Leitartikel

Paneuropa-Tage in Ingolstadt

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

52. Paneuropa-Tage in Ingolstadt (Zusammenfassung):  – „Europa ist die Antwort“  – Kritik an Berlin / Debatte zur Europäischen Armee / Über AfD-Verbot „zumindest nachdenken“ / Verteidigungs-Podium bei Airbus in Manching / Kraftquelle Donauraum

Ingolstadt. Die zentralen Paneuropa-Tage der Paneuropa-Union Deutschland, die diesmal in Ingolstadt stattfanden, standen unter dem Motto „PANEUROPA – Zusammenschluß statt Zusammenbruch“ und befaßten sich sowohl mit der Außen- und Verteidigungspolitik als auch mit der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Donauraum.

Der deutsche Paneuropa-Präsident und langjährige Europaabgeordnete Bernd Posselt kritisierte die Berliner Tendenz, mit so genannten Koalitionen der Willigen zu arbeiten und immer weniger mit den demokratisch legitimierten Institutionen der EU.  So habe man jetzt in London über die Zukunft der Ukraine verhandelt und dabei die dafür wichtigsten EU-Mitgliedstaaten wie Polen und Rumänien einfach ausgeklammert. Die eigentlich zuständige EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas aus Estland sei eine erstklassige Rußlandkennerin, werde aber gerade deshalb von den Nationalstaaten systematisch an den Rand gedrängt und unterminiert. Angesichts des russischen Krieges gegen die Ukraine und anderer weltpolitischer Verwerfungen gebe es zwar Situationen, in denen man jenseits der Institutionen „Notoperationen am offenen Herzen“ vornehmen müsse, etwa wenn sofortiges Handeln durch das Einstimmigkeitsprinzip im Rat verhindert werde; aber dies könne kein Dauerzustand sein. Posselt forderte von der Bundesregierung einen Stufenplan hin zu „so etwas wie den Vereinigten Staaten von Europa“, mit einer Europäischen Verteidigungsunion als erstem Schritt. Die Abwahl Viktor Orbáns in Ungarn müsse genutzt werden, um das Vetorecht von Nationalstaaten in der Außen- und Verteidigungspolitik zu beseitigen, „denn der nächste Orbán kommt bestimmt.“

Der Präsident der Paneuropa-Union Deutschland mahnte einen härteren Kurs gegenüber der AfD und allen anderen rechts- oder linksextremen Nationalisten an. Sie seien keine normalen Parteien, sondern Instrumente Moskaus, um alles zu zerstören, was die Europäer nach dem Zweiten Weltkrieg an Völkerverständigung und Integration des Kontinents aufgebaut hätten. Die Weimarer Republik sei nicht nur an der Brutalität der verbrecherischen Nationalsozialisten, sondern auch an der Schwäche der Demokraten zugrunde gegangen. Dieses dürfe sich nicht wiederholen. Über ein AfD-Verbot oder andere schärfere Maßnahmen müsse man zumindest nachdenken, so Posselt, der auch dem Parteivorstand der CSU angehört.

Der bayerische SPD-Landesvorsitzende und wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Sebastian Roloff, betonte, daß die Paneuropa-Bewegung seit ihrer Gründung 1922 klar gesehen habe: „Europa ist die Antwort!“ Der breiten Öffentlichkeit hingegen sei bis heute viel zu wenig bewußt, welches Potential die EU eigentlich habe: „450 Millionen Bürgerinnen und Bürger, eine der größten Volkswirtschaften der Welt und die stärkste Rechtsgemeinschaft, die es je gegeben hat.“ Dieses Europa stecke allerdings in einem Zangengriff – außenpolitisch, aber auch von innen. Putins Krieg gegen die Ukraine sei mit einer „hybriden Kriegsführung gegen ganz Europa gekoppelt, die jeden Tag stattfindet – in unseren Sozialen Netzwerken, bei Sabotageakten an Infrastruktur und bei der gezielten Befeuerung unserer gesellschaftlichen Konflikte. Die Nationalisten in Europa – AfD, Rassemblement National, FPÖ – seien die Innenseite desselben Zangengriffs, „ihre Programme schwächen exakt die Strukturen, die Europa handlungsfähig machen. … Sie von der Paneuropa-Union haben das früher erkannt als die meisten.“ Die Verteidigung der Europäischen Idee und der Demokratie brauche „überparteiliche Räume, in denen Menschen über Europa diskutieren, ohne sich in Partei-Schützengräben zu verkriechen.“

