Nationalpark-Podcast bringt Überraschendes zu Waldameisen ans Licht
Ihre meist aus Tannen- und Fichtennadeln errichteten Hügelbauten kennt wohl jeder. Über das Leben und die Bedeutung von Waldameisen im Ökosystem Wald wissen die meisten aber relativ wenig. Der Podcast „Wildnis schafft Wissen – Forschung im Nationalpark Bayerischer Wald“ nimmt die heimlichen Königinnen des Waldes nun genau unter die Lupe.
Zusammen mit Melvin Opolka von der Uni Bayreuth ist Nationalpark-Podcasterin Julia Reihofer zu einem vermeintlich besonders beeindruckenden Ameisennest bei Altschönau unterwegs. „Ich habe den Bau vor einem Jahr schon bei meinem EU-weiten Forschungsprojekt untersucht“, erklärt der junge Forscher. Am Nest angekommen, stellt sich bei beiden aber schnell Ernüchterung ein. „Leider sieht es nicht mehr so gut aus, wie ich es in Erinnerung hatte“, bedauert Melvin Opolka. Er vermutet, dass hier Spechte am Werk waren. „Waldameisen sind für diese Vögel gerade im Winter eine wichtige Nahrungsquelle.“ Mithilfe von Fotofallen konnte er dokumentieren, wie etwa Schwarz- oder Grünspechte über viele Minuten hinweg tiefe Tunnel ins Innere gegraben und sich an den Insekten bedient haben. Wie der junge Forscher weiß, bedeutet so ein tiefgreifender Eingriff aber nicht unbedingt das Ende einer Waldameisenkolonie. „Die Tiere sind zum Glück sehr effektiv, ihre Nester im Frühjahr wieder aufzubauen.“ Deshalb sei er auch zuversichtlich, dass sich auch dieser Ameisenstaat wieder erholt. Neben Spechten würden sich auch Wildschweine gerne an den Hügeln bedienen. „Die Wildschweine haben es, neben den Ameisen selbst, meist auf Käferlarven abgesehen“, erklärt Opolka.

Nester von Waldameisen werden auch von zahlreichen anderen Arten als Lebensraum genutzt. Im Rahmen eine EU-weiten Forschungsprojektes untersuchte Melvin Opolka von der Uni Bayreuth auch Waldameisen im Nationalpark Bayerischer Wald. (Foto: Julia Reihofer/Nationalpark Bayerischer Wald)
Wie seine Untersuchungen gezeigt haben, gibt es in Waldameisennestern nämlich zahlreiche Untermieter. „Aktuell gehen wir davon aus, dass es rund 130 Arten gibt, die ausschließlich zusammen mit den Waldameisen vorkommen.“ Meist handle es sich dabei um andere Insektenarten, wie Käfer oder andere Ameisenarten, aber auch Spinnen seien dort häufig zu finden. „So ein Ameisenhügel enthält viel mehr Biodiversität, als man von außen betrachtet, vermuten würde.“ Umso wichtiger sei es, diese für viele Arten bedeutsamen Lebensräume zu erhalten. Waldameisen und ihre Nester sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. „Leider gibt es in Bayern aber bereits Gebiete, wo ganze Populationen zusammengebrochen sind.“ Über die genauen Gründe kann der Forscher derzeit nur spekulieren. „Möglicherweise spielen die durch den Klimawandel wärmer werdenden Winter und sich dadurch verändernden Wälder, aber – wie so häufig – auch der Einfluss des Menschen eine Rolle.“ Im Nationalpark Bayerischer Wald seien die drei hier vorkommenden Waldameisenarten aber bislang nicht gefährdet, freut sich der Entomologe.
Mehr über die Lebensweise der Waldameisen und ihre Rolle im Ökosystem Wald ist in der dritten Folge der aktuellen „Wildnis schafft Wissen“-Podcast-Staffel zu hören. Zu finden sind die Podcasts auf der Nationalpark-Homepage und bei zahlreichen anderen Streaming-Portalen, wie Spotify und YouTube.
Weitere Informationen zum Forschungs- und Citizen Science-Projekt der Universität Bayreuth gibt es unter: www.monitant.de.



