Wie prägen politische und gesellschaftliche Veränderungen die Präsentation und Vermittlung historischer Schlösser und Burgen? Mit dieser Leitfrage beschäftigen sich Museumsfachleute am 12. und 13. November 2026 bei der Tagung „In Stein gemeißelt? Schlösser und Burgen als Schauplatz von Geschichtsinterpretationen“ in der Residenz München. Veranstalter ist die Bayerische Schlösserverwaltung in Kooperation mit dem Zentrum Erinnerungskultur der Universität Regensburg.
Mit dem Ende der Monarchie 1918 veränderte sich die Nutzung vieler Schlösser und Burgen grundlegend. Einstige Herrschaftssitze wurden zu Museen und öffentlich zugänglichen Kulturdenkmälern. Neben dem Erhalt der historischen Bausubstanz rückte damit eine neue Aufgabe in den Mittelpunkt: die Interpretation und Vermittlung ihrer Geschichte. Wie diese Aufgabe seitens der Schlösserverwaltungen erfüllt wurde, unterlag auch den politischen und gesellschaftlich-kulturellen Verhältnissen der jeweiligen Zeit. Die wissenschaftliche Tagung in der Residenz München untersucht, wie sich der Umgang mit Schlössern und Burgen im Laufe des 20. Jahrhunderts verändert hat. Anhand ausgewählter Beispiele beleuchten die Expertinnen und Experten, wie historische Räume restauriert, rekonstruiert und museal gestaltet wurden und welche Geschichtsbilder dabei umgesetzt wurden. Die Beiträge reichen von der Öffnung ehemals königlicher Residenzen nach 1918 über den Umgang mit dem kulturellen Erbe nach 1933 und nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs über Beispiele in der BRD und DDR bis hin zu aktuellen Fragen einer zeitgemäßen Geschichtsvermittlung.
„Unsere Schlösser und Burgen erzählen von vergangenen Jahrhunderten. Doch auch die Art, wie wir ihre Geschichte vermitteln, hat sich im Laufe der Zeit verändert. Was Besucherinnen und Besucher heute in historischen Räumen erfahren, ist immer auch im Spiegel der jeweiligen Zeit zu betrachten. Unsere Tagung bietet die Gelegenheit, diesen Wandel kritisch zu betrachten und daraus neue Perspektiven für die Vermittlung des kulturellen Erbes zu gewinnen“, sagt Hermann Auer, Präsident der Bayerischen Schlösserverwaltung.
Teil eines bundesweiten Forschungsprojekts
Die Tagung ist Teil des bundesweiten Forschungsprojekts „Staatliche Schlösser im 20. Jahrhundert als Spiegel des gesellschaftlichen und politischen Wandels“ der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlösserverwaltungen (AGDS). Seit August 2024 erforschen die 15 Mitgliedsinstitutionen der AGDS gemeinsam die jüngere Geschichte staatlicher Schlösser und Gärten. Das auf sechs Jahre angelegte Projekt richtet den Blick auf die Geschichte der staatlichen Schlösser und Gärten seit dem Ende der Monarchie 1918 und untersucht, wie gesellschaftliche und politische Veränderungen ihren Umgang mit dem kulturellen Erbe geprägt haben. „Auch nach dem Ende der Monarchie blieben Schlösser und Gärten politische Orte und wurden zu wichtigen Kultureinrichtungen. Diese Periode ist erstaunlich wenig bekannt, steckt aber voller faszinierender und wichtiger Geschichten. Gemeinsam widmen sich die staatlichen Schlösser und Gärten in Deutschland der Erforschung dieser Epoche. Das Interesse an dieser Zeit ist bei den Besuchenden groß“, so Prof. Dr. Christoph Martin Vogtherr, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg und Vorsitzender des Vorstands der AGDS.
Die Münchner Tagung leistet dazu einen weiteren Beitrag: Sie führt Forschungserkenntnisse aus unterschiedlichen Regionen und historischen Epochen zusammen, ermöglicht den wissenschaftlichen Austausch und eröffnet neue Perspektiven auf die Geschichte und Vermittlung der Schlösser und Burgen. Die Erkenntnisse werden im Rahmen des Gesamtprojekts gesammelt und über die Wissensplattform www.schloesser20.hypotheses.org zugänglich gemacht. Dort werden unter anderem Tagungsbeiträge, historische Quellen, Schlossbiographien und weiterführende Materialien veröffentlicht. So entsteht schrittweise eine bundesweit nutzbare Wissensgrundlage für die Forschung, die Arbeit der Schlösserverwaltungen und die interessierte Öffentlichkeit.
Informationen zur Tagung
Die Tagung findet am 12. und 13. November 2026 im Max-Joseph-Saal der Residenz München statt. Weitere Informationen und das vollständige Tagungsprogramm sind unter www.schloesser.bayern.de abrufbar, hier der Link zum Tagungsflyer.
Bericht und Foto: Bayerische Schlösserverwaltung





