Wirtschaft

Petting: Arbeiten tief unter der Erde

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Wasserwirtschaftsamt Traunstein schließt Sanierung am Surspeicher erfolgreich ab – Hochwasserschutz für die Anrainerkommunen

Die Luft ist schlecht hier unten, kühl und feucht. Es gibt kein Tageslicht. Einzig grün-weiße Neonschilder an der Decke weisen alle paar Schritte auf einen Notausgang aus dem Stollen hin. Er liegt 26 Meter tief unter der Erde. Mit leichter Steigung führt er vom Krafthaus hinauf zum Speichersee. Wer in dem Stollen arbeitet, muss sich den Platz mit einer 160 Meter langen Rohrleitung teilen. Diese Betriebsauslassleitung mit einem Durchmesser von 1,20 Meter bildet das Kernstück der Sanierung am Surspeicher. Mitte Mai wird sie nach einjähriger Bauzeit abgeschlossen.

Kosten betragen vier Millionen Euro

Für die Instandsetzung des bald 60 Jahre alten Surspeichers sind vier Millionen Euro investiert. Der finanzielle Aufwand lohnt sich: Die neue Betriebsauslassleitung erfüllt alle technisch zeitgemäßen Anforderungen. Sie kann, wie Betriebsleiter Bernhard Schultes vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein sagt, für die kommenden 80 bis 100 Jahre das Wasser sicher vom Speichersee durch den Erddamm unterirdisch zu den zwei Turbinen im Krafthaus leiten. Den Auftrag zur Sanierung hatte die Behörde an einen Generalunternehmer übergeben. Schultes und sein Team begleiten die Sanierung bautechnisch. Das Wasserwirtschaftsamt betreibt den Surspeicher als Hochwasserschutz. Er kommt insbesondere den Gemeinden Petting, Saaldorf-Surheim sowie der Stadt Freilassing zugute. Um die Wasserkraftanlage zur Stromerzeugung kümmern sich die „Bayerische Landeskraftwerke GmbH“.

160 Meter lange Leitung muss im Stollen zersägt werden

Der Ausbau des alten und der Einbau des neuen Rohrs waren aufwändig und technisch anspruchsvoll – auch aufgrund der beengten Verhältnisse:  Zunächst musste der drei Tonnen schwere Kegelstrahlschieber ausgebaut werden, um überhaupt an das Rohr heranzukommen. Im Anschluss lösten Arbeiter, noch im Stollen, den alten, asbesthaltigen Anstrich ab. Erst dann konnten sie das Rohr zersägen und in sechs Meter langen, je 1200 Kilogramm schweren Teilstücken über eine eigens in den Beton gehauene Öffnung aus dem Schacht hinausschieben. Ein Kran hievte die Teile hinauf zur Straße, wo ein Lastwagen sie zur Wiederverwertung abtransportierte.

Die neue Leitung wird von neuen Auflageelementen getragen. Dank einer Stahlplatte fangen sie mögliche Setzungen besser auf als die bisherigen. Ausgedient hat auch der alte Kegelstrahlschieber, über den im Hochwasserfall große Wassermengen geregelt in die Sur abgelassen werden konnten. Ihn ersetzt ein Ringkolbenventil.

Neben der Erneuerung der Betriebsauslassleitung waren eine Vielzahl anderer Arbeiten notwendig: Neue Leitungen wurden verlegt, das Meldesystem für Gefahr erneuert und die Maßnahmen zur Arbeitssicherheit verstärkt. Jetzt kehrt tief unter der Erde erst einmal wieder Ruhe ein.

Bericht und Fotos: Wasserwirtschaftsamt Traunstein


Redaktion

Toni Hötzelsperger

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