Ob Direktvermarktung, Urlaub auf dem Bauernhof, Soziale Landwirtschaft oder erneuerbare Energien: Zwei Drittel der bayerischen Bäuerinnen und Bauern erschließen sich neben der klassischen Landwirtschaft weitere Einkommensquellen. Solche neuen Geschäftsfelder schaffen zusätzliche wirtschaftliche Perspektiven. Bei jedem vierten Betrieb mit zusätzlichen Standbeinen sind die Einkünfte daraus bereits mindestens so hoch wie aus der landwirtschaftlichen Produktion.
Für Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber sind die Zahlen Ausdruck der Innovationskraft der heimischen Landwirtschaft. „Unsere Bäuerinnen und Bauern sind Unternehmer. Sie erkennen Chancen, entwickeln neue Ideen und nehmen die Zukunft ihrer Höfe selbst in die Hand. Neue Wege sind kein Abschied von der Landwirtschaft, sie sind ihre Zukunft. Das verdient Unterstützung statt unnötiger Vorschriften. Besonders wichtig ist mir dabei eines: Unsere landwirtschaftliche Produktion muss sich auch für sich genommen rechnen“, so die Ministerin in einer Mitteilung zum Fachkongress „Neue Wege in der Diversifizierung“ der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Ruhstorf an der Rott.
Wie der Freistaat die Betriebe auf diesem Weg unterstützt, zeigt das landwirtschaftliche Gründerzentrum „NEU.LAND.“ der LfL. Seit 2023 unterstützt es Landwirtinnen und Landwirte dabei, neue Geschäftsideen zu entwickeln und umzusetzen. In einem mehrjährigen Pilotprojekt hat das Gründerzentrum 20 Betriebe intensiv begleitet – mit neuen Vermarktungs- und Tourismusangeboten, sozialen Dienstleistungen und weiteren innovativen Konzepten. Die Ergebnisse liegen inzwischen vor und zeigen, worauf es bei der Gründung neuer Betriebszweige ankommt: Eine gute Idee allein reicht nicht. Entscheidend sind auch die persönlichen Stärken, unternehmerisches Denken, eine sorgfältige Planung und der Rückhalt in der Familie. Und gerade in der Anfangsphase kann individuelles Gründungscoaching Betrieben helfen, ihre Ideen zu konkretisieren, Prioritäten zu setzen, Unsicherheiten frühzeitig zu erkennen und wichtige Entscheidungen vorzubereiten. Denn neue Geschäftsfelder müssen nicht nur wirtschaftlich tragfähig sein, sondern auch zum Hof und zu den Menschen passen, die dort arbeiten.
„Wir wollen, dass aus guten Ideen erfolgreiche Geschäftsfelder werden. Neben Mut brauchen die Betriebe dabei unbedingt verlässliche Rahmenbedingungen und die richtige Unterstützung. Mit NEU.LAND. bringen wir Forschung, Beratung und Praxis zusammen. Und wir müssen genau hinschauen, wo unnötige Hürden unternehmerische Initiative ausbremsen. Denn unsere Bauern brauchen Freiraum, um etwas Neues zu wagen“, betonte Kaniber.
Welche Chancen neue Geschäftsfelder eröffnen und welche Voraussetzungen dafür notwendig sind, stand auch im Mittelpunkt des zweitägigen Fachkongresses am 14. und 15. Oktober. Mehr als 100 Fachleute aus Praxis, Wissenschaft, Beratung und Bildung diskutierten über Herausforderungen und Erfolgsfaktoren von Gründungsprozessen und tauschten sich unter anderem über Direktvermarktung, Soziale Landwirtschaft, Urlaub auf dem Bauernhof und neue Möglichkeiten der Wertschöpfung durch Klimaschutz aus.
Die Erkenntnisse aus NEU.LAND. sollen künftig in die Weiterentwicklung der Unterstützungsangebote einfließen. Dazu gehören praxisnahe Beispiele, betriebswirtschaftliche Kennzahlen, ein optimiertes Coachingangebot und die Bereitstellung von Info-Bausteinen über eine Onlineplattform, die Betriebe in den unterschiedlichen Phasen ihrer Entwicklung begleiten. So können weitere Höfe neue Einkommensmöglichkeiten erschließen, unternehmerische Risiken breiter verteilen und ihre Zukunft erfolgreich gestalten.
Weitere Informationen zu Diversifizierung und zu NEU.LAND finden Interessierte unter https://www.gruenderzentrum.lfl.bayern.de/379276/index.php und https://www.stmelf.bayern.de/landwirtschaft/erwerbskombination/index.html.
Bericht: StMELF – Bildquelle: Angelika Warmuth/StMELF – Hofladen mit frischem Obst und Gemüse als Beispiel für Direktvermarktung.




