Kultur

Letztes Konzert auf der Herreninsel

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Ein virtuoses junges Quartett im Augustiner Chorherrenstift: Wunderbare Klavierquartette in höchster Vollendung – Mona Asuka, Thomas Reif, Luke Turrell und Raphael Paratore beim letzten Inselkonzert in dieser Saison. 

Nach zwei Jahren künstlerischer Leitung der „Insel-Konzerte“ durch Mona Asuka fand auch das letzte Inselkonzert dieser Saison einen bravourösen Abschluss. Sie selbst am Klavier, dazu Thomas Reif, Violine, Luke Turrell, Bratsche, und Raphael Paratore am Cello spielten teils sehr selten gespielte Klavierquartette der Romantik im restlos ausverkauften Bibliothekssaal des Augustiner Chorherrenstifts. Das wechselhafte Wetter, stürmisch bis regnerisch, hielt nur wenige Besucher von der Fahrt auf die Herreninsel ab. Die vielen, seit Jahrzehnten treuen Anhänger der Inselkonzerte wurden mit einem außergewöhnlichen Konzerterlebnis wieder reich belohnt.

Zur Aufführung kam das weithin unbekannte Klavierquartett Es-Dur der bis heute ebenso unbekannten großartigen Komponistin Emilie Mayer (1812 bis 1883), die – hoch gefeiert zu ihrer Zeit – viel Kammermusik und acht Sinfonien schrieb. Allerdings wurde sie weitgehend vergessen, da das Notenmaterial kaum überliefert wurde und sie – stets unverheiratet, ohne Familie – keine Nachkommen hatte, die sich um ihr musikalisches Erbe kümmerten. Mit sehr viel Fachwissen und Empathie beschrieb Dr. Wolf-Dieter Seiffert, erster Vorsitzender des Vereins der „Freunde der Inselkonzerte auf Herrenchiemsee“, Hintergründe der aufgeführten Werke. Seit der Intendanz von Mona Asuka gibt es vor den Konzerten eine empfehlenswerte, halbstündige Konzerteinführung. Mit kleinen musikalischen Beispielen ist das für jeden Musikinteressierten eine Bereicherung vor dem folgenden Musikgenuss.

In der Pause konnten die Besucher wegen des Regenwetters zwar nicht im verwunschenen Rosengarten des Augustiner Chorherrenstifts lustwandeln, sich dafür aber an von Mona Asuka hergestelltem Gebäck und gespendeten Getränken erfrischen. Mona Asuka ist zudem passionierte Bäckerin. Vor und nach der Pause folgte jeweils ein Stück des ungarischen Komponisten Zoltán Kodály (1882 bis 1967), zuerst sein Adagio C-Dur und vor der Pause sein „Intermezzo für Streichtrio“, ein einteiliges Jugendwerk aus dem Jahr 1905, als Kodály noch an der Musikakademie in Budapest studierte. Es bildete den passenden Auftakt zu dem fulminanten Werk von Robert Schumann (1810 bis 1856), nämlich dem Klavierquartett Es-Dur, opus 47, dem „Inbegriff der romantischen Musik“, wie Wolf-Dieter Seiffert ausführte, „ unbegrenzt emotional und teuflisch schwierig“ zu spielen.

Dieses bekannte Stück aus der Konzertliteratur spielten die Interpreten so meisterhaft, in vollkommener Harmonie aufeinander abgestimmt, dass das Publikum von den ersten Klängen an begeistert war. Die Zuhörer wurden erneut Zeugen eines faszinierenden Hörerlebnisses, das die jungen Virtuosen boten. Selbstverständlich gab es lang anhaltenden Applaus, Jubelrufe und Ovationen aller Art, bevor sich die Besucher entschlossen, bei inzwischen strömendem Regen den Weg zum Schiff zu nehmen.

Auf die kommende Saison der Inselkonzerte darf man sich jetzt schon freuen. Das Programm soll am 10. November bekanntgegeben werden.

Text und Foto: Christiane Giesen


Redaktion

Toni Hötzelsperger

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