Vom Salz zum Klang – Salz als Ursprung des Erblühens
Im Rahmen einer Themenführung erfuhren die Teilnehmer Wissenswertes über die enge Verbindung zwischen dem „weißen Gold“ Salz und der Entwicklung von Bad Reichenhall sowie des Klosters St. Zeno. Stadtführerin Ulrike Rapold-Kern erläuterte, wie die Stadt bis ins 19. Jahrhundert von der Salzgewinnung geprägt war und sich später zu einem bedeutenden Luftkurort entwickelte.
Auch die Geschichte des heiligen Rupert und der Schenkung von Anteilen an der Reichenhaller Saline an die Kirche verdeutlichte die wirtschaftliche und politische Bedeutung des Salzes. Die Besucher erfuhren viel über die Solegewinnung, die historischen Salinenanlagen und die technische Meisterleistung der ersten Soleleitungen im frühen 17. Jahrhundert. Der Rundgang begann im mittelalterlich erhaltene Floriani-Viertel mit seinen Häusern der Salzarbeiter und Fassmacher. Über das Alte Rathaus und das Hauptbrunnhaus bis 1834 an der Ecke zur Poststraße ging es schließlich zur Ägidikirche, wo ein Bläserkonzert (siehe eigener Bericht) den historischen Streifzug stimmungsvoll abrundete. Auf eindrucksvolle Weise wurde erlebbar, wie das Salz über Jahrhunderte hinweg Wohlstand, Kultur und Gemeinschaft in Bad Reichenhall geprägt und Verbindungen auf allen gesellschaftlichen Ebenen – etwa von Kirche und Politik – geschaffen hat.
Zwischen Gebet, Kultur und Ökonomie – St. Zeno neu entdecken
Auch die Geschichte des Klosters und Münsters St. Zeno konnte neu entdeckt werden. Stadtführerin Ulrike Rapold-Kern vermittelte spannende Einblicke in die religiöse, kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung des Klosters. Dabei wurde deutlich, dass St. Zeno über Jahrhunderte weit mehr als ein geistliches Zentrum war. Das Kloster prägte das gesellschaftliche Leben durch Friedhof, Taufe sowie die Ökonomie im Klosterhof, wo zum Beispiel der Kräuteranbau für Heilung und Genesung sorgte. Zugleich verfügten die Augustiner-Chorherren über umfangreiche Besitzungen, Anteile an der Reichenhaller Saline und wirtschaftliche Verbindungen weit über die Region hinaus.
Besondere Aufmerksamkeit galt den kunsthistorischen Schätzen des Münsters. Die Teilnehmer erfuhren die Bedeutung der romanischen Portalsymbolik, besichtigten eindrucksvolle Grabplatten früherer Pröpste und hörten von den Vergänglichkeits-Motiven mittelalterlicher Grabkunst. Auch das berühmte Jugendstil-Grabmal des königlichen Baumeisters Ritter von Brandl mit einer vergoldeten Genius-Figur an der Außenmauer der Kirche war Teil der Führung. So zeigte sich St. Zeno als ein Ort, an dem die Geschichte Reichenhalls, Glaube, Kunst und Lebenswirklichkeit seit Jahrhunderten auf einzigartige Weise miteinander verschlungen sind.
Bericht und Fotos: Brigitte Janoschka
4054: Die Gästeführerin Ulrike Rapold-Kern berichtet über den Kirchenpatron St. Zeno am linken Seitenaltar.
4042: Der romanische Löwe wird von einem Tier in die Zunge gebissen: Die mittelalterliche Bildsprache symbolisiert so die Gewissensbisse.
4053: Der Kirchengründer- und -patron, St. Zeno
4047: Eine Kröte frisst den Magen des Leichnams eines Propstes auf.
4040: Eine Votivtafel mit Gott Vater mit Adam und Eva (mit Zöpfen) aus dem 8. Jahrhundert.
8734: Das Sichler-Haus Nr. 5 am Florianiplatz, wo vom 11. Jahrhundert bis 1365 die Familie Rutzenlacken als Sud-Pfannenverwalter wohnten.
8770: Der Rupertus-Brunnen im Salinenhof
8783: Das historische Hauptsudhaus bis zum Stadtbrand 1834 an der Ecke Rathausplatz-Poststraße











