Wie lassen sich Naturerfahrung, Bewegung und Bildung mit Nachhaltigkeit, Sicherheit und Naturschutz vereinbaren? Mit dieser Frage beschäftigten sich 70 Lehramtsstudierende der Technischen Universität München (TUM) unter Leitung von Prof. Dr. Jörg Königstorfer und den beiden Modulverantwortlichen Dr. Thomas Froschmeier und Thomas Plank im Oktober bei einer Projektwoche in Aschau im Chiemgau und im Bergsteigerdorf Sachrang.
Facettenreiches didaktisches Programm
In Workshops zu Natur-, Erlebnis- und Waldpädagogik, LandArt, Kneippen und Klimabildung erlebten und reflektierten die angehenden Lehrkräfte Methoden für nachhaltige Klassenfahrten und Schulausflüge. Daneben wurden elementare Fachkenntnisse zu Standards im Outdoorsport vermittelt: von der Tourenplanung über die pädagogische Gefährdungsbeurteilung – der verantwortungsvolle Umgang mit Risiken – bis zum Notfallmanagement. Optimal vorbereitet konnten die Teilnehmenden das Gelernte direkt bei Bergwanderungen und Radtouren in die Praxis umsetzen und anwenden.
Klassenfahrten neu denken: der Anspruch muss dabei über die reine Organisation gelungener Ausflüge hinausgehen
Im alpinen Raum treffen unter anderem Tourismus, Naturschutz, Landwirtschaft und Erholung aufeinander – Spannungsfelder, die verlangen, unterschiedliche Interessen und Perspektiven einzubeziehen, Zielkonflikte zu erkennen und in einer dynamischen Umgebung verantwortungsvoll zu entscheiden. Einer anspruchsvollen Aufgabe wurde mit erfahrungs- und herausforderungsbasiertem Lernen begegnet.
Aschau und Sachrang boten dafür einen Lernraum mit konkretem Regionalbezug
Die interdisziplinäre Auseinandersetzung mit dem Konzept der Bergsteigerdörfer, dem Naturschutz, dem sanften Tourismus und der Regionalentwicklung beginnt lokal im Konkreten und berührt letztlich die globalen Kernfragen unserer Zeit: Nachhaltigkeit und Klima. Dieser Transfer wurde in Gesprächen mit Akteuren vor Ort deutlich. Nachhaltigkeit ist keine rein individuelle Entscheidung; sie erfordert partizipative Multi-Stakeholder-Prozesse, um Fachbereiche zu vernetzen und tragfähige Lösungen zu erarbeiten.
Den Lehrkräften von morgen kommt eine Schlüsselrolle zu
Die zukünftigen Lehrkräfte sind Multiplikatoren für die Kinder von morgen und konnten ein tiefgreifendes Verständnis und Bewusstsein dafür entwickeln, wie sich nachhaltiges Handeln bei Schülerinnen und Schülern initiieren und fördern lässt. Der Versuch, eine ganzheitliche Perspektive, die in einem strategischen Handlungsansatz oder in ein didaktisches Konzept übergeht, zu vermitteln, könnte ein wichtiger Hebel sein. Schülerinnen und Schüler sollten unterschiedliche Handlungsoptionen kritisch prüfen und eigene Entscheidungen begründet treffen können. Die Wirkung dieses Bildungsprozesses wirkt potenziell weit über die Projektwoche hinaus. Übernachtet wurde im Aktiv Hotel in Aschau. Zu den Unterstützern vor Ort gehörten der Dorfladen in Sachrang, Biobäuerin Monika Pfaffinger vom Simmerlhof auf der Mitterleiten, Dr. Dr. Klaus Piwernetz vom Aschauer Kneippverein, Dr. Brigitte Baretzky, Till Gottbrath und Georg Antretter vom Arbeitskreis Bergsteigerdorf sowie die Tourist Info in Aschau mit Herbert Reiter, der die Abschlusspräsentation der Poster in der Priental-Halle eröffnete.
Text: Thomas Plank, TU München – Bildquelle: Till Gottbrath, Georg Antretter






