Feierlicher Tunnelanschlag unter der Autobahn A8 – Ein anspruchsvolles Bauvorhaben soll eine gefährliche Engstelle beseitigen und Fußgängern sowie Radfahrern künftig einen sicheren Weg ermöglichen.

Rohrdorf – Manchmal sind es nur wenige Meter, die einen großen Unterschied machen. Rund 30 Meter lang wird der neue Geh- und Radwegtunnel, der derzeit unter der Autobahn A8 zwischen Rohrdorf und Thansau entsteht. Für die Menschen, die diese Verbindung täglich nutzen, bedeutet das Bauwerk jedoch weit mehr als eine zusätzliche Unterführung. Es ist die Aussicht auf einen sicheren Schulweg, auf unbeschwertes Radfahren und auf eine Verbindung zwischen zwei Gemeindeteilen, die seit Jahrzehnten durch eine gefährliche Engstelle geprägt ist.
Mit einem feierlichen Tunnelanschlag am Freitag, 23. Oktober 2026, wurde der Beginn des bergmännischen Vortriebs begangen. Vertreter der Gemeinde, der ausführenden Unternehmen, der Planungsbüros und beteiligter Behörden kamen dazu an der Baustelle zusammen. Auch Mitglieder des Gemeinderats und die Geistlichen des Pfarrverbands waren anwesend. Was auf den ersten Blick wie eine vergleichsweise kleine Baumaßnahme erscheinen mag, ist für die Gemeinde Rohrdorf eines der bedeutendsten Infrastrukturprojekte der vergangenen Jahrzehnte.

Eine Autobahn, die verbindet und trennt

Seit Mitte der 1930er-Jahre führt die Autobahn München–Salzburg durch das Gemeindegebiet. Sie hat die wirtschaftliche Entwicklung begünstigt, den Tourismus gefördert und eine hervorragende Verkehrsanbindung geschaffen. Gleichzeitig aber trennt sie Ortsteile voneinander und bringt Belastungen mit sich, die im Alltag der Menschen deutlich spürbar sind.
Besonders problematisch ist die bestehende Straßenunterführung zwischen Rohrdorf und Thansau. Dort müssen sich Fußgänger und Radfahrer mit dem motorisierten Verkehr einen äußerst begrenzten Raum teilen. Ein lediglich etwa 70 bis 80 Zentimeter breiter, durch eine Betonwand abgetrennter Streifen bietet kaum ausreichend Platz für eine sichere Begegnung. Für Menschen mit Kinderwagen, Rollstuhl, Gehhilfe oder Fahrradanhänger ist diese Verbindung praktisch nicht gefahrlos nutzbar.
Hinzu kommt der erhebliche Schwerlastverkehr. Nach Angaben von Bürgermeister Simon Hausstetter fahren täglich rund 200 Lastwagen zum oder vom nahe gelegenen Zementwerk. Auch landwirtschaftliche Fahrzeuge und zahlreiche Autos nutzen die Unterführung. Durch die gegenwärtigen Bauarbeiten an der Autobahn im Bereich der Rohrdorfer Ache hat sich die Verkehrsbelastung zeitweise zusätzlich erhöht.
Wie gefährlich die Situation tatsächlich ist, machte Hausstetter bei der Feier deutlich. Schwere und schwerste Unfälle habe es an der Engstelle bereits gegeben. Dass bislang kein Mensch dabei ums Leben gekommen sei, bezeichnete er als glücklichen Umstand.
Dabei geht es um eine Verbindung, die für das tägliche Leben unverzichtbar ist. Schülerinnen und Schüler aus Thansau möchten mit dem Fahrrad zur Schule fahren, Kinder aus Rohrdorf zum Sportplatz gelangen. Familien, ältere Menschen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität sind ebenfalls auf sichere Wege angewiesen.
Die neue Unterführung soll ihnen künftig ermöglichen, die Autobahn unabhängig vom Straßenverkehr zu unterqueren.

