Bayerns Umweltminister über Ergebnisse der Waldinventur im Nationalpark Bayerischer Wald
Der Nationalpark Bayerischer Wald hat Inventur gemacht. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Im seit 1970 existierenden Schutzgebiet an der bayerisch-tschechischen Grenze entwickelt sich ein Urwald von morgen. Das zeigen die neuesten Ergebnisse der Waldinventur, die im Rahmen der jüngsten Sitzung des Beirats für den Nationalpark Bayerischer Wald vorgestellt wurden.
Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber betonte: „Die neueste Waldinventur im Nationalpark Bayerischer Wald ist eine beeindruckende Bilanz. Über 50 Jahre nach der Gründung des Nationalparks zeigen die Ergebnisse: Das Konzept ‚Natur Natur sein lassen’ in Deutschlands größtem Waldnationalpark geht auf. Der Nationalpark steht für großen Artenreichtum und vielfältige Lebensräume. Wo einst Wind und Borkenkäfer in den Fichtenwäldern gewütet haben, sind auf großer Fläche strukturreiche natürliche Wälder herangewachsen, die in Mitteleuropa einzigartig sind.„
Bei seiner Gründung war der Wald im Nationalpark noch stark forstlich geprägt und bestand vor allem aus Wirtschaftswäldern mit Fichten. Heute macht die Buche 46 Prozent des Volumens des lebenden Baumbestands im Nationalpark aus. Die Fichte wurde mit 43 Prozent auf Platz zwei verdrängt. Heimlicher Gewinner ist aber die dritte im Bunde, die Tanne. Deren Anteil hat sich seit der letzten Waldinventur im Jahr 2002 von fünf auf neun Prozent fast verdoppelt.
Besonders bemerkenswert sind die Untersuchungsergebnisse zum Totholz, von dem es im Nationalpark rund 250 Kubikmeter pro Hektar gibt – das ist mehr als das Achtfache des bundesweiten Durchschnitts. Glauber: „Das ist ein absolutes Alleinstellungsmerkmal unserer Nationalparkwälder und Grundlage für eine hohe Biodiversität. Denn rund ein Drittel aller im Wald lebenden Arten ist auf Totholz als Nahrungsgrundlage oder Lebensraum angewiesen. Nicht umsonst sind heute im Nationalpark Bayerischer Wald allein 16 Urwaldreliktkäfer zu Hause.“
Zudem verheißt die Waldinventur gute Zukunftsperspektiven. Rund 80 Prozent der Fläche weist junge Bäume auf. Und mit durchschnittlich 7400 Pflanzen pro Hektar ist die Verjüngungsdichte im Nationalpark sehr hoch.
Die Waldinventur fand im Sommerhalbjahr 2024 auf rund 1000 Untersuchungsflächen statt, die rasterförmig über den Nationalpark verteilt wurden. Jede Fläche bestand aus einem Kreis mit 25 Metern Durchmesser, in dem die Waldstruktur vor Ort aufgenommen wurde. Darüber hinaus wurde die Stichprobeninventur mit Fernerkundungsdaten, wie Luftbildern, Laserscanning und Satellitendaten, verschnitten, um die Ergebnisse für die komplette Nationalparkfläche verfügbar machen zu können. Dabei kam auch Künstliche Intelligenz zum Einsatz.
„Mit dieser weiterentwickelten Methodik haben wir es geschafft, sehr effizient zu arbeiten“, freut sich Nationalparkleiterin Ursula Schuster. Noch positiver aber sind freilich die Ergebnisse: „Insbesondere die ehemals von Windwurf und Käferbefall betroffenen Waldflächen des Nationalparks entwickeln sich immer stärker zu ungleichaltrigen Wäldern mit vielfältigen Strukturen und Lebensräumen. Diese wilden Wälder sind nicht nur widerstandsfähiger gegenüber zukünftigen Störungen, sondern liefern genau die Atmosphäre und die Landschaftseindrücke, für die unsere Nationalparkbesucher zu uns kommen. Das zeigen unsere regelmäßigen Besucherbefragungen.“
Podcast zur Waldinventur:
Auch in der aktuellen Folge des Nationalpark-Podcasts ‚Wildnis schafft Wissen‘ werden die Methoden und Ergebnisse der Waldinventur thematisiert. Anhören kann man sich die heute veröffentlichte Episode auf allen gängigen Podcast-Portalen sowie unter www.np-bw.de/podcast.



