„Der beste Beitrag zur Entlastung des Gesundheitssystems“ – Gesundheitsamt und Gesundheitsregionplus Stadt und Landkreis Rosenheim luden zur regionalen Präventionskonferenz
Um Menschen für Sport zu begeistern, entstanden vor mehr als 50 Jahren zahlreiche „Trimm-dich-Pfade“ in Deutschland. Etwa alle 200 Meter gab es eine Übungsstation samt Übungsanleitung mittels einer Tafel. Diese „Trimm-dich-Pfade“ sind inzwischen längst abgebaut. An der Notwendigkeit, Gesundheit zu fördern, hat sich aber nichts geändert. Im Gegenteil: Lebensstil und Umweltbedingungen haben die Bedeutung von Prävention und Gesundheitsförderung zunehmen lassen. Das Bayerische Gesundheitsministerium hat deshalb einen Masterplan Prävention entwickelt. Um ihn vor Ort mit Leben zu erfüllen, luden das Gesundheitsamt und die Gesundheitsregionplus Stadt und Landkreis Rosenheim nach Bad Endorf zur regionalen Präventionskonferenz.
Im Kultursaal am Park bei den Chiemgau Thermen wurde sehr deutlich, wie umfassend die Bandbreite der Prävention ist. Es reicht von dem Appell, den Kleinsten in den Kitas mehr Raum für ihren Bewegungsdrang zu lassen bis hin zur Trauerarbeit, als Beitrag zur psychischen Gesundheit. „Prävention kann nur im Team funktionieren,“ sagte der Leiter des Gesundheitsamtes Rosenheim Dr. Wolfgang Hierl in seiner Begrüßung. Ähnlich äußerte sich die Geschäftsstellenleiterin der Gesundheitsregionplus Stadt und Landkreis Rosenheim Katrin Posch, „die Vielfältigkeit hier im Raum ist eine reiche Ressource.“ Landrat Otto Lederer forderte alle Anwesenden auf, eigene Ideen einzubringen, „jeder kann mitgestalten.“ Das Ziel des Landrats, „machen wir heute den ersten Schritt in Richtung Präventionsregion.“
Der Amtschef im Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention Dr. Rainer Hutka forderte auch mit Blick auf die laufende Debatte um die Kosten im Gesundheitswesen ein komplettes Umdenken. „Wir müssen wegkommen von der Reparaturkultur, hin zur Präventionskultur.“ Und weiter meinte er, „der beste Beitrag zur Entlastung des Gesundheitssystem ist, gar nicht erst krank zu werden.“
Wie es um die Gesundheit der Menschen hierzulande steht, erläuterte Professor Dr. Thomas Hammerschmidt, Dekan der Fakultät für Angewandte Gesundheits- und Sozialwissenschaften der Technischen Hochschule Rosenheim. Der Gesundheitsökonom beschrieb das deutsche Gesundheitssystem als „super“, aber auch als „ineffizient“ in Bezug auf die Gesundheitsausgaben. Seine Begründung, die hohen Ausgaben stehen nicht im Verhältnis zur Lebenserwartung der Bevölkerung. Beispielsweise liegt nach seinen Angaben das Risiko für 30-Jährige, vor ihrem 70. Geburtstag zu versterben, in Deutschland bei 12 Prozent. In Italien sind es dagegen 9 Prozent und in Norwegen 8 Prozent.
Die Risikofaktoren sind bekannt und beeinflussbar: Rauchen, übermäßiger Alkohol, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel. Laut Professor Hammerschmidt liegt der Konsum von reinem Alkohol in Deutschland um 25 Prozent über dem von Rest-Europa. Oder, 20 Prozent der Bürgerinnen und Bürger sind stark übergewichtig. Die Gesamtkosten, die diese vier Risikofaktoren verursachen, bezifferte Hammerschmidt auf etwa 270 Milliarden Euro pro Jahr.
Der Professor schlug vor, auf Prävention zu setzen. „Es lohnt sich, denn es wird mehr Geld eingespart, als es kostet.“ Darüber hinaus regte er auch hier an, sich anzuschauen, wie andere Länder mit Risikofaktoren umgehen. Tabakwaren sind teurer und es gibt Werbeverbote. Auch beim Alkohol werden vielfach höhere Preise verlangt, es gibt ein Mindestalter beim Verkauf und beschränkte Verfügbarkeiten. Im Bereich Ernährung werden Abgaben für stark gezuckerte Softdrinks verlangt und es gibt Mindeststandards beim Schulessen. Weiter schlug Professor Hammerschmidt vor, die Freude an Bewegung im Kindergarten mehr zu fördern, oder Vereine und Fitnessstudios sollten mehr Verantwortung übernehmen bei der Förderung der Bewegung von über 70-Jährigen.
Im Anschluss waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Präventionskonferenz gefragt. Ihre Aufgabe, den Bayerischen Masterplan Prävention auch für unsere Region mit Leben zu erfüllen. Um Menschen, im wahrsten Sinne des Wortes zu bewegen, braucht es soziale Kontakte, Spaß, niederschwellige Angebote oder Möglichkeiten, sich auszuprobieren. Präventionsangebote dürfen nicht zu Stigmatisierungen führen, oder es darf keinen Rechtfertigungsdruck geben. Mehrfach wurde festgestellt, dass sehr früh mit Prävention begonnen werden muss, am besten schon bei den Kleinsten. Wichtig auch, die Teilnahme an Prävention darf nicht am Geldbeutel scheitern.
Viele Präventionsangebote gibt es bereits, sie sind nur zu wenig sichtbar. Um das zu ändern, wünschten sich die Teilnehmenden, die Angebote in einer digitalen Landkarte darzustellen. Es wurde außerdem angeregt, dass sich die Anbieter regelmäßig treffen und kooperativ planen. Katrin Posch, die Geschäftsstellenleiterin der Gesundheitsregionplus leitete aus all den Anregungen einen Arbeitsauftrag ab. Der Weg zur Präventionsregion, die Landrat Otto Lederer als Ziel sah, hat gerade erst begonnen.
Bericht und Fotos: LRA Rosenheim