Mehr als vier Jahrzehnte vertröstet

Die Geschichte des Projekts reicht weit zurück. Schon seit den 1960er-Jahren ist die problematische Situation bekannt. In Schriftwechseln aus den 1980er-Jahren wurde die Gemeinde von der Regierung von Oberbayern darauf hingewiesen, dass das Problem bereits seit rund 20 Jahren bekannt sei.
Eine grundlegende Verbesserung wurde damals mit dem geplanten Ausbau der Autobahn in Aussicht gestellt.
Doch dieser Ausbau ließ auf sich warten.
„Wir warten jetzt seit über 40 Jahren auf den Autobahnausbau, und es tut sich nichts“, erinnerte Bürgermeister Hausstetter bei der Feier.
Zu Beginn seiner Amtszeit habe er deshalb beschlossen, die Angelegenheit mit größerem Nachdruck voranzutreiben. Die Gemeinde könne nicht auf unbestimmte Zeit auf eine Lösung warten, während täglich Kinder, Fußgänger und Radfahrer einer vermeidbaren Gefahr ausgesetzt seien.
Der Weg zum heutigen Bauvorhaben war dennoch lang und kompliziert. Verschiedene Möglichkeiten mussten untersucht, Zuständigkeiten geklärt und Genehmigungen eingeholt werden. Auch die Eigentumsverhältnisse und die Finanzierung stellten hohe Anforderungen an die Beteiligten.
Hausstetter erinnerte an die Vielzahl notwendiger Ausnahmen, Befreiungen, Zustimmungen, Genehmigungen und Förderzusagen. Bis alle Voraussetzungen erfüllt gewesen seien, seien viele Monate vergangen.
Dass das Projekt nun verwirklicht werde, sei dem gemeinsamen Einsatz des Gemeinderats, der Verwaltung, der Fachplaner und zahlreicher weiterer Beteiligter zu verdanken.

Erster Bürgermeister Simon Hausstetter begrüßt die beteiligten Firmen und Fachkräfte, sowie Gemeinderat und Bau-Experten (Kurat Tobias Pastötter, Diakon Günter Schmitzberger, Simon Hausstetter und Rudolph Knopf, Projektleiter der Firma Porr.

Fast fünf Millionen Euro für eine sichere Verbindung

Der neue Geh- und Radwegtunnel entsteht rund 20 Meter neben der bestehenden Straßenunterführung. Er wird die Autobahn auf einer Länge von etwa 30 Metern unterqueren und auf beiden Seiten an die vorhandenen Wege angeschlossen.
Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf rund 4,84 Millionen Euro. Der Freistaat Bayern beteiligt sich mit Fördermitteln in Höhe von 3,045 Millionen Euro aus dem Bayerischen Finanzausgleichsgesetz. Die Gemeinde Rohrdorf verwirklicht das Vorhaben in kommunaler Sonderbaulast.
Nach bisheriger Planung soll die neue Verbindung im Frühjahr 2027 fertiggestellt werden.
Damit erhält die Gemeinde eine eigenständige Geh- und Radwegeverbindung, die unabhängig vom motorisierten Verkehr genutzt werden kann. Auch eine zeitgemäße Beleuchtung ist vorgesehen.
Angesichts der vergleichsweise kurzen Tunnelstrecke erscheinen die Baukosten zunächst hoch. Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch nicht in der Länge des Bauwerks, sondern in seiner Lage und den schwierigen Bedingungen unmittelbar unter einer stark befahrenen Autobahn.

