Inklusive Internationale Deutsche Meisterschaft und Landesmeisterschaft RS Venture Connect vom 29.bis 31.Mai beim Priener Segelclub in der Stippelwerft
Prien. Der inklusive Segelsport bietet Menschen mit sehr unterschiedlichen Behinderungen eine gleichberechtigte Teilnahme an Breiten-, Mannschafts- und Leistungssport. Für den Ehrenpräsidenten des Segelclub Prien e. V. Chiemsee (SCPC), Lothar Demps, ist es deshalb eine besondere Freude, die Inklusive Internationale Deutsche Meisterschaft und die Bayerische Landesmeisterschaft RS Venture Connect 2026 traditionsgemäß wieder nach Prien geholt zu haben. Besonders vor dem Hintergrund, dass Para-Segeln derzeit nicht mehr paralympisch ist. Ab 2026 entfällt dadurch der Förderetat des Deutschen Behinderten Sportverbands (DBS) vollständig – ohne Übergangsreglung, ohne Alternativmodell und Perspektive. Hiermit könnte Deutschland seine gesamte Para-Segel-Infrastruktur verlieren und damit die Möglichkeit, im internationalen Wettbewerb weiterhin bestehen zu können. Die internationalen Wettkämpfe vom 29.bis 31.Mai in der Stippelwerft sind nur mit der finanziellen Unterstützung der Gemeinde Prien und der Prien Partner e.V. ermöglicht worden. „Diese Veranstaltung ist ein sportlicher Wettbewerb, aber auch ein kraftvoller Impuls für Barrierefreiheit, Vielfalt und gesellschaftliches Engagement, der weit über Prien und Deutschland Signalwirkung hat: Wir geben nicht auf! “ erläutert Demps.
Ohne Hilfe von Sponsoren droht der Verlust der internationalen Wettbewerbsfähigkeit und Expertise. Nachwuchsstrukturen brechen zusammen, Materialanschaffung und -pflege sowie Transporte, Trainergehälter und Betreuerstrukturen sind gefährdet. Das wäre nicht nur ein Reputationsschaden für den Segelsport und Deutschland, sondern drängte den SCPC in die internationale Isolation Zahlreiche Nationen wie zum Beispiel die USA, Australien, Großbritannien, Italien und die Niederlande erhöhen ihre Fördermittel, bauen professionelle Strukturen auf und erstellen geförderte Nachwuchsprogramme. Nur rund 7% der deutschen Sportvereine machen derzeit Menschen mit Behinderung ein Angebot zur Teilhabe an ihren Aktivitäten.

Auf dem Bild sind zwei Vereinsmitglieder mit der SR Venture zu sehen ( links Felipe Fauner und rechts Alexander Neufang. Fotos Sven Jürgensen)
Inklusion hat Tradition beim SCPC. Seit 14 Jahren unterhält der Verein ein Integratives Leistungszentrum, das einzige in Bayern. Einen Namen hat sich der Priener Club auch als kompetenter Veranstalter von inklusiven Regatten sowie inklusiven Segelsportaktivitäten in Zusammenarbeit mit den hiesigen Schulen gemacht. „Es ist einfach unglaublich, wie sehr sich die Kinder und Jugendlichen mit und ohne körperliche Einschränkungen in den Trainings- und Jugendwochen des SCPC durch das gemeinsame Segeln entwickeln. Davon profitieren wir alle“, erklärt ein Vereinsmitglied und Demps lobt die Trainer, die vielen freiwilligen Helfer an Land und im Wasser sowie die Jugendwartin. „Sie alle tragen mit neuen Ideen für den Nachwuchs und ihrer Arbeitsleistung viel zum weiteren Erfolg bei“.
Jedoch auch die Boote müssen inklusionstauglich sein. Die RS Venture Connect ist ein speziell für den Inklusionssport entwickeltes Zweimann-Boot, das von Menschen mit unterschiedlichen körperlichen und geistigen Einschränkungen gemeinsam mit einem zweiten Crewmitglied ohne Handicap gesegelt wird. Para-Segeln in der Bootsklasse RS Venture Connect bietet Selbstbestimmung durch Barrierefreiheit, Teamgeist, Freude über die individuellen und gemeinsamen Leistungen und Technik-Kenntnisse auch für körperlich uneingeschränkte Mitsegler.
Dank der bewährten Organisation des SCPC bei den hochklassigen inklusiven Deutschen und Bayerischen Meisterschaften auch in der Klasse 2.4mR finden diese Regatten starke mediale Resonanz als Leuchtturmveranstaltungen für soziale Verantwortung und gesellschaftliche Einbeziehung von Menschen mit Handicap. Teilnehmer aus den vergangenen Veranstaltungen haben ganz nebenbei mit ihren Familien Prien am Chiemsee als Zielort für den Urlaub entdeckt.
Segeln ist beim Segelclub Prien e.V. am Chiemsee kein exklusives Vergnügen in Weiß, sondern gelebte Inklusion. Vereinsmeister war lange Zeit ein junger Mann mit Handicap. Bei den Mitgliedern und Regattateilnehmern gilt das Motto: Freiheit auf dem Wasser für wirklich alle. Segeln ist eine ideale Sportart für Menschen mit Handicap, deshalb besteht weiterhin die Hoffnung, dass Segeln wieder paralympisch wird. Para World Sailing hat alle Unterlagen beim Paralympischen Komitee (IPC) eingereicht. Die Entscheidung für die Spiele in Brisbane soll im Januar 2027 fallen. Jetzt heißt es Daumen drücken und nicht aufgeben.
Bericht: Martina Blank