Der internationale Präsident der Paneuropa-Union und ehemalige kroatische Wissenschaftsminister Prof. Pavo Barišić zitierte den britischen Historiker Arnold Toynbee mit dem „berühmten Schluß, daß jede Zivilisation nur in dem Maße fortschreitet oder überlebt, in dem sie erfolgreich auf die Herausforderungen reagiert, die ihr durch Natur, Nachbarzivilisationen oder tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen gestellt werden.“ In unserer Zeit gehe es schlichtweg um das Überleben Europas, wie in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg. Als die Paneuropa-Bewegung entstanden sei, habe die europäische Einheit nur als politische Vision existiert. Heute habe die EU die Chance, „einen Platz unter den zentralen Mächten der entstehenden multipolaren Ordnung einnehmen.“ Dazu sei es allerdings unerläßlich, die europäische Außen- und Sicherheitspolitik weiterzuentwickeln und zu stärken. Die Paneuropa-Union unterstütze daher die Bestrebungen der Europäischen Kommission, Europa in die Lage zu versetzten, die volle Verantwortung für seine Verteidigung zu übernehmen. Während andere globale Akteure zur Logik der Eroberung zurückgekehrt seien, zeige Europa, „daß ein anderer Weg möglich bleibt – der Weg der Freiheit, des Friedens und der Zusammenarbeit.“

Der Präsident der Paneuropa-Union Ukraine, der international anerkannte Historiker Prof. Ihor Zhaloba, berichtete vom Leiden und Sterben der ukrainischen Zivilbevölkerung wie auch der Frontsoldaten, zu denen er sich selbst freiwillig für drei Jahre gemeldet hatte, und rief dringend zur massiven Unterstützung durch Europa gerade in den nächsten Monaten auf. Im Herbst 2022 habe man die Gelegenheit vertan, die Russische Föderation zu besiegen, weil die Ukrainer durch die Zögerlichkeit und das Bremsen ihrer internationalen Partner ohne Waffen blieben und viele Menschen verloren. Nunmehr gebe es klare Anzeichen, daß die Ukraine im Sommer 2026 erneut vor einem Zeitfenster von sechs bis neun Monaten stehe, in dem sie die Chance habe, die Russische Föderation zu zwingen, den Krieg zu für die Ukraine günstigen Bedingungen zu beenden. Durch den Aufbau ihrer Rüstungsindustrie habe die Ukraine ihre Abhängigkeit stark reduziert; andererseits nähere sich die Ermüdung der Soldaten unter ständigem Feinddruck dem kritischen Punkt. Zhaloba schilderte die eindrucksvollen Erfolge der ukrainischen Streitkräfte, die inzwischen zu einer der innovativsten Armeen der Welt geworden seien und sich mittlerweile intensiv an der Ausbildung von Soldaten in der EU und anderswo beteiligten: „Wir versuchen mit neuen Technologien, Leben zu sichern“. Das ukrainische System basiere auf Vertrauen, Vernetzung und einem hohen Maß an Eigeninitiative, während die russische Militärführung Kontrolle und Loyalität wichtiger nehme als Kompetenz. Dennoch sei die russische Armee nicht zu unterschätzen: „Wir – die Ukraine, die EU, die demokratische Welt – haben einen ernsten, erfahrenen Feind.“

Der Landesvorsitzende der Paneuropa-Union Bayern und Vizepräsident der internationalen Paneuropa-Union, Dirk H. Voß, konstatierte, die Europäische Union befinde sich in stürmischen Gewässern. Im Osten vom Kriegsverbrecher Putin bedroht, habe sie im Westen mit Vereinigten Staaten zu tun, „die die regelbasierte internationale Ordnung hemmungslos zertrümmern, weil eine gefährliche Polit-Sekte unter Führung des Möchtegern-Diktators Trump die altehrwürdige Republikanische Partei und die USA insgesamt in Geiselhaft genommen haben.“ Zugleich habe die Volksrepublik China längst begonnen, sich die Welt durch wirtschaftliche Abhängigkeit untertan zu machen. Die Antwort darauf könne nur in einer konsequenten Überwindung der Nationalstaaten in Europa liegen und in der Vollendung der EU zu einer starken, souveränen und unabhängigen Weltmacht für die Moderne.

