Kultur

Buch-Tipp: Paläste des Wissens

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

In der Reihe „Genuss mit Geschichte“ gibt das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege einen neuen Bildband heraus: „Bibliotheken in Bayern“ erscheint am 14. September.

Die Buchreihe „Genuss mit Geschichte“ des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege (BLfD) geht in die nächste Runde. Am Montag, 14. September 2026, feiert der Prachtband „Bibliotheken in Bayern“ Verkaufsstart. Der Bildband, herausgegeben von Generalkonservator Prof. Mathias Pfeil, stellt eine Auswahl von 33 in der bayerischen Denkmalliste verzeichneten, repräsentativen Bibliotheken vor – von opulent ausgestatteten, zum Teil nicht öffentlich zugänglichen Kloster- und Hofbibliotheken bis hin zu modernen, funktional gestalteten Universitäts- und Staatsbibliotheken. Großformatige Architekturfotografien verwandeln das Buch in einen Streifzug durch die schönsten Paläste des Wissens in Bayern. Begleitende Texte beleuchten Geschichte, Architektur und Ausstattung der Baudenkmäler.

„Bibliotheken in Bayern“ erscheint im Münchner Volk Verlag (ISBN 978-3-86222-572-9, 304 Seiten, 59,90 Euro) und ist in Buchhandlungen sowie online über die Verlagshomepage https://volkverlag.de/shop/bibliotheken-in-bayern/ erhältlich.

„Bibliotheken sind unser kulturelles Gedächtnis. Sie sind Orte der Bildung und Begegnung. Sie stiften als Teil unseres kulturellen Erbes Identität und verbinden Menschen miteinander. Wir präsentieren in unserem prächtigen Bildband denkmalgeschützte Bibliotheksbauten und -säle aus Bayern, die zu den historisch und kunsthistorisch bedeutendsten in Deutschland zählen“, sagt Prof. Mathias Pfeil, Generalkonservator des BLfD und Herausgeber des Buches.

„Bücher öffnen Welten – und Bayerns Bibliotheken geben ihnen seit Jahrhunderten ein großartiges Zuhause. Sie sind Schatzkammern des Wissens und gebaute Kulturgeschichte zugleich: vom prachtvollen Barocksaal bis zur modernen Universitätsbibliothek. Dieser Bildband lädt zu einer faszinierenden Entdeckungsreise durch den Freistaat ein und zeigt eindrucksvoll, welchen Reichtum wir bewahren. Denkmalpflege ist Zukunftsarbeit: Wer diese einzigartigen Orte schützt, erhält Wissen, Geschichte und Kultur für kommende Generationen“, sagt Kunstminister Markus Blume.

Vorab präsentiert das BLfD eine Auswahl von acht der im Buch vorgestellten 33 Baudenkmäler – eine Bibliothek aus jedem Regierungsbezirk, zusätzlich eine aus der Landeshauptstadt München: Juwel des Münchner Jugendstils: die Juristische Bibliothek im Neuen Rathaus, Landeshauptstadt München
Der zum Prunkhof gelegene zweigeschossige Bibliothekssaal wurde von Architekt Georg von Hauberrisser entworfen. Stilistisch folgt er nicht der Neogotik des Neuen Rathauses, sondern einem floralen Münchner Jugendstil. Die repräsentative Ausstattung stammt von renommierten Münchner Werkstätten und Künstlern. Im Rahmen des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Bibliothek instandgesetzt, wesentliche Teile ihrer Ausstattung konnten bewahrt bzw. rekonstruiert werden. Eine Besichtigung der Jugendstil-Bibliothek ist im Rahmen von Führungen möglich.

Rokokopalast mit hölzernem Prachtmobiliar: Provinzialbibliothek (Staatliche Bibliothek), Historischer Bibliothekssaal, Neuburg an der Donau, Oberbayern
Die zweigeschossige Ausstattung der Provinzialbibliothek gehört zu den schönsten Werken des Barock in Süddeutschland. Ihr künstlerischer Anspruch führt eindrucksvoll vor Augen, welche Wertigkeit man im 18. Jahrhundert Bibliotheken als Wissensspeicher beimaß. Ab 1802 wurden in der nach Plänen von Franz Moritz von Loew erbauten Kirche die Buchbestände säkularisierter Klöster zusammengeführt. Das Innere wie das Äußere des Gebäudes ist durch eleganten Rokokostuck geziert. Das außergewöhnlich kunstvolle Mobiliar, heute dem Werk des Dominikanerbruders Valentin Zindter zuzuordnen, stammt aus der Bibliothek der Reichsabtei Kaisheim und des Dominikanerklosters Obermedlingen. Im Zuge der Säkularisation aufgelöst, wurde deren hölzernes Mobiliar ab 1804 in den Neuburger Kongregationssaal eingepasst. Der Historische Bibliothekssaal kann im Rahmen von Führungen besucht werden.

