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Salzburg: Franceso in Opern-Marathon

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Vierstündige Meditation über Natur und Glaube   – Olivier Messiaens „Saint François d‘Assise“ als Opern-Marathon begeistert bei den Salzburger Festspielen  -Von Daniella Rieger-Böhm

Ein grauer Vorhang eröffnet das Geschehen auf der riesigen Bühne der Felsenreitschule, wo man nur ein Foto entdeckt. Der Stein des Mönchsberges ist die bloße Kulisse und passt derart, weil er an ein Kloster erinnert, wo Giovanni di Bernardone, (geb. 1182), genannt Francesco (und später: der Heilige Franziskus) einzog, um das Irdische hinter sich zu lassen.

Seine Eltern nehmen seine abgelegte Alltagskleidung wieder mit nach Hause und bringen sie bei seinem Ableben wieder mit ins Kloster – der Kreis schließt sich 1226, also vor genau 800 Jahren. In den kommenden vier Stunden wird das Publikum hineingezogen in das (Seelen-)Leben des Mönchs und Ordensgründers Franziskus. Es wird echtes Brot gebacken, Krüge werden getöpfert, man sinniert über die Natur und den Glauben. Die Waschung eines Aussätzigen durch Franziskus ist eine eindringliche Szene, die sich in seiner Todesstunde umdreht, sodass der Geheilte den Heiliggesprochenen salbt.

„Denen, die viel geliebt haben wird alles vergeben.“ aus „Saint François d‘Assise“

Der italienische Regisseur Romeo Castellucci ist Meister in der entschleunigten Visualisierung von Emotionen, mal kraftvoll, mal sanft, aber stets eindringlich. Er unterstützt dabei jeweils die Aussage von Wort und Musik in klaren, jedoch monumental-eindrucksvollen Bildern. Berührend auch das Foto aus dem Straubinger Institut für Hören und Sprache (ehemals „Gehörloseninstitut“) von 1956, das einen Jungen zeigt, der mithilfe eines Tongenerators und Audiometers zum ersten Mal im Leben Musik hört. Ebenso die berühmte Vogelpredigt, erst mit fliegenden, dann fallenden Geschöpfen. Franziskus freundet sich mit einem (echten) Wolf auf der Bühne an, und lebendige Schafe grasen am (suggerierten) Grab des „Saint François d‘Assise“.

Philippe Sly verkörpert den Mönch Franziskus mit enormer Intensität, der sich niemand entziehen kann. Seine angenehme Bariton-Stimme durchdringt die Partitur mit exquisiter Gestaltung von musikdramatischer Dynamik und Sprachdeutlichkeit. Ein Hörgenuss ist auch der warm-fließende Sopran von Lauranne Oliva als Engel. Olivier Messiaens (1908-92) monumentale Musiksprache erinnert an Richard Wagner, ist jedoch ungleich moderner in Tonsprache und Instrumentarium, mit erweitertem Perkussions-Apparat und drei „Ondes Martenots“, einem elektronischen Instrument aus den 1920er Jahren.

Mit langen Passagen von Atonalität, Klang-Clustern und permanenten Taktwechseln sind nicht nur die Zuhörer gefordert, sondern auch die Musiker und Sänger. Dirigent Maxime Pascal hat alles im Griff und führt meisterhaft die Wiener Philharmoniker, die Solisten und den Chor durch die Partitur. Die Chor-Passagen sind himmlisch und mächtig zugleich und werden von der Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor großartig umgesetzt.

Als Erlebnis, das an Intensität kaum zu überbieten ist, wird diese Opernproduktion wohl das Highlight dieses Sommers.

Weitere Aufführungen am 9., 12., 15., 19. und 23. August.

Bericht: Daniella Rieger-Böhm  /  Fotos: Salzburger Festspiele

  1. Bassbariton Philippe Sly und Sopranistin Lauranne Oliva überzeugten als Franziskus und Engel.
  2. Abschlussapplaus für Philippe Sly (2.v.r.), Regisseur Romeo Castellucci (3.v.r.) und seinem Team
  3. Die Mönche beim Brot-Backen
  4. Franziskus vor dem Foto aus dem Straubinger Institut für Hören und Sprache (ehemals „Gehörloseninstitut“) von 1956
  5. Lebendige Schafe grasen am (suggerierten) Grab des „Saint François d‘Assise“.
  6. Gesamtes Ensemble
  7. Exzellente Leistung von Philippe Sly als Franziskus (Mitte)

Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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