Wie überstehen Auerhuhn, Birkhuhn und Co. die extremen Lebensbedingungen in den winterlichen Bergen? Und warum ist es wichtig, beim Wandern oder auf Skitouren auf den ausgewiesenen Wegen zu bleiben? Über diese und weitere Fragen informierten die Gebietsbetreuung, die Biosphärenverwaltung und das Umweltbildungsteam des Nationalparks bei einem gemeinsamen Infostand am Hochschwarzeck.
Der Winter ist für seltene heimische Raufußhühner wie Auerhuhn, Birkhuhn, Haselhuhn und Alpenschneehuhn eine besonders sensible Zeit. Gleichzeitig bedeutet der Winter Hochsaison für Wintersportler. Gerade an sonnigen Wintertagen zog es viele Menschen zum Wandern, Spazierengehen oder bei entsprechender Schneelage auch zum Skitourengehen, Rodeln und Skifahren in die Berge – so auch rund um Hochschwarzeck, Toter Mann und Götschen.
Am Infostand am Hochschwarzeck konnten sich Besucher über die Lebensweise der scheuen Bergbewohner, ihre Überlebensstrategien und über einfache Regeln für naturverträgliches Verhalten im Bergwald informieren. Die Aktion fand in dieser Wintersaison bereits zum dritten Mal statt. Ziel war es, durch Information und persönliche Gespräche für die Bedürfnisse der Tiere zu sensibilisieren und zu einem rücksichtsvollen Verhalten im Winter beizutragen.
Überlebenskünstler im Verborgenen
Großes Interesse weckten vor allem anschauliche Infomaterialien wie Bilder, Spuren im Schnee, Federn und andere Hinterlassenschaften der Tiere. Besonders die lebensgroßen Präparate von Auerhahn und Birkhuhn weckten die Neugierde. In den vielen Gesprächen ging es darum, wie Raufußhühner leben, wovon sie sich ernähren und wie sie den kalten Winter in den Bergen überstehen.
So sind die Hühnervögel unserer Bergwelt wahre Überlebenskünstler. Sie sind an die extremen Lebensbedingungen im Gebirge angepasst: Ihr dichtes Federkleid schützt sie vor der Kälte und reicht bis zu den Füßen – so können sie wie auf Schneeschuhen durch den Schnee stapfen, ohne einzusinken. Zum Schlafen graben sie sich Schneehöhlen, die sie vor der Kälte schützen. Gleichzeitig ist Nahrung im Winter knapp und die Raufußhühner müssen mit wenig Energie auskommen. So leben die Tiere versteckt und verbringen die kurzen Wintertage damit, zu fressen – dabei ernähren sie sich fast ausschließlich von Fichten- und Tannennadeln. Umso empfindlicher reagieren sie auf Störungen. Wird ein Raufußhuhn in seinem Lebensraum aufgeschreckt, flüchtet es und verbraucht dabei wertvolle Energiereserven, was sein Überleben gefährden kann.
Wie kann man den störungsempfindlichen Vögeln beim Überleben helfen?
Viele Besucher interessierten sich dafür, wie sie selbst sich rücksichtsvoll verhalten und damit zum Schutz der teilweise vom Aussterben bedrohten Vögel beitragen können. Um Störungen zu vermeiden, gehört dazu vor allem, auf markierten und ausgewiesenen Wegen zu bleiben, nicht zu den Dämmerungszeiten oder in der Nacht unterwegs zu sein – oder die sensiblen Rückzugsräume zu respektieren und zu meiden.
So befindet sich beispielsweise im Bereich um den Toten Mann eines der vom DAV ausgewiesenen sogenannten Wald-Wild-Schongebiete. Diese gelten zur Überwinterungszeit noch bis zum 30. April und sollten in dieser Zeit nicht betreten werden. Zu finden sind die Gebiete auf den Karten des DAV, dessen Internetseite unter www.alpenverein.de im Bereich „Wald-Wild-Schongebiete“ oder in Tourenapps wie Outdooractive (dort in der Winteransicht). Hierzu informierte der Infostand auch unter anderem am diesjährigen DAV-Aktionstag „Natürlich auf Tour“.
Die Gespräche und Rückmeldungen am Infostand zeigten, dass viele Menschen, die im Winter in der Natur unterwegs sind, auch gerne Rücksicht nehmen möchten. Oft fehlt jedoch einfach das Wissen über die Bedürfnisse der Tiere oder um naturverträgliches Verhalten in ihrem Lebensraum. Aktionen wie der gemeinsam durch Gebietsbetreuung, Biosphärenverwaltung und Nationalpark durchgeführte Informationsstand sollen so dazu beitragen, das Bewusstsein für den Schutz der störungsempfindlichen Arten in der Bergwelt zu stärken.
Mit dem Ende des Winters und dem nahenden Frühling beginnt für viele Raufußhühner die Balzzeit, gefolgt von Brutzeit und Jungenaufzucht im Sommer. Auch in dieser für die Tiere sensiblen Zeiten sind sie auf möglichst störungsarme Lebensräume angewiesen. Rücksichtnahme und das Einhalten einfacher Verhaltensregeln in den Bergen bleiben daher das ganze Jahr über wichtig. So kann jeder einzelne zum Schutz von gefährdeten Wildtieren wie Auerhuhn, Birkhuhn, Haselhuhn und Alpenschneehuhn beitragen – damit diese die kalte Jahreszeit gut überstehen und auch im weiteren Jahresverlauf überleben können.
Bericht: LRA BGL – Foto: Nationalpark Berchtesgaden, Team Umweltbildung – Infostand am Hochschwarzeck