Kurat Tobias Pastötter und Diakon Günter Schmitzberger bei der Segnung

„Ein Tunnel bleibt ein Tunnel“

Darauf ging auch Rudolph Knopf von der ausführenden Baufirma PORR in seiner Ansprache ein.
Mit einem gewissen Augenzwinkern stellte er fest, dass man mit einem lediglich 30 Meter langen Tunnel vermutlich keine Rekorde brechen werde. Dennoch dürfe die Dimension des Bauwerks nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier ein technisch anspruchsvolles Vorhaben umgesetzt werde.
„Ein Tunnel bleibt ein Tunnel“, betonte Knopf.
Auch bei einem kurzen Tunnel müssten dieselben Maßstäbe an Planung, Ausführung und Sicherheit angelegt werden wie bei einem großen Tunnelbauwerk.
Die Schwierigkeiten ergeben sich insbesondere aus dem Baugrund. Der vorhandene Autobahndamm besteht aus Material, dessen Zusammensetzung nicht in allen Einzelheiten bekannt ist. Hinzu kommt die geringe Überdeckung zwischen dem geplanten Tunnel und der darüberliegenden Fahrbahn.
Nach Angaben des Bürgermeisters passieren täglich etwa 60.000 bis 70.000 Fahrzeuge diesen Autobahnabschnitt. Der Verkehr muss während der Bauarbeiten sicher weitergeführt werden.
Die Umsetzung erfordert deshalb eine besonders sorgfältige Abstimmung zwischen Bauunternehmen, Ingenieuren, Geologen und den zuständigen Behörden.
Knopf erinnerte daran, dass zwischen einer Planung auf dem Papier und ihrer praktischen Umsetzung stets Unwägbarkeiten liegen. Unerwartete Bodenverhältnisse oder andere Schwierigkeiten könnten während des Vortriebs auftreten. Entscheidend sei deshalb, Probleme frühzeitig zu erkennen und gemeinsam Lösungen zu finden.
Gute Bauprojekte entstünden dort, wo die Beteiligten miteinander redeten und partnerschaftlich zusammenarbeiteten.

Kurat Tobias Pastötter und Diakon Günter Schmitzberger bei der Segnung

Die Sicherheit der Arbeiter hat Vorrang

Besonders eindringliche Worte fand der Vertreter der Baufirma beim Thema Arbeitssicherheit.
Der Tunnelbau gehöre zu den Tätigkeiten, bei denen selbst kleine Fehler schwerwiegende Folgen haben könnten. Auf anderen Baustellen habe man bereits zu viele Kollegen verloren. Gerade deshalb müsse jeder einzelne Beschäftigte die Risiken seiner Arbeit ernst nehmen.
Wenn eine Situation unklar oder gefährlich erscheine, müsse man innehalten, die Lage nochmals überprüfen und gegebenenfalls zusätzliche Sicherungsmaßnahmen treffen. Auf fünf Minuten mehr oder weniger komme es nicht an.
Entscheidend sei, dass die Beschäftigten morgens gesund zur Baustelle kämen und abends ebenso gesund zu ihren Familien zurückkehrten.
Mit diesem Gedanken verband Knopf seine Wünsche für den bevorstehenden Tunnelvortrieb. Er hoffe auf möglichst wenige Überraschungen, eine gute Zusammenarbeit und vor allem auf einen sicheren Bauablauf.
Den Mineuren und allen Projektbeteiligten wünschte er schließlich mit dem traditionellen Bergmannsgruß ein herzliches „Glückauf“.

Ein besonderer Dank und ein eigener Schutzhelm

Dass hinter einem solchen Bauvorhaben nicht nur technische Planungen, Genehmigungen und Finanzierungsentscheidungen stehen, sondern vor allem Menschen, wurde auch in der Ansprache des Bürgermeisters deutlich.
Hausstetter dankte den Vertretern der beteiligten Unternehmen, Behörden und Fachbüros. Besonders erwähnte er das Ingenieurbüro Gebauer sowie die auf der Baustelle verantwortlichen Mitarbeiter Ludwig und Theil. Auch die Prüfstatiker von Haumann und Fuchs, die Fachleute für die geologischen Untersuchungen und die beteiligten Grundstückseigentümer würdigte er.
Einen besonderen Dank richtete er jedoch an einen Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung.
Christian Schoenleber habe das Projekt über lange Zeit mit außergewöhnlichem Engagement begleitet. Vieles davon sei für die Öffentlichkeit kaum sichtbar gewesen. Ohne seine Arbeit wäre die Baustelle in dieser Form kaum möglich geworden, betonte der Bürgermeister.
Hausstetter hatte sich für seinen Mitarbeiter eine kleine Überraschung überlegt.
Weil Schoenleber bei seinen Baustellenbesuchen bislang keinen eigenen Schutzhelm besaß und sich deshalb immer wieder einen ausleihen musste, überreichte ihm der Bürgermeister einen persönlichen Baustellenhelm mit Namensschild und Gemeindewappen.
Unter dem Applaus der Anwesenden erhielt der Mitarbeiter damit nicht nur die notwendige Ausrüstung für künftige Baustellenbesuche, sondern zugleich ein sichtbares Zeichen der Anerkennung für seine Arbeit.

