Kultur

Empfang für Wolgadeutsche

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Die Bayerische Sozialministerin Ulrike Scharf hat im Bayerischen Landtag mit Dr. Bernd Fabritius, dem Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, eine Delegation der deutschen Minderheit der Wolgadeutschen empfangen. Anlass des Treffens war die Anerkennung der in der Provinz Entre Ríos gesprochenen Dialekte der Wolgadeutschen als immaterielles Kulturerbe im Jahr 2025. In dieser Region wurde Ende des 19. Jahrhunderts eine der ersten wolgadeutschen Siedlungen gegründet. Bis heute leben dort viele Menschen wolgadeutscher Abstammung und pflegen die Kultur samt ihrer Dialekte. Leiter der Delegation war Gustavo René Hein, Präsident der Abgeordnetenkammer der Provinz Entre Ríos und selbst Angehöriger der deutschen Minderheit.

Beim Besuch im Maximilianeum betonte Scharf: „Auch wenn tausende Kilometer zwischen Ihnen und Ihrer Heimat liegen, tragen sie diese in tiefer Verbundenheit im Herzen. Es ist ein grosses Zeichen der Anerkennung, dass die wolgadeutschen Dialekte in Entre Ríos als immaterielles Kulturerbe anerkannt wurden. Sie bewahren das Erbe ihrer Familien und tragen es in die Zukunft. Zugleich bauen sie Brücken – sogar über Kontinente hinweg. Danke für Ihren Einsatz und herzlich willkommen in Bayern!“

Fabritius sagte: „Die Vielfalt der wolgadeutschen Kultur in Argentinien ist beeindruckend – von Sprache, Dialekten über Architektur, kirchliche Traditionen und Festen bis zu Musik und dörflichem Leben. Vieles davon wäre in dieser Geschlossenheit in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion heute nicht mehr erhalten. In Argentinien wird es hingegen weiter gelebt. Dies ist nicht nur ein Gewinn für Argentinien, sondern auch eine grosse Chance zum Erhalt dieses Teils russlanddeutscher Kultur – und damit für das gesamtdeutsche kulturelle Erbe.“

Wolgadeutsche sind Nachkommen deutscher Einwanderer, die sich im 18. Jahrhundert im Russischen Reich an der Wolga niedergelassen haben. Nach dem Entzug ihrer Sonderrechte in Russland wanderten ab 1878 viele Wolgadeutsche nach Amerika aus, darunter nach Argentinien, unter anderem in Provinzen wie Entre Ríos, Buenos Aires und La Pampa. Dort entstanden eigene landwirtschaftliche Siedlungen und Kolonien. Heute leben in Argentinien geschätzt über eine Million Nachkommen von Wolgadeutschen.

Das Foto zeigt die Bayerische Sozialministerin Ulrike Scharf und den Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Dr. Bernd Fabritius (beide Mitte), mit der wolgadeutschen Delegation aus Argentinien und Vertreterinnen und Vertretern der russlanddeutschen Organisation Riwwel im Bayerischen Landtag.

Text: Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales – Foto: StMAS/Nötel


Redaktion

Toni Hötzelsperger

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