Neue Geh- und Radunterführung soll eine seit Jahrzehnten gefährliche Engstelle entschärfen.

Rohrdorf – Für einen Tunnel sind 30 Meter keine große Länge. Für die Menschen zwischen Rohrdorf und Thansau können sie einen entscheidenden Unterschied machen: einen sicheren Schulweg, eine unbeschwerte Radfahrt oder einen Spaziergang ohne gefährliche Engstelle. Mit einem symbolischen Tunnelanschlag hat die Gemeinde den Auftakt zum Vortrieb einer neuen Geh- und Radunterführung unter der A8 gefeiert. Ein Vorhaben, für das sich Rohrdorf seit mehr als einem halben Jahrhundert einsetzt, nimmt damit Gestalt an.

Erster Bürgermeister Simon Hausstetter begrüßt die beteiligten Firmen und Fachkräfte, sowie Gemeinderat und Bau-Experten (Kurat Tobias Pastötter, Diakon Günter Schmitzberger, Simon Hausstetter und Rudolph Knopf, Projektleiter der Firma Porr.

„Der heutige Tag ist ein Meilenstein in der Geschichte der Gemeinde Rohrdorf“, sagte Erster Bürgermeister Simon Hausstetter (Bürgerblock Rohrdorf). Zur Feierstunde an der Baustelle begrüßte er zahlreiche Gemeinderatsmitglieder, Marianne Loferer als Vertreterin des Landkreises Rosenheim sowie Vertreter des Wasserwirtschaftsamts, der Planungsbüros und der beteiligten Unternehmen. Für die mit dem Bau beauftragte Firma PORR sprach Rudolph Knopf. Kurat Tobias Pastötter und Diakon Günter Schmitzberger gestalteten die Segnung.

Seit Mitte der 1930er-Jahre durchschneide die Autobahn München–Salzburg das Gemeindegebiet, erinnerte Hausstetter. Ihre gute Verkehrsanbindung komme Wirtschaft und Tourismus zugute. Gleichzeitig bringe sie Lärm, Abgase und dauerhafte Belastungen mit sich. An der bestehenden Straßenunterführung gehe es darüber hinaus um die Sicherheit der Menschen.

Kurat Tobias Pastötter und Diakon Günter Schmitzberger bei der Segnung

Dort bleibt Fußgängern und Radfahrern lediglich ein etwa 70 bis 80 Zentimeter breiter, durch eine Betonwand von der Fahrbahn getrennter Streifen. Für Kinderwagen oder Fahrradanhänger reicht dieser Platz nicht aus. Sie müssen auf die Fahrbahn ausweichen, die auch Autos, Lastwagen und landwirtschaftliche Fahrzeuge nutzen. Hausstetter verwies besonders auf den Schwerlastverkehr zum und vom Zementwerk. Nach seinen Angaben ereigneten sich dort bereits schwere und schwerste Unfälle, bislang glücklicherweise ohne Todesfolge.

Kurat Tobias Pastötter und Diakon Günter Schmitzberger bei der Segnung

Die Verbindung gehört für viele Menschen zum Alltag: Kinder aus Thansau fahren mit dem Rad zur Schule oder zur Mehrzweckhalle, Rohrdorfer Kinder zum Sportplatz. Auch Eltern mit Kinderwagen, ältere Menschen mit Gehhilfen und Rollstuhlfahrer sind auf eine sichere Querung angewiesen.

Erste Schreiben zu dem Anliegen stammen bereits aus den 1960er-Jahren. Über Jahrzehnte wurde die Gemeinde auf den geplanten Ausbau der A8 verwiesen, bei dem auch eine neue Unterführung berücksichtigt werden sollte. Weil die bestehende Straßenunterführung zu einer Staatsstraße gehört, lag eine Erweiterung nicht allein in kommunaler Hand. Auch die zwischenzeitlich von der Gemeinde angestrebte gemeinsame Nutzung der benachbarten Eisenbahnunterführung kam nicht zustande.
„Dieses Risiko wollte ich nicht mehr eingehen“, erklärte Hausstetter mit Blick auf die gefährlichen Verhältnisse. Er betonte, die Initiative für das eigenständige Vorhaben ergriffen und dessen Umsetzung mit großer Beharrlichkeit vorangetrieben zu haben. Unterstützung habe er dabei von großen Teilen des Gemeinderats erhalten. Zahlreiche Genehmigungen, Einverständniserklärungen und Vereinbarungen seien erforderlich gewesen.