Ein Tunnel als Zeichen des Zusammenhalts

Im Anschluss an die Ansprachen spendeten Kurat Tobias Pastötter und Diakon Günter Schmitzberger den kirchlichen Segen für das Bauvorhaben.
Sie erinnerten daran, dass sich Menschen über Jahrzehnte hinweg für eine sichere Verbindung eingesetzt hätten. Nun werde aus dieser lange gehegten Hoffnung Schritt für Schritt Wirklichkeit.
Der neue Tunnel werde nicht nur einen Weg unter der Autobahn hindurch ermöglichen. Er könne auch als Sinnbild dafür verstanden werden, wie Menschen gemeinsam Hindernisse überwinden, Verantwortung füreinander übernehmen und neue Verbindungen schaffen.
Als biblischen Gedanken hatten die Geistlichen Psalm 121 ausgewählt, in dem es um Gottes Schutz auf allen Wegen des Lebens geht.
„Der Herr behütet dein Gehen und dein Kommen von nun an bis in Ewigkeit“, heißt es darin.
In den anschließenden Gebeten baten die Geistlichen um Schutz für alle, die an dem Bauvorhaben beteiligt sind. Besonders gedachten sie der Arbeiter, die in den kommenden Wochen unter schwierigen Bedingungen den Tunnel vorantreiben werden.
Gott möge ihnen Kraft, Umsicht und eine sichere Hand schenken, sie vor Unfällen bewahren und dafür sorgen, dass sie nach jedem Arbeitstag gesund nach Hause zurückkehren.
Auch die künftigen Nutzer der neuen Verbindung wurden in die Segensbitten eingeschlossen: Kinder auf dem Schulweg, Familien auf dem Fahrrad, ältere Menschen und alle, die künftig sicher unter der Autobahn hindurchgelangen sollen.
Die Geistlichen stellten das Bauvorhaben damit in einen größeren Zusammenhang. Es gehe nicht allein darum, eine technische Verbindung zu schaffen, sondern auch darum, den Alltag der Menschen sicherer und lebenswerter zu gestalten.

30 Meter, die viel verändern können

Wenn der Tunnel im kommenden Jahr fertiggestellt ist, werden die meisten Menschen ihn vermutlich ganz selbstverständlich nutzen. Kinder werden mit ihren Fahrrädern hindurchfahren, Eltern mit Kinderwagen unterwegs sein, ältere Menschen ihre Wege zurücklegen. Vielleicht wird dann kaum noch jemand darüber nachdenken, wie lange die Gemeinde auf diese Verbindung warten musste.
Gerade darin liegt der eigentliche Wert des Bauwerks.
Ein sicherer Weg fällt im Alltag oft erst dann auf, wenn er fehlt. Wo Menschen heute noch Gefahren in Kauf nehmen müssen, soll künftig eine selbstverständliche und gefahrlose Verbindung bestehen.
Der Tunnel unter der A8 wird mit seinen rund 30 Metern gewiss nicht zu den großen Ingenieurbauwerken Bayerns zählen. Für Rohrdorf und Thansau aber ist er das Ergebnis jahrzehntelanger Beharrlichkeit, gemeinsamer Anstrengungen und der Überzeugung, dass die Sicherheit der Menschen nicht auf unbestimmte Zeit warten darf.
Und vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis dieses Tunnelanschlags: Nicht die Länge eines Bauwerks entscheidet über seine Bedeutung, sondern das, was es für die Menschen verändert.

Bericht und Fotos: Rainer Nitzsche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Redaktion

Rainer Nitzsche

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