Bedeutender Barockbau: Klosterbibliothek Metten, Niederbayern
Die Mettener Klosterbibliothek ist eine der bedeutendsten barocken Bibliotheken des 18. Jahrhunderts. Wer sie betritt, schreitet durch eine prächtige Portalrahmung aus verschiedenfarbigem Stuckmarmor, flankiert von großen Stuckfiguren: die Allegorie der Weisheit mit Buch und Lorbeerkranz auf der einen, die Allegorie der Religion mit Kreuz und Fackel auf der anderen Seite. Die Bibliothek entstand in den Jahren 1722 bis 1726 durch eine völlige Neugestaltung der Räumlichkeiten des frühen 17. Jahrhunderts. Ablesbar an der Gestaltung der Räume: Die höchste zu erstrebende Weisheit sei nicht allein aus Büchern und wissenschaftlichen Studien zu erlangen; die wahre Erkenntnis liege vielmehr in der göttlichen Gnade der Offenbarung und der Glaube stehe über dem Wissen. Die Mettener Klosterbibliothek kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

Moderne Formensprache aus Beton: Universitätsbibliothek Regensburg, Oberpfalz
Die Zentralbibliothek der 1962 gegründeten Campus-Universität Regensburg ist nach modernsten Gesichtspunkten in Anlehnung an das Vorbild der US-amerikanischen „Open Library“ konzipiert. Der Bau entstand in Ortbetonbauweise nach einem Entwurf des Münchner Architekten Alexander Freiherr von Branca. Über stark zurückgenommenen schlanken Stützen, hinter denen das Erdgeschoss wie eine offene Zone wirkt, erhebt sich in massiven, geschlossenen Blöcken das Obergeschoss. Im Inneren der Bibliothek sind die Ebenen und Räume ineinander verschachtelt, es ergeben sich zahlreiche Durchblicke. Oberlichtbänder und Glaspyramiden auf dem Dach führen das Licht und gestalten die Raumatmosphäre mit. Die Bibliothek ist zu den auf der Webseite angegebenen Öffnungszeiten öffentlich zugänglich.

Repräsentatives Neorenaissancegebäude: der historische Bibliothekssaal des Oberlandesgerichts Bamberg, Oberfranken
Nach rund dreieinhalbjähriger Bauzeit eröffnete im November 1903 das Bamberger Zentraljustizgebäude am Wilhelmsplatz, das jetzige Oberlandesgericht. Den Entwurf für den monumentalen Prachtbau im Stil der Renaissance fertigte der königlich bayerische Baubeamte Hugo von Höfl. Schon das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes unterstreicht den zeitgenössischen Gestaltungswillen im großstädtischen Gestus der Gründerzeit. Der auf Repräsentation zielende Anspruch galt auch für die Ausgestaltung im Inneren. Bibliotheks- und Konferenzsaal bestechen durch die kassettierte Stuckdecke, umlaufende Bücherregale mit Schnitzdekor sowie eine Seidendamastbespannung und bleiverglaste Fenster mit Buntglaseinsätzen. Die Bibliothek kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

Musterbeispiel des Jugendstils: die Alte Universitätsbibliothek Erlangen, Mittelfranken
Die im Jahr 1913 eröffnete Alte Universitätsbibliothek in Erlangen ist in ihrer baulichen Zweiteilung in Verwaltungs- und Benutzerbau und Bücherhaus sowie in der konsequenten Verwendung der feuerfesten Materialien Eisen und Beton innerhalb Bayerns das Musterbeispiel für den modernen Bibliotheksbau jener Zeit. Bemerkenswert sind die eine gediegene Vornehmheit ausstrahlenden Innenräume. Neben dem Treppenhaus von eleganter Weitläufigkeit sticht das Dozentenlesezimmer heraus: Wandvertäfelung und Heizungsverkleidung, Türen, Bücherregale und Arbeitstische sind einheitlich aus schwedischer Birke gefertigt. Die Bibliothek ist zu den auf der Webseite angegebenen Öffnungszeiten öffentlich zugänglich.

Schmuckstück des Frühklassizismus: die Fürstlich Leiningensche Bibliothek Amorbach, Unterfranken
Nach einem Entwurf des Würzburger Architekten Franz Ignaz Michael Neumann entstand in den 1780er Jahren unter Abbruch des Kreuzgangs sowie von Klausurbauten aus dem Mittelalter ein schlossähnlicher Neubau, der die gesamte Ostseite der Benediktinerabtei in Amorbach einfasst. Mit dem Grünen Saal und dem Bibliothekssaal wurden zwei Repräsentationsräume eingerichtet. Konrad Huber aus Weingarten schuf 1789/90 im Bibliothekssaal das große Deckenfresko. Die Innenausstattung im Stil des Frühklassizismus stammt vom Nürnberger Bildhauer Joseph Bonaventura Berg, der sich mit umlaufenden Bücherregalen auf zwei Galerieebenen an dem Bibliothekssaal des Zisterzienserklosters Arnsburg in Oberhessen orientierte. Mit der Säkularisation 1803 erhielt das Kloster Amorbach eine neue Funktion als Fürstlich Leiningensches Residenzschloss. Die Bibliothek kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

Barocker Prunkraum: die Klosterbibliothek Ottobeuren, Schwaben
Im Zuge des barocken Neubaus des einer Überlieferung zufolge bereits 764 gegründeten Klosters entstanden ab 1711 die Konventgebäude. Der lichtdurchflutete Saal der Bibliothek als meisterlich inszenierter Prunkraum war 1718 fertiggestellt. Die Stuckaturen sowie 44 Stuckmarmorsäulen, welche eine umlaufende Galerie mit marmorierter Balustrade tragen, stammen von Johann Baptist Zimmermann. Die Deckengemälde mit der Ankunft des Heiligen Benedikt auf dem Monte Cassino wie auch der Pflege der Künste und Wissenschaften durch den Benediktinerorden schuf Elias Zobel. Markant frei stehend in der Raummitte und im Bewusstsein des Erbes der Antike ist die Standfigur der Schutzgöttin der Wissenschaft Pallas Athene platziert. Die Bibliothek ist Teil des Klostermuseums und zu dessen Öffnungszeiten öffentlich zugänglich.

 

Text: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege – Foto: Volk Verlag / Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (BLfD)


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