Moderiert wurde die Tagung in der Kurfürstlichen Reitschule, zu der die Siebenbürger-Banater Blaskapelle Ingolstadt schwungvoll musizierte, vom Bundesvorsitzenden der Paneuropa-Jugend Deutschland, Rudolf Jürgens.

Verteidigungspolitisches Podium 

Bei Airbus in Manching, wohin die Paneuropäer mit Bussen gebracht wurden, hieß der Vertriebsleiter des Konzerns für Kampfflugzeuge, Matthias Nitsche, die Paneuropäer willkommen. Er bemühte sich, deren Bedenken wegen des von Bundeskanzler Friedrich Merz verkündeten Endes des FCAS-Projektes zu zerstreuen. Dabei gehe es nicht nur um ein Kampfflugzeug, sondern um einen Verbund von bemannten und nicht bemannten Flugsystemen, von denen zahlreiche Elemente auch künftig Weiterentwicklungschancen böten: „Unser Konzern ist genetisch europäisch und deutsch-französisch, was er auch weiterhin bleiben wird. Niemand muß befürchten, daß wir nicht partnerfähig wären.“

Den herzlichen Begrüßungsworten Nitsches folgte eine ungemein lebendige, teilweise kontroverse Diskussion, die mit einem verteidigungspolitischen Podium begann und dann ins Plenum getragen wurde. In einer Schlußrunde formulierten die hochrangigen Referenten teils sehr unterschiedliche politische Handlungsempfehlungen. Der Sprecher der CDU/CSU im Verteidigungsausschuß des Bundestages, Thomas Erndl, forderte auch für die Zukunft identitätsstiftende Rüstungsprojekte zwischen Deutschland und Frankreich, die auch mit Polen im Rahmen des Weimarer Dreiecks weiterentwickelt werden könnten: „Wir brauchen Leuchttürme.“ Dazu gehöre die Umsetzung einer polnischen Initiative mit Langstrecken-Drohnenentwicklung. Erndl sprach sich klar für einen Gesellschaftsdienst für alle aus, der nicht nur die Zahl der Zeit- und Berufssoldaten steigern könne, sondern vor allem auch die der Reservisten.

Der Brigadier a.D. im Österreichischen Generalstab Gerald Karner stellte die Notwendigkeit einer energischeren Haltung gegenüber Rußland in den Mittelpunkt seiner Ausführungen: „Dauerhafte Erfolge der Ukrainer sind für ganz Europa essentiell. Solange wir mit Augenzwinkern hinnehmen, daß Drohnen auf NATO-Gebiet eindringen, wird Putin uns nicht ernst nehmen, sondern uns noch stärker bedrohen.“ Karner plädierte für eine pro-europäische gemeinschaftliche Verteidigung mit einer Machtkomponente: „Rußlands verbrecherische Führung betreibt einen imperialistischen Angriffskrieg. Sie sind entschlossen – und wir sind nicht entschlossen, uns zu einer europäischen Macht zu entwickeln. Das ist ungemein gefährlich.“

Der polnische Botschafter in Berlin, Jan Tombiński, knüpfte daran an mit der These, daß viele Europäer, insbesondere im deutschen Sprachraum, „eine russische Niederlage mehr fürchten als einen russischen Sieg“. Es sei höchste Zeit, Europas Kraft gegen Rußland auszuspielen: „Wenn Moskau siegreich oder befriedigt herauskommt, werden alle Gefahren noch stärker.“ Eine Europäische Armee könne nur aus konkreten Taten und praktischer Erfahrung entstehen – dies entspreche der Methode Schuman/Monnet bei der Europäischen Einigung der Gründungsjahrzehnte. Der erste Schritt sei nach dem Ersten Weltkrieg die Paneuropa-Idee gewesen, dann nach 1945 die Nachkriegs-Versöhnung. Heute erlebe Europa auf dem Gebiet der Sicherheits- und Verteidigungspolitik „seinen dritten Gründungsmoment“.

