Gesundheit

Vom Lavendelfeld zum ätherischen Öl

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Gebensbach/Adlstraß. In Adlstraß wird medizinischer Lavendel nicht nur angebaut, sondern direkt auf dem Hof schonend weiterverarbeitet. Der Landschaftsgärtnermeister Matthias Tafelmeier nennt sein Projekt “Landschaft für die Seele”.

Auf dem Hof in Adlstraß wurden im Jahr 2019 die ersten Pflanzen des medizinischen Lavendels, botanisch Lavandula angustifolia, gesetzt. Mittlerweile prägen rund 60 Lavendelreihen das Landschaftsbild. Während der Blütezeit erfreuen sie Besucher mit Duft und intensiver Farbe; zahlreiche Insektenarten wie Bienen, Hummeln und Schmetterlinge finden dort Nahrung und Lebensraum.

Eine Besonderheit des Lavendelfelds in Adlstraß ist die große Vielfalt der einzelnen Pflanzen. Der Lavendel wurde nicht, wie im professionellen Anbau häufig üblich, über Stecklinge vermehrt, sondern aus Samen gezogen und ist daher genetisch unterschiedliche Zufallssämlinge. In ihrer Vielfalt ähneln die Pflanzen damit eher einem Wildlavendel als einer einheitlichen Kultur. Die einzelnen Pflanzen unterscheiden sich unter anderem in Wuchs, Blütenfarbe, Erntezeitpunkt und Duft. Dadurch entsteht bei der Verarbeitung ein vielschichtiges ätherisches Lavendelöl mit unterschiedlichen Duftnuancen; auch das Lavendelhydrolat erhält durch die Vielzahl der Pflanzen ein besonders komplexes Aroma.

In Adlstraß wird großer Wert auf hochwertige Kultivierung und schonende Verarbeitung in Manufakturgröße gelegt. Die Ernte erfolgt meist Ende Juli; dabei wird insektenfreundlich vorgegangen und den Tieren ausreichend Rückzugsmöglichkeiten gelassen. Zu Beginn der Ernte werden die blühenden Lavendelpflanzen abgemäht. Das frisch geschnittene Pflanzenmaterial wird zeitnah in die Destillationstöpfe der hofeigenen Wasserdampf-Extraktionsanlage eingefüllt und dort gleichmäßig verteilt. Die Destillationstöpfe werden verschlossen, und der für die Extraktion benötigte Wasserdampf wird mit einem historischen, holzbefeuerten Dampferzeuger erzeugt.

Der heiße Wasserdampf wird von unten durch das Pflanzenmaterial geleitet und nimmt dabei die flüchtigen ätherischen Bestandteile des Lavendels auf. Das entstehende Gemisch aus Wasserdampf und ätherischem Öl gelangt in das Kühlsystem der Anlage, wo der Dampf abgekühlt und wieder zu einer Flüssigkeit kondensiert. Diese besteht zunächst aus Lavendelhydrolat und ätherischem Lavendelöl. In einem speziellen Öltrenngefäß werden die beiden Bestandteile voneinander getrennt, sodass das ätherische Öl abgeschieden werden kann. Zurück bleiben zwei eigenständige Produkte: das ätherische Lavendelöl und das aromatische Lavendelhydrolat.

Auch die nach der Wasserdampfextraktion verbleibenden Pflanzenbestandteile werden als wertvolle Reststoffe betrachtet und weiterverarbeitet, um die Lavendelpflanze möglichst umfassend zu nutzen und in regionale Stoffkreisläufe einzubinden. Der Lavendelanbau hat darüber hinaus positive Auswirkungen auf den Standort: Lavendel bildet tiefe Wurzeln, kommt auch mit vergleichsweise humusarmen Böden zurecht und ist an warme und trockene Bedingungen angepasst, weshalb die Kultur für veränderte klimatische Bedingungen mit längeren Hitze- und Trockenperioden geeignet ist. Bei Wetterextremen wie Starkregen schützen die dauerhaft auf dem Feld verbleibenden Halbsträucher den Boden vor Abschwemmung und Erosion. Gleichzeitig bieten die Pflanzen ganzjährig Lebensraum und Rückzugsmöglichkeiten für verschiedene Insekten und Kleintiere.

Die Lavendel-Wasserdampf-Extraktion in Adlstraß verbindet traditionelle Technik, handwerkliche Verarbeitung und moderne landwirtschaftliche Ansätze. Das Lavendelfeld ist nicht nur Lieferant hochwertiger pflanzlicher Rohstoffe, sondern zugleich ein wichtiger Bestandteil des Landschaftsprojekts Adlstraß und ein Beitrag zum Erhalt und zur Förderung der biologischen Vielfalt. Die fertigen Erzeugnisse und Produkte aus Lavendel sind im Hofladen von Matthias Tafelmeier erhältlich.

Text und Bildmaterial: Hans Kronseder


Redaktion

Toni Hötzelsperger

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