127 Jahre nach dem Ersten Bayerischen Frauentag bringt das Haus der Bayerischen Geschichte die „Frauenfrage“ zurück ins Café Luitpold in München.
Im Oktober 1899 kamen Frauen aus ganz Bayern zusammen, um über Bildung, Beruf, wirtschaftliche Selbstständigkeit und ihre rechtliche Stellung zu diskutieren. Es war der erste „Allgemeine Bayerische Frauentag“ – die sogenannte „Frauenfrage“ wurde vor 127 Jahren mitten in München zum öffentlichen Thema. Die große Eröffnungsveranstaltung fand seinerzeit in den Festsälen des Café Luitpold statt.
Welcher Ort könnte also besser geeignet sein als das Café Luitpold, um das Konzept der Bayerischen Landesausstellung 2027 „Schwesterherz! Frauen retten Bayern“ vorzustellen? Am heutigen Donnerstagvormittag haben Bayerns Kunstminister Markus Blume sowie Vertreterinnen und Vertreter des Hauses der Bayerischen Geschichte und seines Partners, der Bildungs- und Kulturwerkstatt Klosterort Ursberg gGmbH, gemeinsam zur Projektpräsentation eingeladen.
Kunstminister Markus Blume betonte: „Weiß-blaue Frauenpower! Die Bayerische Landesausstellung ‚Schwesterherz! Frauen retten Bayern‘ rückt Frauen ins Rampenlicht, die geholfen, geheilt und unser Land verändert haben – von der Wissenschaftspionierin Adele Hartmann über die Widerstandskämpferin Sophie Scholl bis zur 68er-Ikone Uschi Obermaier. Schon 1899 kamen hier im Café Luitpold in München Frauen aus ganz Bayern zusammen, um beim ersten Allgemeinen Bayerischen Frauentag für mehr Rechte einzutreten und Veränderungen anzustoßen. Die Landesausstellung knüpft an diesen Aufbruch an und zeigt, wie Frauen Bayern geprägt haben – durch ihren Einsatz für andere ebenso wie durch ihren Mut, neue Wege zu gehen. Mit Ursberg und Dillingen stehen zwei Orte im Mittelpunkt, an denen Hilfe und Fürsorge tief verwurzelt sind. Eine inklusive Ausstellung, Angebote für alle Sinne und besondere künstlerische Akzente machen die Geschichte auf vielfältige Weise erlebbar. Die Vorfreude steigt – bleiben Sie gespannt!”
Eintauchen in konkrete Schauplätze und Situationen
In der Schau, die vom 4. Mai bis 7. November 2027 in den Klosteranlagen des Dominikus-Ringeisen-Werks stattfinden wird, erleben die Besucherinnen und Besucher Situationen, in denen Frauen im Laufe der letzten zweihundert Jahre die Initiative ergriffen haben, um Bayern zu retten. Der Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, Dr. Richard Loibl, ergänzt dazu: „Wichtig ist uns nicht nur die inhaltliche Präsentation der vielen Frauenthemen, sondern das immersive Gesamterlebnis für die Gäste mit und ohne Behinderung, die nach Ursberg kommen. Als zusätzliche Attraktion präsentiert die Lichtkünstlerin Vanessa Hafenbrädl eine künstlerisch-mediale Lichtschau in der Kapelle St. Florian, die noch tiefer ins Thema eintauchen lässt. Die Landesausstellung bietet eine packende Gestaltung, zahlreiche Mitmachstationen, vielfältige inklusive Angebote, eine spannende mediale Aufbereitung und ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm der Partner.“
Historisch beginnt die Ausstellung im Jahr 1816 – dem „Jahr ohne Sommer“. Unwetter, Missernten und Inflation ließen die Bayerinnen und Bayern hungern. Frauen aus allen gesellschaftlichen Schichten sprangen in die Bresche: zahllose anonyme Helferinnen sammelten Spenden oder gaben in Suppenküchen Essen an die Ärmsten aus. In den 1860er-Jahren erhoben Arbeiterinnen wie Therese Studer in den Werkhallen der großen Fabriken ihre Stimme für ihre Standesgenossinnen. 33 Jahre später gründete Ellen Ammann die Bahnhofsmission, um Frauen eine sichere Anlaufstation zu bieten, die sich im gefährlichen Moloch der Städte ein besseres Leben erhofften.
Der Kampf um Gleichberechtigung
Zur gleichen Zeit befreiten sich Künstlerinnen und Frauenrechtlerinnen buchstäblich aus dem Korsett und schrieben Emanzipationsgeschichte. Die Ausstellung begleitet unter anderem die Krankenschwester Paula Schlier bei ihrer schweren Arbeit in einem Lazarett des Ersten Weltkriegs und zeigt mutige Frauen, die in der Zeit des Nationalsozialismus ihr Leben aufs Spiel setzten, um menschenverachtendes Unrecht zu dokumentieren und Widerstand zu leisten. Hart erkämpften sich Frauen den Zugang zur Bildung, bis das Mädchenabitur und 1903 schließlich das Frauenstudium zugelassen wurden. Ärztinnen konnten sich fortan um die medizinischen Belange von Frauen kümmern. Architektinnen, Bauunternehmerinnen und Journalistinnen unterstützten den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Bis heute kämpfen Frauen für körperliche Selbstbestimmung, gerechte Bezahlung und einen gleichberechtigten Platz in der Gesellschaft. Zeitzeuginnen berichten, warum und wem sie helfen und wo sie sich selbst Hilfe wünschen würden.
Von Frauenmut und Frauengeist
In dem Festspiel von Marie Haushofer, das zum Abschluss des ersten „Allgemeinen Bayerischen Frauentags“ aufgeführt wurde, heißt es: „Jede, wer sie sei, trag’ heut nach ihrer Kraft und Weise bei, Daß künftighin des Menschenvolks Geschichte, Von Frauenmut und Frauengeist berichte.” In diesem Sinn schließt sich mit der Bayerischen Landesausstellung 2027 „Schwesterherz! Frauen retten Bayern“ der historische Kreis. Das Haus der Bayerischen Geschichte ist zusammen mit der Bildungs- und Kulturwerkstatt Klosterort Ursberg stolz darauf, „von Frauenmut und Frauengeist“ zu berichten, so wie es sich die Teilnehmerinnen des ersten Bayerischen Frauentags vor 127 Jahren gewünscht haben.
Veranstaltungsort, Laufzeit und Öffnungszeiten
Die Ausstellung findet im Haus St. Josef, Klosterhof 6, Ursberg, statt. Sie ist vom 4. Mai bis 7. November geöffnet. Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr, an Samstagen, Sonn- und Feiertagen von 9 bis 18 Uhr. Letzter Einlass ist bis 30 Minuten vor Schließung möglich.
Eintrittspreise
Erwachsene: 9,00 € Ermäßigt: 7,00 € (z. B. Senioren ab 65 Jahren, Gruppen ab 15 Personen) Eintritt frei: Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, Schüler im Klassenverband und Studierende bis 30 Jahre sowie Mitglieder des Freundeskreises Haus der Bayerischen Geschichte, Menschen mit Schwerbehinderung – Änderungen vorbehalten
Text und Foto: Haus der Bayerischen Geschichte – (v.r.n.l.): Kunstminister Markus Blume, Sr. M. Katharina Wildenauer, Generaloberin der St. Josefskongregation Ursberg, Vanessa Hafenbrädl, Lichtkünstlerin, Michael Ilg M.A., Projektleiter der Bayerischen Landesausstellung 2027 bei der Konzeptvorstellung im Café Luitpold in München




