Fast völlig ausverkauft war der große Saal in der Aula der Berufsschule beim letzten Konzert in diesem Jahr des Musikkollegiums Traunstein unter der Leitung von Augustin Spiel. Ein anspruchsvolles Programm mit zwei großen Sinfonien aus Klassik und Romantik standen auf dem Programm, das ein Allegretto aus den Legenden, opus 59 von Antonin Dvorak eröffnete.
Mit diesem lyrischen Werk gelang dem Orchester ein schöner Einstieg, der das Publikum sofort in eine dichte musikalische Atmosphäre entführte. Das Orchester in voller sinfonischer Besetzung mit Streich-, Holz- und Blechblasinstrumenten und rund 35 Mitwirkenden war nicht zuletzt wegen der hervorragenden Akustik der Aula der Berufsschule wieder ein Genuss zu hören. Großes musikalisches Highlight bei all den ausgewählten, schönen Stücken der Musikliteratur war sodann das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 in C-Dur, opus 16 von Ludwig van Beethoven (1770 bis 1827), dessen genaues Entstehungsjahr strittig ist, aber jedenfalls spätestens 1799 fertig gestellt wurde. Die 1977 in Traunstein geborene Pianistin Barbara Gruber interpretierte dieses facettenreiche Jugendwerk Beethovens mit beeindruckender technischer Brillanz und emotionaler Einfühlsamkeit. Das Konzert besticht durch seine kontrastreichen Stimmungen, eingängige Thematik und den Reichtum an Klangfarben. Die Solistin hatte alle Möglichkeiten, ihr virtuos beherrschtes Klavierspiel voll zur Geltung zu bringen, so dass sich die Zuhörer selig entspannen und in den Wogen der schönen Musik eintauchen konnten.
Barbara Gruber erhielt ihren ersten Klavierunterricht 1983 an der Sing- und Musikschule Traunwalchen, wo sie heute neben ihrer Tätigkeit als Konzertpianistin Gesangs- und Instrumentalunterricht erteilt. 1996 wurde ihr die Carl-Orff-Medaille von Lieselotte Orff in Schloss Pertenstein verliehen. Sie studierte an der Universität Mozarteum Salzburg und an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien, wo sie das Masterstudium mit Auszeichnung abschloss. In zarten, schnellen Läufen und Akkordbrechungen im Allegro con brio verschmolz ihr perlendes Spiel auf den Tasten harmonisch mit dem warmen Klangteppich der Holzbläser. Bei den singenden, spielerisch daherkommenden Melodien im Largo verschmolzen die wunderbar weichen Klänge des Klaviers zu einer schwebenden Intimität mit dem Orchester. Gustl Spiel sorgte dafür, dass das Orchester niemals dominierte. In harmonischer Abstimmung ließ sich die Solistin vom Orchester gleichsam tragen. Das abschließende Rondo geriet zu einem mitreißenden Finale – geprägt von rhythmischer Energie und dem schelmischen Witz des jungen Beethoven. Einwohltuendes Seelenbad zuzuhören, was die Besucher im begeisterten Applaus ausdrückten und Barbara Gruber mehrfach auf die Bühne baten.
Nach der Pause erklang zum Abschluss die Synfonie Nr. 3, a-Moll, opus 56, von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 bis 1847), die so genannte „Schottische“, für die der 20jährige Komponist bei einer Reise nach England und Schottland die ersten Anregungen bekam. Erst 13 Jahre später beendete Mendelssohn die Arbeit an dem Werk, das die Handschrift seiner künstlerisch reifsten Periode trägt: Naturschilderung, Schwermut, Leidenschaft, Poesie und Anklänge an die schottische Folklore zeichnen ein tiefgründiges romantisches Stimmungsbild. Erstaufführung dieser Sinfonie war 1842, die als sein bedeutendstes, sinfonisches Werke gilt. Reichhaltig ist ihr Formenreichtum, ihre Koloristik und harmonische Wirkung, die das Traunsteiner Publikum tief berührte. Dank der hoch disziplinierten Einstudierung und häufigen Probenarbeit unter der Führung von Augustin Spiel zeigte das bestens aufeinander eingespielte Orchester seine ganze Klang- und Variationsbreite.
Das Allegro maestoso assai im letzten Satz krönte heiter ausgelassen das „schottisch“ inspirierte Thema und endete in einem schwungvollen Finale. Jubelrufe eröffneten den nicht enden wollende Applaus am Schluss des Konzerts mit stehenden Ovationen.
Bericht: Christiane Giesen – Fotos: Musikschule Traunstein – Das Musikkollegium Traunstein unter der Leitung von Augustin Spiel, hier mit der Pianistin Barbara Gruber in der voll besetzten Aula der Berufsschule.