Der Kommandeur der Pionierschule des Heeres in Ingolstadt, Brigadegeneral Christian Friedl, sprach vom „unglaublichen Aufwand“, um die Zahl der Soldaten in Deutschland und die der Reservisten aufzustocken. Deshalb führe „der Weg nicht vorbei an irgendeiner Form des Pflichtdienstes. Dessen Einführung wäre für unsere Gesellschaft wirklich ein positives Signal, das europaweit ausstrahlen würde.“ Der General zeigte sich dankbar dafür, daß ukrainische Offiziere inzwischen vielfach „ihre Expertise mit unseren Soldaten geteilt haben.“ Dies mache Europa stärker. „Man kann ja zu Recht die Frage stellen, warum 450 Millionen Europäer, die sich gegen 140 Millionen Russen verteidigen müssen, noch weitere 350 Millionen Amerikaner dazu brauchen.“

Carlos Uriarte Sánchez, Professor an der Madrider Juan-Carlos-Universität und Präsident der Paneuropa-Union Spanien, arbeitete einen wesentlichen Unterschied zwischen Ukrainern und Russen heraus: In der Ukraine kämpften alle Gesellschaftsschichten, darunter hochqualifizierte Spezialisten auf den verschiedensten Gebieten, für die Freiheit ihres Landes. Putin hingegen rekrutiere hauptsächlich marginalisierte Gruppen wie Tschetschenen, asiatische Russen und Koreaner – „Russen aus Moskau und St. Petersburg kämpfen nicht für Rußland“. Uriarte thematisierte das Problem, daß Moskau ständig mit einer Eskalation durch taktische Nuklearwaffen drohen könne und die EU dadurch schwäche. Er rief dazu auf, dem Kreml deutlich zu machen, daß es auch ihn „etwas kosten wird, wenn er die nukleare Komponente einsetzt.“ Dasselbe müsse China bewußt werden, falls es Taiwan angreifen sollte.

Bernd Wolsky, der das Podium als Präsidiumsmitglied der Paneuropa-Union Deutschland leitete, zeigte sich nicht nur als Befürworter einer Europäischen Armee, sondern forderte zudem „eine wehrhafte Bürgerbeteiligung“. Diese werde kurzfristig wirksam, wenn es gelte, die Wehrfähigkeit zu steigern. Darüber dürfe man aber nicht die notwendige Diskussion über den langfristigen Schritt hin zu einer Europäischen Verteidigungsunion vergessen: „Wenn wir nicht irgendwann losgehen, bleibt diese für immer eine Utopie.“

Dem Besuch bei Airbus schlossen sich ein faszinierender kulturhistorischer Vortrag des Vorsitzenden des Freundeskreises des Kelten- und Römermuseums in Manching, Dr. Georg Schweiger, und ein evangelischer Gottesdienst in der von dem berühmten Architekte Olaf Andreas Gulbransson aus Trümmern eines NS-Bauwerks errichteten Friedenskirche an, den Dekan Thomas Schwarz hielt. Anschließend tafelten die Paneuropäer im Peterwirt in Ingolstadt-Unsernherrn. Am Sonntag endete die Tagung mit einem katholischen Hochamt im Ingolstädter Liebfrauenmünster mit Marianus Bieber OSB von Niederaltaich.

Kraftreserve Donauraum – Impulse für Europa

Bei der festlichen Eröffnung zu Beginn der Paneuropa-Tage hatte Kroatiens Außenminister, der Paneuropäer Gordan Grlić Radman, erklärt, daß die EU-Donauraumstrategie ganz wesentlich zum Aufbau einer gemeinsamen europäischen Identität beitrage. Dies gelte nicht nur für die EU-Mitgliedstaaten unter den Anrainern dieses längsten europäischen Flusses, sondern auch für die Beitrittskandidaten. Die EU-Erweiterung um die Länder Südosteuropas erhöhe die Stabilität auf dem ganzen Kontinent. Kroatien unterstütze die Bewerber nachdrücklich, wenn es um Rechtstaatlichkeit und um die Ausrichtung an der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik der EU gehe. Grlić Radman lobte die Paneuropa-Union, weil diese älteste europäische Einigungsbewegung erkenne, daß Europa nicht nur durch Institutionen, sondern auch durch Regionen und Menschen Gestalt gewinne.

