Die Zukunft der Landwirtschaft gestalten – oder Milliarden an Steuergeldern mit der Gießkanne verteilen? Die Ende Oktober veröffentlichte Position des EU-Agrarministerrates zur Gestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028 liest sich wie eine Abwicklung des Ziels, die Landwirtschaft in Europa nachhaltiger und resilienter zu gestalten. Bei einem gemeinsamen Hofbesuch im Landkreis Regen forderte die LVÖ Bayern Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer zu einem Kurswechsel im weiteren Ringen um die künftige Verteilung der GAP-Milliarden auf. Die Fördergelder der EU müssen die Entwicklung der landwirtschaftlichen Betriebe hin zu Nachhaltigkeit und Resilienz attraktiv machen und ihnen so den Weg in die Zukunft weisen. Die Förderung des ökologischen Landbaus als Leitbild für die Landwirtschaft der Zukunft muss, wie von der Kommission vorgeschlagen, verpflichtend werden.
Eine große Errungenschaft der GAP seit 2023 für den Schutz der Lebensgrundlagen ist: Mit der Einführung der sogenannten Konditionalität wurde die Auszahlung der Fördergelder mit verbindlichen Standards zum Guten Landwirtschaftlichen und Ökologischen Zustand (GLÖZ) verknüpft; zusätzlich ist ein Teil der Subventionen an sogenannte Öko-Regelungen gebunden. Nur LandwirtInnen, die diese zusätzlichen Umweltleistungen erbringen, haben Anspruch auf eine höhere Förderung.
Agrarpolitischer Flickenteppich
Die Position des EU-Agrarrats, dem Alois Rainer angehört, zur GAP ab 2028 geht nun weit in die entgegengesetzte Richtung. Die Milliarden der GAP sollen verstärkt für Flächenzahlungen ausgegeben werden und viele Maßnahmen für das Gemeinwohl haben nur noch einen freiwilligen Charakter. Damit würde Europa zum agrarpolitischen Flickenteppich. Ein Mindestbudget der GAP für Agrarumweltmaßnahmen ist nicht vorgesehen. Die Agrarminister verhinderten zudem den zukunftsweisenden Vorschlag von Seiten der Kommission, die Förderung des Ökolandbaus für die Mitgliedsstaaten verpflichtend einzuführen.
Thomas Lang, 1. Vorsitzender der LVÖ Bayern, sagte: „Der Ökolandbau zeigt seit Jahrzehnten praktikable Lösungen für die großen Herausforderungen der Landwirtschaft. Er geht als System erfolgreich voran und erbringt europaweit hohe Leistungen für das Gemeinwohl. Wir erwarten von Landwirtschaftsminister Rainer ein klares Bekenntnis zum Ökolandbau, auf deutscher wie auf europäischer Ebene. Europaweit brauchen die Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern Planungssicherheit und eine gute Förderung. Allein in Bayern warten mehr als 11.500 Bio-Bauern und Bio-Bäuerinnen mit ihren Familien darauf! Die neue GAP muss den Rahmen so setzen, dass ein guter Teil der Mittel in die Förderung des Ökolandbaus und somit in ein resilientes Landwirtschaftssystem fließt.“ Thomas Lang weiter: „Die EU-Agrarminister geben offensichtlich jeglichen Anspruch auf eine aktive Gestaltung der EU-Landwirtschaftspolitik auf. Mit ihrer Position wickeln sie die Zukunftsfähigkeit der Landwirtschaft ab. Eine solche GAP könnte man den Menschen in Europa nicht mehr vermitteln. Sie wäre weder gemeinsam, noch würden die Milliarden an Steuergeldern ihre Aufgabe erfüllen, nämlich in Richtung Zukunft und Gemeinwohl zu steuern.“
Bio-Betriebe von der Düngebedarfsermittlung befreien
Im Gespräch mit dem Minister ging es außerdem um den Abbau von Hindernissen für den Ökolandbau. Die LVÖ fordert, Bio-Betriebe von der Düngebedarfsermittlung auszunehmen. Der Ökolandbau verzichtet per Definition auf leicht löslichen synthetisch-mineralischen Stickstoffdünger, und die Nährstoffzufuhr unterliegt klaren Vorgaben. Thomas Lang sagte: „In Zeiten teurer Stickstoffdünger und hoher Abhängigkeit von fossilen Energieträgern setzt der Ökolandbau Maßstäbe für resilientes Wirtschaften. Mit der Befreiung der Bio-Betriebe von der Düngebedarfsermittlung würde der Bundesminister zwei wichtige Ziele voranbringen: weniger Bürokratie und Anerkennung der Leistungen des Ökolandbaus.“
Der Kraushof
Der Kraushof in Langdorf im Landkreis Regen bewirtschaftet rund 40 Hektar Grünland und hält 25 Milchkühe. Außerdem gehören 60 ha Wald zum Betrieb, mit Eigenjagd und eigenem Sägewerk. Seit 2017 wirtschaftet der Betrieb ökologisch und ist Mitglied im Anbauverband Biokreis. Die LVÖ Bayern hatte Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer zum Gespräch auf einen Bio-Betrieb in seinem Wahlkreis eingeladen. Die LVÖ Bayern vertritt als Dachverband die Bio-Verbände Bioland, Naturland, Biokreis und Demeter. In Bayern wirtschaften aktuell rund 11.500 landwirtschaftliche Betriebe auf einer Fläche von rund 435.000 ha nach den Richtlinien für den ökologischen Landbau. Hinzu kommen rund 5.500 Bio-Betriebe in Verarbeitung und Handel.
Text und Bildmaterial: Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern e.V. (LVÖ)