Die neue Geh- und Radunterführung entsteht in kommunaler Sonderbaulast rund 20 Meter neben dem bestehenden Straßentunnel. Auf beiden Seiten der Autobahn soll sie an die vorhandenen Geh- und Radwege anschließen und damit eine durchgängige Verbindung schaffen. Eine moderne Beleuchtung ist ebenfalls vorgesehen.

Nach Angaben des bayerischen Verkehrsministeriums vom 3. Juni belaufen sich die Gesamtkosten auf rund 4,84 Millionen Euro. Der Freistaat unterstützt das Vorhaben nach dem Bayerischen Finanzausgleichsgesetz mit 3,045 Millionen Euro. Als Fertigstellungstermin wurde in den bisherigen Planungen das Frühjahr 2027 genannt.
Dass hinter dem vergleichsweise kurzen Tunnel eine anspruchsvolle Bauaufgabe steht, machte PORR-Vertreter Rudolph Knopf deutlich. „Ein Tunnel bleibt ein Tunnel“, sagte er. Auch auf nur 30 Metern müsse die Mannschaft mit derselben Verantwortung arbeiten wie bei einem großen Bauwerk. Über der Baustelle verlaufe eine stark befahrene Autobahn. Hausstetter hatte zuvor bereits auf die geringe Überdeckung, schwierige Bodenverhältnisse und die Unwägbarkeiten des Autobahndamms hingewiesen.
Knopf warb für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Auftraggeber, Planern und Bauunternehmen. Beim Übergang von der Planung zur Ausführung könnten unerwartete Schwierigkeiten auftreten. Entscheidend sei, miteinander zu sprechen und Probleme gemeinsam zu lösen.

Sein eindringlichstes Anliegen galt der Arbeitssicherheit. Knopf erinnerte an Kollegen, die auf anderen Baustellen ihr Leben verloren hätten. Wenn Risiken erkennbar würden, müsse sich die Mannschaft die Zeit nehmen, innezuhalten und die Situation noch einmal zu prüfen. Die zusätzlichen Minuten seien gut investiert. Das Wichtigste sei, dass alle morgens gesund zur Arbeit und abends wieder zu ihren Familien kämen. Den Mineuren wünschte er einen sicheren Vortrieb und ein herzliches „Glückauf“.
Hausstetter bezeichnete das Vorhaben als eines der größten Projekte der Gemeinde. Ausdrücklich dankte er dem Ingenieurbüro Gebauer, insbesondere den auf der Baustelle verantwortlichen Mitarbeitern Ludwig und Theil, sowie den Prüfstatikern von Haumann und Fuchs. Auch Fachwissen der Technischen Universität München zu Geologie und Baugrund fließt in das Projekt ein. Den Grundstückseigentümern auf beiden Seiten der Autobahn dankte er für ihre Bereitschaft, den Bau zu ermöglichen.

Gruppenbild aller Projektbeteiligten

Besonders würdigte der Bürgermeister Christian Schoenleber, der bei der Umsetzung eine zentrale Rolle spiele. Als Anerkennung für dessen Arbeit und Engagement überreichte er ihm einen eigenen Baustellenhelm mit Gemeindewappen und Namenszug.
Der Schutz der Beschäftigten und der künftigen Nutzer stand auch im Mittelpunkt der Segnung. Ausgehend von Psalm 121 baten Pastötter und Schmitzberger darum, dass die Arbeiter vor Unfällen bewahrt werden und nach jedem Arbeitstag gesund nach Hause kommen. Der Tunnel möge „zu einer sicheren Verbindung werden, die Menschen zusammenführt und Wege erleichtert“ – für Kinder, Familien, ältere Menschen und alle, die dort unterwegs sind.

Auch die lange Vorgeschichte fand in der Segnung ihren Widerhall: Wenn das Bauwerk einmal fertig sei und täglich genutzt werde, möge es daran erinnern, „dass es sich lohnt, beharrlich für gute und sichere Wege einzutreten“.

Beitrag & Fotos: Rainer Nitzsche

 

 

 

 

 

 

 

 


Redaktion

Rainer Nitzsche

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