Kultur Leitartikel

Grassauer Deichelbohrer – Preise

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Recht klein – mit 470 eingesandten Kurzgeschichten aus dem deutschsprachigen Raum – fing der Kurzgeschichten-Wettbewerb „Grassauer Deichelbohrer“ im Jahr 2018/ 2019 an – die Jury ermittelte die besten Autor/innen aus dem deutschsprachigen Raum. Die Einsendungen aber – im Abstand von jeweils zwei Jahren – gingen konstant aufwärts: Heuer fand der Wettbewerb zum fünften Mal mit bereits 1040 Geschichten statt. Die Jury ermittelte die drei Besten und drei vierte Plätze des begehrten „Grassauer Deichelbohrer“ – Literaturpreises.

Bei der feierlichen Preisverleihung in der Villa Sawallisch war allen sechs Gewinnern bis unmittelbar vor der Preisvergabe nicht bekannt, wer von ihnen an welcher Stelle stehen würde. So lag die Spnnung in er Luft – auch angesichts der hohen Temperaturen bis in die Nacht.

Grassaus Bürgermeister Stefan Kattari und die Kulturbeauftragte Daniela Ludwig begrüßten die geladenen Gäste im Festsaal der Villa. Der  Bürgermeister freute sich, dass – zum Thema „Sag nichts“ – sechs völlig unterschiedliche, spannende und stilistisch ganz verschiedene Geschichten ausgezeichnet wurden. Der Literaturpreis namens „Deichelbohrer“ gehe auf das Werkzeug zurück, mit dem früher die Baumstämme ausgehöhlt wurden, um sie als Rohrleitungen für die Salzpipelines zusammenzufügen. Die älteste Pipeline führte durch Grassau mit Station am Klaushäusl, dem heutigen Museum Salz und Moor, und weiter nach Rosenheim. Die Idee zu dem Kurzgeschichten-Wettbewerb hatte der frühere Geschäftsführer der Gemeinde Grassau, Robert Höpfner, selbst Autor und lange einer der beiden Vorsitzenden der Sawallisch-Villa. Die Idee, den Wettbewerb „Deichelbohrer“ zu nennen, hatte der Grassauer Autor Klaus Bovers. Kattari hob besonders die immense Arbeit der Jury hervor, bestehend aus Klaus Bovers, Christine Paxmann, Janina Fellgiebel, Silvia Nett-Kleyboldt und Willi Schwenkmeier, die viele tausend Seiten gelesen und beurteilt hatten.

Grassaus Kulturbeauftragte Daniela Ludwig stellte Grassau als „heimliche Kulturhauptstadt des Landkreises Traunstein“ vor und deren umfassendes Engagement für die Kultur, besonders durch seine bedeutende Musikschule mit mehr als 1000 Schülern. Deren Können bewies dann durch ihre musikalische Untermalung die bereits mehrfach ausgezeichnete junge Bläsergruppe „EasyBrass“ der Musikschule Grassau, die unter der Leitung von Wolfgang Diem, langjährigem Leiter der Grassauer Musikschule und Vorsitzender der Sawallisch- Stiftung Sie spielten Stücke aus ganz unterschiedlichen Genres, sowie vor jeder Lesung der Geschichten kurze Jingles, komponiert von Stefan Dettl (LaBrassBanda, Grassau). Es spielten Max Schneider und Max Ludwig, Trompeten und Flügelhorn, Naomi Prasser, Horn, sowie Lui Kreitmair, Bariton – alle mehrfache Preisträger bei „Jugend musiziert“.

Moderiert wurde die von der Gemeinde Grassau und Klaus Bovers bestens organisierte Veranstaltung von der bekannten Literaturpreisträgerin Christine Paxmann. Die Lesungen der Kurzgeschichten übernahm heuer zum ersten Mal die aus Grassau stammende Schauspielerin Lorena Steffl, die einfühlsam alle sechs Kurzgeschichten vortrug, so dass sich das konzentriert lauschende Publikum selbst ein Bild machen konnte.