Für das Donau-Land Bayern sprach dessen stellvertretende Ministerpräsidentin Ulrike Scharf. Sie würdigte den böhmischen Grafen Richard Coudenhove-Kalergi, der vor mehr als 100 Jahren die Paneuropa-Union gegründet hat: „Er glaubte an Einheit statt Spaltung. Seine Botschaft war schlicht und stark: Europa wächst zusammen – oder Europa scheitert.“ Mehr denn je brauche die EU auch heute wieder Orientierung – „als Wertegemeinschaft, als Freiheitsgemeinschaft und als Schicksalsgemeinschaft.“ Deshalb sei das Motto dieser Paneuropa-Tage „Zusammenschluß statt Zusammenbruch!“ der politische Auftrag unserer Zeit. Die Ministerin wandte sich energisch gegen jene, die wie die AfD und Wladimir Putin die Europäische Einigung zu zerstören versuchten: „Sie wollen uns spalten und Mißtrauen säen.“ Wer wie jetzt die AfD-Delegation beim Wirtschaftsgipfel in St. Petersburg auftrete, „spielt Putins Spiel mit – nicht aus Versehen, sondern bewußt.“ Das Ziel sei klar: „Demokratie ganz abschaffen und unser Europa mit allen seinen Errungenschaften vernichten. Wir müssen dagegen halten, und zwar entschlossen und gemeinsam!“

Unter minutenlangem Applaus der Paneuropäer unterstrich Patrik Schwarcz-Kiefer, ungarisches Mitglied im Ausschuß der Regionen in Brüssel, den Neuaufbruch seines Landes nach den jüngsten Parlamentswahlen: „Ungarn ist zurück in Europa! Durch den großen Wahlsieg von Péter Magyar haben die Ungarn bestätigt, daß das Land dem von seinem ersten König, dem Heiligen Stephan, und seiner bayerischen Gemahlin Gisela gewählten europäischen Weg folgen soll.“ Der der ungarndeutschen Volksgruppe entstammende Politiker freute sich über die damit verbundenen Chancen: „Wir haben unser historisches Gleichgewicht wiedergefunden. Die vergangenen Jahre waren in vieler Hinsicht eine Ausnahme in unserer tausendjährigen Geschichte. Die Regel aber war und bleibt, daß Ungarn ein integraler Bestandteil jenes Europa ist, das auf dem christlichen Glauben, dem griechisch-römischen Recht und dem Gedanken der menschlichen Würde aufbaut.“ Der paneuropäische Gedanke sei die Seele Europas.

Den Landeshauptmann von Oberösterreich, Thomas Stelzer, vertrat der dortige Landtagsabgeordnete Florian Grünberger. Er schilderte sein Land als „starken Wirtschaftsstandort und Knotenpunkt für grenzüberschreitende Kooperationen im Donauraum“, der vor allem Brücken nach Bayern und Böhmen schlage. Grünberger rief dazu auf, die europäische Dynamik des Donauraumes mit dem Wertekompaß der Paneuropa-Union, die auf dem Christentum beruhe, zu verbinden. So entstehe „ein Europa, das nicht nur abwartet, sondern führt, nicht nur verwaltet, sondern gestaltet, nicht nur träumt, sondern handelt.“

Die oberbayerische Europaabgeordnete und Vorsitzende der CSU-Europagruppe Prof. Angelika Niebler zeigte sich wie Patrik Schwarcz-Kiefer glücklich über den Wahlausgang in Ungarn. Dies beende gefährliche Blockaden, denen die ganze EU in den letzten Jahren der Regierung von Viktor Orban ausgesetzt gewesen sei. Bei den Verhandlungen über den EU-Finanzrahmen stehe das Europaparlament vor der Frage, ob Kohäsionsmittel und Regionalförderung gekürzt werden sollten: „Wir von der EVP mit Manfred Weber an der Spitze werden uns einsetzen, daß es nicht dazu kommt und die Regionen im Europaparlament weiter eine starke Stimme haben.“ Dasselbe gelte für die Bereiche Sicherheit und Verteidigung: „Wir müssen europäisch denken, planen und handeln.“ Beim Thema Kampfjet hätten Frankreich und Deutschland „jahrelang Zeit verplempert.“ Wenn nur die einzelnen Mitgliedstaaten versuchten Lösungen für Verteidigungsprojekte zu finden, könne dies vorübergehend helfen, „aber am Ende des Tages brauchen wir eine Europäische Armee.“

