Leitartikel

Auktion mit Samerberger Kunstwerken

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Eine Auktion 25 „Künstlerlandschaft Chiemsee“ findet am Samstag, 18. April 2026 in Breitbrunn am Chiemsee statt und widmet sich einer kulturell reichen Künstlerlandschaft.

Unter anderem findet sich Werke und Objekte aus dem Nachlass des Künstlers Karl Hermann Müller-Samerberg, der seinerzeit in Törwang gelebt hatte.  „Der Samerberg, er ließ mich nicht mehr los“, bekundete der im Vogtland geborene Karl Hermann Müller-Samerberg einst und war ab 1906 bis zu seinem Lebensende in Törwang beheimatet. Hier fand er die Ruhe und Besinnlichkeit, die für sein Schaffen benötigte: „Ich war immer bestrebt eine Feiertagsstimmung in meine Kunst zu bringen. Das Malen war mir Gottesdienst“. Schattige Buchenwälder, satt grüne Wiesentäler und luftige Bergeshöhen mit erhaben, würdevoll in der Landschaft thronenden, weiß-strahlenden Kirchen verstand er mit großer Hingabe auf seine Bildträger zu bannen. „Malerpoet“ oder „Romantiker des Pinsels“ wurde er deshalb auch genannt.

Insgesamt kommen über 650 Werke von Künstlern rund um den Chiemsee unter den Hammer. Neben der Sammlung Karl Hermann Müller-Samerberg findet sich auch eine Sammlung von Werken des Rosenheimer Künstlers Rolf Märkl sowie eine Sammlung von Werken von Dorothea und Gyorgy Stefula. Weiterhin in der Auktion vertreten sind u.a. Werke von Arnold Balwe, des Feldwieser Farbenfürsten Julius Exter, der Inselkönige Karl Raupp und Josef Wopfner, weiterer Samerberger Künstler wie Constantin Gerhardinger, Hans Schmid-Schilding oder Oskar Martin-Amorbach sowie Bildhauer wie Marianne Lüdicke und Heinrich Kirchner.

Auktion 25 – Künstlerlandschaft Chiemsee – Samstag, 18. April 2026, Ab 10 Uhr – Vorbesichtigung: 28. März bis 16. April – Täglich auch an Sonn- und Feiertagen 10 Uhr bis 17 Uhr

Bericht, Bilder und Kontakt: Franz E. Gailer  – GAILER Kunstauktionshaus am Chiemsee – Seestraße 7 – 83254 Breitbrunn am Chiemsee, Telefon 08054-90 84 230 – www.gailerauktionen.de

 

                                                                                    Zum Künstler Müller-Samerberg

Karl Hermann Müller-Samerberg (1869 Adorf – 1946 Törwang am Samerberg) „Der Samerberg, er ließ mich nicht mehr los“ – „[Joseph von] Eichendorff müsste zu diesen Motiven die Werke schreiben und Schubert Franz diese musikalisch illustrieren. Beschreiben lässt sich solches Können nicht.

‚Wenn ihr‘s nicht erfühlt, ihr werdet‘s nicht erjagen‘“, schrieb die Kritik leidenschaftlich über den Künstler Karl Hermann Müller-Samerberg. Der Verweis auf den romantischen Lyriker Eichendorff und das Zitat aus Goethes Faust erscheinen in Anbetracht seiner Kunst wahrlich passend. Es ist die Dämmerung eines Waldes, eine mondbeschienene Nacht, ein verheißungsvoller Sternenhimmel, die den 1869 in Adorf geborenen Künstler faszinierten. Es sind kleine, altertümliche Städtchen mit ihren Winkeln, Toren, Giebeln und Firsten, die er einfühlsam auf Papier oder Leinwand überträgt. Die Ehrfurcht vor der Natur und der Schöpfung, die stille Bescheidenheit und die poetische Empfindsamkeit, die sich in seinen Werken offenbaren, zeichnen auch den Menschen Karl Hermann Müller aus. In der Presse bezeichnete man ihn aus diesem Grund auch als „Malerpoet“ und „Romantiker des Pinsels“.

Er maß seine Bilder stets am Begriff des Edlen und war nicht bereit, Bilder zu veräußern, die er einmal als unverkäuflich eingestuft hatte. Schließlich musste jedes werdende, neue Werk dem Angesicht des vollendet, in sich vollkommenen Stückes standhalten – mochten das Angebot auch noch so hoch, die Verhältnisse noch so prekär sein und die Freunde auch noch so sehr zureden. “Das Bild muss wieder auf einer Staffelei in meinem Atelier stehen.“ Mit großer Mühe suchte Karl Hermann Müller-Samerberg das Mühelose in seinen Werken zu erreichen. Dafür war eine Vielzahl an „Sitzungen“ an der Staffelei und in der Natur vor dem Motiv notwendig.
„Ich war immer bestrebt eine Feiertagsstimmung in meine Kunst zu bringen. Das Malen war mir Gottesdienst“. Die Ruhe und Besinnlichkeit, die es hierfür bedurfte, fand er im bayerischen Alpenvorland: dem Samerberg. Schattige Buchenwälder, satt grüne Wiesentäler und luftige Bergeshöhen mit erhaben, würdevoll in der Landschaft thronenden, weiß-strahlenden Kirchen verstand er mit großer Hingabe auf seine Bildträger zu bannen. „Der Samerberg, er ließ mich nicht mehr los.“ – ein Umstand, der sich sogar in seinem Nachnamen niederschlug.

Als Sohn eines Lohgerbermeisters war es ihm eigentlich vorherbestimmt, das väterliche Handwerk fortzuführen. Doch seine Leidenschaft galt der Kunst und so war eine Ausbildung an der Fachzeichenschule für Textilgewerbe in Plauen der Kompromiss. Die anschließende Anstellung als Musterzeichner für Handstickereien gab er jedoch bereits nach einem Jahr wieder auf: „die Farbe fehlte“. Nach einem Studium an der Dresdner Kunstgewerbeschule gelangte er schließlich an die Akademie der Bildenden Künste zu München, an der er unter Franz von Defregger, Paul Hoecker und Ludwig von Herterich lernte. „Fad, daß man immer ans Bilder verkaufen denken muß“, beklagte der Künstler seine beständig schwierige finanzielle Lage, wodurch ihm die Beteiligung an zahlreichen Ausstellungen wie der Münchner Künstlergenossenschaft, der Münchner Secession, und internationalen Schauen notwendig waren. Zudem schuf er Illustrationen für Kunstzeitschriften wie die „Leipziger Illustrierte“ und die „Jugend“. Im Jahr 1921 gründete er gemeinsam mit befreundeten Künstlern – u.a. Paul Roloff und Emil Thoma – die Künstlervereinigung „Die Welle“, die er fortan jährlich mit Werken bestückte. Karl Hermann Müller-Samerberg starb 1946 in Törwang am Samerberg. „[…] Anderen Menschen den Alltag zum Festtag [zu] machen[…]“ war ihm das höchste Gut. Auch heute noch wohnt seinen Werken diese Kraft inne.

Franz Emanuel Maria Gailer



Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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