche Kupfer für die nächsten Jahrhunderte vor Oxidation und anderen Schäden schützen.

Koordiniert wird die Maßnahme neben dem BLfD von der Hauptabteilung Kunst der Erzdiözese Mün-chen und Freising; die Finanzierung erfolgt durch die Erzdiözese und den Rotary Club Chiemsee.

Bericht und Bilder: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege –  Abb. 1: Das Kupfertafelbild in voller Größe nach Bearbeitung, Abb. 2: Restauratorin Doris Zeidler beim Reinigen des Gemälde


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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