Prien am Chiemsee – Chronische Schmerzen betreffen viele Menschen und schränken das Leben oft stark ein. Ein Gespräch über Ursachen, das „Schmerzgedächtnis“ und warum ein multimodaler Ansatz oft mehr hilft als einzelne Maßnahmen.
Das Gespräch – zur Vorbereitung auf die Veranstaltung am 13. November in der RoMed Klinik in Prien a. Chiemsee
Auf die Frage, wie groß das Problem chronischer Schmerzen in Deutschland sei, antwortet Christoph Burkl: “Wir sprechen über ein relevantes Volksgesundheitsthema. Etwa jede zweite betroffene Person berichtet über spürbare Auswirkungen auf Arbeit und Alltag. Schätzungen gehen von 10 bis 20 Prozent betroffener Erwachsener aus, manche Erhebungen nennen – je nach Definition – sogar bis zu einem Drittel. Viele warten sehr lange auf wirksame Hilfe: Mehr als die Hälfte sucht über zwei Jahre nach einer passenden Behandlung.” Auf die Frage, ab wann Schmerzen als chronisch gelten, erklärt Burkl: “Wenn Beschwerden wie Rücken-, Gelenk- oder Nackenschmerzen länger als drei Monate anhalten oder immer wiederkehren, sprechen wir von chronischen Schmerzen. Häufig hat sich dann ein sogenanntes Schmerzgedächtnis gebildet: Das Nervensystem bleibt in Alarmbereitschaft und sendet weiter Schmerzsignale, obwohl die ursprüngliche Ursache längst abgeklungen sein kann.” Zur Therapie erläutert Burkl, warum einzelne Maßnahmen oft nicht ausreichen: “Schmerz ist selten nur rein körperlich. Stress, Ängste, Schonhaltungen und soziale Faktoren wirken mit. Deshalb kombinieren wir in der Regel mehrere Bausteine: ärztliche Behandlung, Physiotherapie, Bewegungstraining, psychologische Begleitung, Entspannungsverfahren sowie ergänzend etwa Yoga- und Kunsttherapie. Die Erfahrung zeigt: Die Kombination vergrößert die Chance, dass Menschen wieder aktiver und belastbarer werden.”
Auf die Frage, was der Schwerpunkt konservative Orthopädie konkret bedeute, sagt Burkl: “Nicht immer ist eine Operation die beste Lösung. Häufig lassen sich Beschwerden durch gezielte Übungen, das Umlernen ungünstiger Bewegungsmuster, Muskelaufbau und ein gutes Verständnis der eigenen Belastungsgrenzen deutlich reduzieren. Unser Ansatz ist: stärken, was trägt – mit möglichst wenig Nebenwirkungen.” Zur Indikation für eine stationäre Behandlung erklärt Burkl: “Wenn ambulante Maßnahmen ausgeschöpft sind, wenn zusätzliche psychosoziale Belastungen bestehen oder wenn eine enge Verzahnung vieler Therapieelemente in kurzer Zeit sinnvoll ist. Stationär können wir täglich justieren, unmittelbar reagieren und die Bausteine eng miteinander koppeln.” Zum typischen Therapiealltag heißt es: “Sehr strukturiert und gleichzeitig individuell: medizinische Visiten, Physiotherapie und Bewegungseinheiten, psychologische Gespräche, Üben von Entspannung, ergänzende Angebote wie Yoga- oder Kunsttherapie – und dazwischen alltagsnahe Aufgaben, die helfen, neue Routinen zu verankern. Wichtig ist, dass die Elemente aufeinander aufbauen.”
Auf die Frage, was Patientinnen und Patienten realistisch erwarten dürfen, antwortet Burkl: “Vielen Betroffenen ist das Finden der Ursache der Schmerzen wichtig. Diese klären wir zu Beginn der Behandlung. Darauf aufbauend erstellen wir einen Behandlungsplan, der über den stationären Aufenthalt hinausreicht. Bereits während der zweiwöchigen Schmerztherapie ist regelhaft bezüglich der am häufigsten genannten Behandlungsziele Schmerzlinderung, Medikamentenreduktion, Verbesserung der Beweglichkeit, Mobilität und Funktion sowie Gewinn an Teilhabe und Lebensfreude, also Lebensqualität, eine deutliche Verbesserung zu beobachten, dies bemerken wir auch an Verbesserungen bei Schlaf und Stimmung.”
Zur Rolle der Psyche betont Burkl: “Grundsätzlich ist die Schmerzwahrnehmung real und keine Einbildung. Diese Wahrnehmung und Wertung der Signale des Körpers ist abhängig von unseren Gedanken und Gefühlen, d. h. der Psyche, eine Erfahrung die jeder Mensch im Alltag macht, beispielsweise kann gerade chronischer Schmerz in angenehmen Situationen ausgeblendet werden. Psychologische Verfahren helfen, Kraftquellen zu finden, Freude zu empfinden sowie Angst und Vermeidungsverhalten zu reduzieren und den Umgang mit Schmerz zu verändern. Das senkt nachweislich Leidensdruck und kann die Schmerzintensität beeinflussen.” Zum Zeitpunkt des Eingreifens sagt Burkl: “Sehr wichtig. Je früher wir eine drohende Chronifizierung erkennen, desto größer ist die Chance, diese zu verhindern. Hausärztinnen und Hausärzte sind hier die zentrale erste Anlaufstelle und wichtige Wegweiser in spezialisierte Behandlungen.”
Was Betroffene bis zum Zugriff auf spezialisierte Angebote selbst tun können, fasst Burkl so zusammen: “In Bewegung bleiben – dosiert und regelmäßig, achtsam mit sich selbst umgehen und das Genießen nicht verlernen. Erholung, Pausen und Entspannung regelmäßig im Alltag einbauen, Schonhaltungen hinterfragen, und wenn Belastungen gesteigert werden sollten, dann langsam und schrittweise. Und frühzeitig das Gespräch in der Hausarztpraxis suchen, um gemeinsam den nächsten Schritt zu planen.” Sein persönliches Fazit lautet: “Chronische Schmerzen lassen sich nicht immer vollständig beseitigen. Mit einem guten Therapiekonzept und Unterstützung können viele Menschen ihren Alltag wieder selbstbestimmter und hoffnungsvoller gestalten. Darum geht es – Tag für Tag.”
Terminhinweis
Die Informationsveranstaltung “Schmerztherapie – Geht´s auch ohne Medikamente?” findet am 13. November 2026 von 15 bis 17 Uhr in der RoMed Klinik Prien, Harrasser Straße 61–63, statt. Christoph Burkl und sein Team bieten an diesem Nachmittag Informations- und Mitmachangebote aus verschiedenen Fachbereichen:
- Physiotherapie: Bewegungsübungen und Haltungsverbesserung
- Pflege: Schmerzbehandlung TENS, Aromatherapie, physikalische Therapie sowie weitere unterstützende Maßnahmen
- Psychotherapie: Entspannungsverfahren und Strategien zur Schmerzbewältigung
Die Veranstaltung möchte Betroffene ermutigen, neue Wege im Umgang mit chronischen Schmerzen zu entdecken. Moderne Therapieansätze werden erklärt, praxisnahe Alltagsstrategien vorgestellt und konkrete Möglichkeiten aufgezeigt, den eigenen Alltag bewusster und selbstbestimmter zu gestalten.
Text und Bildmaterial: RoMed Kliniken / Christoph Burkl