 Lars Peters erhielt den ersten Preis  

Den mit Spannung erwarteten ersten Preis erhielt Lars Peters aus Hamburg, 1968 geboren, der 2013 Eine Deutschschule für Flüchtlinge mit gründete und seit 2015 Lehrer am humanistischen Gymnasium Christianeum in Hamburg ist. Auf Instagram trat er gelegentlich als „Batman rettet die Demokratie“ auf und veröffentliche auf ZEIT online, im Rundfunk und Zeitschriften. Mit seiner gleichermaßen berührenden wie traurig humorvollen Geschichte „Oleg“ mit unerwartetem Ende belegte er den ersten Platz. Es geht um einen erfolgreichen Unternehmer, der sich wegen seines hochbegabten Sohnes Oleg an einen Lehrer wendet und ihn um Hilfe bittet… Mehr wird nicht verraten. Mit großer Freude über seinen ersten Preis erhielt Lars Peters neben Urkunde, Blumen und Geschenken auch eine kleine Nachbildung eines historischen Deichelbohrers, wie er im auch im Museum Salz und Moor zu sehen ist als Sinnbild des Literaturwettbewerbs überreicht.

Sehr berührend, traurig, erschütternd war „Weißer Hase“, die zweitplatzierte Geschichte von Kerstin Simon, Jahrgang 1964,  die über 35 Jahre als Lehrerin arbeitete und sich heute auch als systemischer Coach nur noch auf ihre Leidenschaft, das Schreiben, konzentrieren kann. Ihre Kurzgeschichten wurden schon bei mehreren Wettbewerben prämiert und erschienen in Anthologien des S.Fischer-Verlages. Bei „Weißer Hase“ geht es um eine Vater/Sohn-Beziehung mit tödlichem Ausgang. Mit viel Wissen um die heutige Jugend, Mediennutzung und Elternbeziehungen besticht die Geschichte „Mayas Zopf“ des Autors Matthias Herrmann, der in Berlin und Limburg als selbständiger E-learning-Autor lebt und arbeitet. Auch er veröffentlicht in Literaturzeitschriften und Anthologien. Witzig, einfühlsam mit  überraschendem Ende zum Schmunzeln ist seine Kurzgeschichte.

Bei den drei vierten Plätzen gab es keine Rangfolge. „Unter Weiden schläft man länger“ heißt die Geschichte von Monika Bayer-Marks, 1956 geboren, die „zu unserem sprachlosen Bedauern“, wie es Christine Paxmann ausdrückte, kurz vor der Preisverleihung ganz unerwartet verstorben war. Den Preis nahm ihr Mann stellvertretend entgegen. Die beiden weiteren vierten Preise gingen an Christine Düsel aus Bamberg für ihre Geschichte „Allerheiligen himmelblau“ und Susanne Helmer, 1982 in Greifswald geboren, für „Worte wiegen“. Alle preisgekrönten Kurzgeschichten sind in einer sorgfältig gestalteten Broschüre zusammengefasst, die so lange der Vorrat reicht –  in der Sawallisch-Villa zu haben ist.

Bericht und Bilder: Christiane Giesen 

Bei der Preisverleihung des „Grassauer Deichelbohrer“ 2025/2026 in der Sawallisch-Villa im Vordergrund der strahlende Erstplatzierte Lars Peters mit der kleinen Figur des Deichelbohrers, Blumen, Urkunden und Geschenken, links im Hintergrund (von links) Preisträger Susanne Helmer, Christine ,Düsel und Matthias Herrmann, rechts Kulturbeauftragte Daniela Ludwig und Grassaus Bürgermeister Stefan Kattari.

Die Preisträger des 5. Literaturwettbewerbs „Grassauer Deichelbohrer (von links) Kerstin Simon, der Ehemann von Monika Bayer-Marks, Susanne Helmer, Christine Düsel, Matthias Herrmann und Lars Peters.

 

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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