Oberbürgermeister Michael Kern kam in seinem Grußwort ausgehend von Ingolstädter historischen Fixpunkten wie der Universität, aus der die Münchner LMU entstanden sei, dem Reinheitsgebot für Bier, das 1516 in Ingolstadt verkündet wurde und immer noch in Kraft sei, und der „Schanze“, der Landesfestung, in die sich die bayerischen Herrscher mit Kronschatz und Familie im Ernstfall hätte zurückziehen können, zur Donau, die das europäische Wesen der Stadt präge. Die Pionierschule auf der Schanz wiederum solle den Übergang über die Donau sicherstellen und diene dem Personen- und Zivilschutz, der erneut wichtig geworden sei: „Auch das ist Alltag und Realität, daß die ruhigen Jahre vorbei sind. Wir stehen in hybriden Auseinandersetzungen, nicht Krieg, aber nicht richtig Frieden. Unsere Datensysteme werden angegriffen – hier brauchen wir ein starkes Europa.“

Der Festakt im Großen Saal des Ingolstädter Hotel Maritim mit Teilnehmern aus 14 Nationen wurde vom Bundesgeschäftsführer der Paneuropa-Union, Johannes Kijas, moderiert und mit schwungvollen Melodien aus dem ganzen Donauraum von der Siebenbürger-Banater Blaskapelle Ingolstadt musikalisch umrahmt.

Die Paneuropa-Union ist die 1922 gegründete älteste Europäische Einigungsbewegung.

Bericht und Bilder und weitere Informationen: www.paneuropa.org

20260612_202410 … hk.jpg: Bei der Festlichen Eröffnung von rechts nach links: Prof. Angelika Niebler MdEP, OB Michael Kern, Staatsministerin Ulrike Scharf, Bernd Posselt und Prof. Pavo Barišić.

P 1006639 … sz.jpg: Prof. Pavo Barišić, Prof. Angelika Niebler MdEP und Dirk H. Voß.

P 1006654 … sz.jpg: Donauraum unter sich: Der ungarndeutsche Politiker Patrik Schwarcz-Kiefer, der kroatische Botschafter Gordan Bakota und Kroatiens Außenminister Gordan Grlić Radman.

P1006670 … sz.jpg: Bundesgeschäftsführer Johannes Kijas.

P1006694 … sz.jpg: Staatsministerin Ulrike Scharf.

P1006797 … sz.jpg: Der oberösterreichische Landtagsabgeordnete Florian Grünberger.

P1006922 … sz.png: Der große Saal des Ingolstädter Maritim.

P1007098 … sz.jpg: Bernd Posselt und Sebastian Roloff bei der Hauptkundgebung.

P1007182 … sz.jpg: Prof. Ihor Zhaloba berichtete aus der Ukraine.

20260613_105904 … hk.jpg: Hauptkundgebung in der Kurfürstlichen Reitschule: Sebastian Roloff MdB und die Siebenbürger-Banater Blaskapelle Ingolstadt.

P1007312 … sz.jpg: Für Paneuropa ist es eine Minute vor Zwölf!

P1007314 … sz.jpg: Hauptkundgebung in der Kurfürstlichen Reitschule in Ingolstadt.

P1007317 … sz.jpg: Bernd Posselt spricht, umgeben von der Siebenbürger-Banater Blasmusik.

Panel Airbus.jpg: Verteidigungspolitisches Podium im Auditorium des Airbus-Konzerns in Manching: v.l.n.r. Thomas Erndl MdB, Brigadier a.D. Gerald Karner, Botschafter Jan Tombiński, Matthias Nitsche, Brigadegeneral Christian Friedl, Prof. Carlos Uriarte Sánchez und Bernd Wolsky.

P1007351 … sz.jpg: Georg Schweiger vergegenwärtigt das einstige keltische Oppidum in Manching.

P1007373 … sz.jpg: Dekan Thomas Schwarz beim evangelischen Gottesdienst in der Manchinger Friedenskirche.

P1007410 … sz.jpg: Paneuropäer vor der Manchinger Friedenskirche.

20260614_093918 … hk.jpg: Festgottesdienst im Ingolstädter Liebfrauenmünster.

P1007527 … sz.jpg: Pfarrer Bernhard Oswald und der Abt von Niederaltaich, Abt Marianus Bieber OSB, am Altar des Liebfrauenmünsters.

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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