Wenn Bayern am Sonntag in den Gottesdiensten Erntedank feiert, ist der Dank für die Gaben der Schöpfung in diesem Jahr mehr als ein Ritual: Das Trockenjahr 2026 zeigt, dass gute Ernten und damit eine sichere Versorgung bei weitem nicht selbstverständlich sind. Der Bayerische Bauernverband (BBV) wirbt deshalb um mehr Wertschätzung für die Bedeutung der heimischen Landwirtschaft.
“Bayerns Bauernfamilien arbeiten täglich hart daran, Landwirtschaft zukunftsfest zu machen”, sagt Günther Felßner, BBV-Präsident. “Gleichzeitig ist es aber auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die notwendigen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dafür zu schaffen und zu erhalten.”
Trockenheit hält an
Nach einem dramatischen Dürresommer war der September in ganz Bayern erneut deutlich zu trocken. 82 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen zeigen niedrige Stände, der Starnberger See erreichte im September den niedrigsten Wasserstand seiner Messreihe, und der DWD erwartet auch für die kommenden drei Wochen zu trockenes und zu warmes Wetter. Schon von März bis Ende Mai kam in Bayern nur die Hälfte des sonst üblichen Niederschlags zusammen. Das hat schwerwiegende Auswirkungen – angefangen bei der Futterversorgung über die Entwicklung der bereits gesäten Winterkulturen bis hin zu enorm verteuerten Agrartransportkosten infolge zu niedriger Pegelstände für die Binnenschifffahrt.
Ernte 2026 mit großen Einbußen
Das Landesamt für Statistik schätzt die Getreideernte 2026 auf nur 5,6 Millionen Tonnen, knapp 13 Prozent weniger als 2025 und eines der drei schwächsten Ergebnisse der vergangenen Jahrzehnte. Beim Winterweizen brach die Menge um knapp ein Viertel ein. Raps brachte bayernweit im Schnitt nur 32 statt rund 37,5 Dezitonnen je Hektar. Beim Mais im Norden Bayerns waren Ausfälle von 50 Prozent und mehr die Regel, und knapp 80 Prozent der Betriebe bewerteten ihr Grünland als mangelhaft oder ungenügend. Auch Kartoffeln, Hopfen und Wein bleiben unter dem Durchschnitt. Positiv: Die Qualität von Brotgetreide und Braugerste überzeugt.
Was jetzt zählt
In der Konsequenz braucht es nun aus Sicht des Bayerischen Bauernverbands:
- Wertschätzung: Wer heimische Lebensmittel kauft und faire Erzeugerpreise akzeptiert, sichert Höfe und damit die Versorgung vor der eigenen Haustür.
- Aktives Gestalten der Landwirtschaft: Landwirtinnen und Landwirte passen bereits seit langem Anbau, Bodenbewirtschaftung und Risikovorsorge an den Klimawandel an. Bayern fördert zudem als erstes Bundesland die Mehrgefahrenversicherung breit, für 2026 haben mehr als 7.000 Betriebe Unterstützung beantragt. Bayern muss weiterhin gezielt in Agrarforschung und Züchtung investieren.
- Wasser in der Landschaft halten: Beim Wassercent kann Bayern konkret handeln. Seit 1. Juli 2026 werden 10 Cent pro Kubikmeter Grundwasser erhoben. Der BBV lehnt die Abgabe von Anfang an ab, weil sie Betriebe bürokratisch und finanziell belastet, ohne in der Praxis zu lenken, zumal die Landwirtschaft nur 1,7 Prozent der bayerischen Wasserentnahme ausmacht. Die Einnahmen werden auf 60 bis 80 Millionen Euro jährlich geschätzt. Sie müssen zusätzlich und zweckgebunden in Maßnahmen zurückfließen, die der Landwirtschaft und dem Landschaftswasserhaushalt zugutekommen: Wasserrückhalt, Grundwasserneubildung, nachhaltige Wasserbewirtschaftung und erfolgreiche Programme wie boden:ständig. Klar ist auch: Bewässerung für die Erzeugung von Lebensmitteln muss möglich bleiben. Zugleich kritisiert der BBV den anhaltenden Flächenverbrauch von rund 8 Hektar pro Tag. Überbaute Flächen fehlen für die Nahrungsmittelerzeugung und können kein Wasser mehr halten. Lösungen zum Wasserrückhalt in der Fläche funktionieren nur mit der Landwirtschaft, nicht gegen sie.
- Verlässliche Rahmenbedingungen: Die im Koalitionsvertrag versprochene steuerfreie Risikoausgleichsrücklage muss jetzt umgesetzt werden. Hinzu kommen Entlastungen bei Diesel- und Energiekosten, weniger Bürokratie, eine starke Gemeinsame Agrarpolitik über 2027 hinaus und der Erhalt landwirtschaftlicher Flächen.
Der BBV hofft nun auf einen nassen Winter. Schon das Winterhalbjahr 2025/26 war deutlich zu trocken, und die Grundwasserstände dürften bis in den Spätherbst weiter sinken. Bleibt die Wiederauffüllung der Wasserspeicher erneut aus, setzt sich die Trockenheit 2027 fort.
“Die aktuellen geopolitischen und klimatischen Veränderungen zeigen uns ganz deutlich, wie wichtig Ernährungssicherung und Versorgungssouveränität für Bayern, Deutschland und Europa sind”, sagt Günther Felßner. “Ganz besonders an Erntedank ist die Zeit, mit Dankbarkeit auf das zu blicken, was wir haben – aber auch im Alltag durch Ihren Einkauf und Ihre Wertschätzung zu zeigen, was uns die heimische Landwirtschaft wert ist.”
Bericht und Foto: BBV




