Der Landkreis Berchtesgadener Land, 14 kreisangehörige Kommunen und das Bergerlebnis Berchtesgaden bündeln ihre Verkehrsleistungen in einer gemeinsamen Gesellschaft, um den öffentlichen Personennahverkehr neu zu strukturieren und nachhaltig weiterzuentwickeln.
Die Gesellschaft BGLM wurde im April notariell gegründet. Noch im Laufe dieses Jahres werden die organisatorischen und strukturellen Grundlagen geschaffen, um die Verkehrsleistungen ab 2027 neu auszurichten. Die Gesellschafterstruktur unterstreicht den kooperativen Grundgedanken: 50 Prozent hält der Landkreis, 30 Prozent die kreisangehörigen Kommunen und 20 Prozent der Zweckverband Bergerlebnis Berchtesgaden. Für die Aufbauphase wurden Thomas Weber, bislang Bürgermeister von Bischofswiesen, und Manuel Münch, Leiter der Landkreisentwicklung am Landratsamt, als Geschäftsführer bestellt.
Landrat Bernhard Kern lobt den politischen Schulterschluss über alle Fraktionen und Kommunen hinweg: „Die Herausforderungen im öffentlichen Personennahverkehr sind enorm – umso wichtiger ist es, dass diese Aufgaben gemeinsam angepackt werden. Für die politische Geschlossenheit von Kreistag, Bergerlebnis Berchtesgaden und den Gemeinden bin ich sehr dankbar. Wir ziehen alle an einem Strang, um für die Menschen in unserer Region attraktive Mobilitätsangebote zu schaffen.“
Die Gründung der BGLM ist das Ergebnis eines breiten politischen Konsenses: Der Kreistag beschloss das Vorhaben im November 2025 einstimmig. Zwischen Januar und März 2026 folgten nahezu durchweg einstimmige Beschlüsse in der Verbandsversammlung des Bergerlebnis Berchtesgaden und in den Gremien der 14 beteiligten Städte und Gemeinden (Ainring, Anger, Bayerisch Gmain, Bischofswiesen, Berchtesgaden, Freilassing, Laufen, Marktschellenberg, Piding, Ramsau, Saaldorf-Surheim, Schneizlreuth, Schönau am Königssee, Teisendorf). Die Stadt Bad Reichenhall hat bereits mit den Stadtwerken als einzige Kommune im Landkreis einen eigenen kommunalen Verkehrsbetrieb und wird deshalb im weiteren Verlauf das Thema noch intensiver betrachten.
Hintergrund der Neuausrichtung ist das Auslaufen der bestehenden Liniengenehmigungen im Busverkehr. Bisher wurden die Verkehrsleistungen überwiegend eigenwirtschaftlich durch die Verkehrsunternehmen erbracht. Doch eigenwirtschaftliche Linienverkehre, das heißt ohne Bestellung durch Landkreis oder Kommunen, stehen bundesweit aufgrund steigender Kosten (Personal, Treibstoff) und sinkenden oder schwer kalkulierbaren Einnahmen (Deutschlandticket) zunehmend unter Druck. Um den Busverkehr zu sichern und auszubauen, bündeln nun der Landkreis als Aufgabenträger für den öffentlichen Personennahverkehr, die Kommunen – die vor allem den Schulbusverkehr sowie etwa den Stadtbusverkehr in Freilassing und Laufen organisieren – und das Bergerlebnis Berchtesgaden für touristische Verkehre ihre Mobilitätsleistungen unter einem Dach.
Künftig übernimmt die BGLM damit eine zentrale Rolle bei der Organisation des Linienbusverkehrs und der Weiterentwicklung ergänzender Mobilitätsangebote im Landkreis. Die Einbindung und Zusammenarbeit mit regionalen Verkehrsunternehmen ist dabei ein wesentlicher Bestandteil. Auch im gemeinsamen Verkehrsverbund mit Salzburg ist die BGLM ein wichtiger Baustein zur grenzüberschreitenden Planung und Organisation des öffentlichen Nahverkehrs. Die BGLM schafft damit die strukturelle Grundlage für eine attraktive und zukunftsfähige Mobilität in der Region.
Bericht und Foto: LRA BGL – Die Vertreterin und Vertreter der Gesellschafter der Berchtesgadener Land Mobilitätsgesellschaft mit Landrat Bernhard Kern (Dritter von rechts), Dr. Bartl Wimmer, Vorsitzender des Zweckverbands Bergerlebnis Berchtesgaden (Fünfter von links) sowie die Bürgermeister beziehungsweise stellvertretende Bürgermeisterin der beteiligten Kommunen im Landkreis.



