Natur & Umwelt

„Das Thema Wasser bewegt uns“

Veröffentlicht von Günther Freund

Beim Große-Ohe-Treffen im Hans-Eisenmann-Haus stellen Experten aus ganz Bayern Messdaten vor.

Hohe Temperaturen, geringe Niederschläge, sinkende Grundwasserstände – sehr viele Messstellen in Bayern haben dieses Jahr Rekordwerte verzeichnet. Deutlich wurde dies beim traditionellen Große-Ohe-Treffen im Hans-Eisenmann-Haus. Einmal im Jahr kommen Experten der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald, der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, des Landesamtes für Umwelt, des Wasserwirtschaftsamtes Deggendorf sowie verschiedener Universitäten zusammen, um ihre Messreihen und Erkenntnisse vorzustellen und sich auszutauschen.

„Das Thema Wasser bewegt uns und wir sehen es als eine wichtige Aufgabe, unsere Daten in die Öffentlichkeit zu bringen“, sagte Ursula Schuster, Leiterin der Nationalparkverwaltung, zu Beginn des Treffens. Im Bayerischen Wald habe man sich über die Verfügbarkeit von Wasser nie Gedanken machen müssen, es war selbstverständlich da. „Nun hat sich die Situation geändert und es ist von großem Wert, dass wir uns hier in dieser Runde austauschen.“ Dabei sei es nicht nur wichtig, Daten unterschiedlichster Messreihen jährlich im Blick zu behalten. Auch Überlegungen, was man tun kann, um Wasser in der Landschaft und im Wald zu halten, spielten bei dem Treffen der Experten eine große Rolle. Diskutiert wurden vor allem kleinräumige Maßnahmen, wie Moorrenaturierungen, die Wiedervernässung von Feuchtgebieten und die Schaffung von Rückhalteflächen.

Die Teilnehmer des Große-Ohe-Treffens tauschten sich im Hans-Eisenmann-Haus zu den Themen Klima und Wasser aus. (Foto: Annette Nigl / Nationalpark Bayerischer Wald)

Der Klimawandel ist auch im Nationalpark angekommen, das sei nichts Neues, sagte Dr. Angelika Kölbl, stellvertretende Leiterin des Sachgebietes Naturschutz und Forschung, und untermauerte das mit Daten aus dem Schutzgebiet. „Von 1972 bis 2024 ist die Jahresmitteltemperatur von 5,5 auf 7,5 Grad angestiegen, das ist ein Anstieg von zwei Grad in 52 Jahren“, so Kölbl. Allein für den Zeitraum von Januar bis Juli 2026 liege der Wert schon um zwei Grad höher als der Mittelwert der Jahre 1972 bis 2024 für diese Monate. Auf der anderen Seite lagen die Niederschlagssummen in den letzten anderthalb Jahren deutlich unterhalb des Durchschnitts: „In den Jahren 1972 bis 2024 gab es durchschnittlich einen Niederschlag von 1360 Millimetern pro Quadratmeter – das entspricht neun Badewannen pro Quadratmeter.“ Jedoch fehlten im Jahr 2025 mit einem Niederschlag von 800 Millimeter pro Quadratmeter rund 3,5 Badewannen an Wasser – also rund 40 Prozent.

Eine Rolle spiele laut Kölbl auch die Niederschlagsverteilung übers Jahr hinweg. Die fehlenden Winterniederschläge konnten 2025 noch durch einigermaßen regelmäßige Sommerniederschläge abgefedert werden. „Allerdings ging das Wasser quasi von der Hand-in-den-Mund. Die Vegetation hat alles aufgesaugt, in den Bächen oder im Grundwasser ist von den Sommerniederschlägen nichts angekommen.“ 2026 fehlen auch die Sommerniederschläge, was die Situation verschärfe. Zusammen mit den hohen Temperaturen und der daraus folgenden starken Verdunstung führe dies zu rekord-niedrigen Pegelständen in den Bächen und im Grundwasser. „Seit Juni haben wir im Grundwasser-Pegel Schachtenau neue Tiefststände. In den Monaten August, September und Oktober haben wir in der Großen Ohe die niedrigsten, jemals seit 1978 gemessenen Abflussmengen erreicht.“

Ähnliche Entwicklungen wie im Nationalpark zeigen auch die Mittelwerte von Messreihen anderer Behörden. „Bis zum Jahr 2002 gab es in Bayern immer wieder Trocken- und Nassjahre, so dass sich die Grundwasserressourcen immer wieder auffüllen konnten“, erklärte Jörg Neumann vom Landesamt für Umwelt. Seitdem gebe es einen anderen Trend. In den Jahren 2016 bis 2025 lag die Grundwasserneubildung bei minus 17 Prozent, allein im Jahr 2025 ist 49 Prozent weniger Grundwasser entstanden als in durchschnittlichen Jahren. „Fakt ist, dass wir im Zeitraum von 1951 bis 2025 eine Situation wie jetzt noch nie hatten“, so Neumann.

Neben dem Austausch fand abends ein wissenschaftlicher Vortrag im Waldgeschichtlichen Museum statt. Doris Winkler und Marlena Rieger vom Wasserwirtschaftsamt Deggendorf referierten zum Thema „Wasser, Gestein, Klima: Herausforderungen für den Bayerischen Wald“. Am nächsten Tag gab es für alle Teilnehmer eine Exkursion zu einer Moorrenaturierungsfläche im Bereich Neuschönau sowie zum Rachelsee. Das Landesamt für Umwelt wertet dort regelmäßig Daten zu dem Gewässer aus, die im Rahmen der Veranstaltung auch vorgestellt wurden.


Redaktion

Günther Freund

1944 in Bad Reichenhall geboren, Abitur in Bad Reichenhall, nach dem Studium der Geodäsie in München 3 Jahre Referendarzeit in der Vermessungs- und Flurbereinigungsverwaltung mit Staatsexamen, 12 Jahre Amtsleiterstellverteter am Vermessungsamt Freyung, 3 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Zwiesel und 23 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Freyung (nach Verwaltungsreform mit Vermessungsamt Zwiesel als Aussenstelle). Seit 2009 im Ruhestand, seitdem in Prien am Chiemsee wohnhaft.

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