Kultur

Pianistin begeistert bei Salzburger Festspiele

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Es war das letzte sinfonische Konzert der Salzburger Festspiele, und das Große Festspielhaus war wieder ausverkauft, wie so oft in diesem Festspielsommer.

Die Wiener Philharmoniker mit dem lettischen Dirigenten Andris Nelsons (geboren 1978 in Riga) sollten eigentlich mit dem russischen Pianisten Daniil Trifonow das Dritte Klavierkonzert von Sergei Rachmaninow aufführen. Jedoch hatte sich der Star der sanften Töne verletzt, und die Chinesin Yuja Wang sprang ein. Unterschiedlicher könnten diese zwei Pianisten nicht sein – der introvertierte Meister der Emotionen und die extrovertierte Tastenkünstlerin in High Heels und glitzerndem Minikleid.

Sergej Prokofjews Zweites Klavierkonzert wurde mit Yuja Wang ein Ritt durch die Nacht, der atemlos endete. Das Publikum war platt bis hingerissen von dieser Matinee-Vorstellung. Orchester und Pianistin schienen fast wie in einem musikalischen Wettstreit, wo jeder mal „vorne“ war. Die Wiener Philharmoniker mit Andris Nelsons ließen jedoch der Pianistin elegant den Vorrang. Der warme Streicherteppich des ersten Satzes von Prokofjews g-Moll-Konzert stand im Kontrast zu den wahnwitzigen Läufen des Klavierparts, die Wang mit ungeheurer Präzision spielte und gemeinsam mit dem Orchester perfekt abschloss. Dem rasenden Scherzo, mit vermeintlicher Improvisation des Klavierparts, folgt das mächtige Schreiten des dritten Satzes, in dem Prokofjew sein Romeo-und-Julia-Motiv vorwegnimmt.

Folkloristische Elemente klingen an, wie man sie in seiner „Ouvertüre über hebräische Themen“ findet. Klavier und Orchester laufen synchron nebeneinander. Manchmal wünscht man sich mehr Wärme im Spiel. Ihre ungeheure Fingerfertigkeit zeigte Wang im Schlusssatz, den sie in rasendem Tempo steigerte. Das Publikum war außer sich von diesem Geschwindigkeitsrausch und forderte zwei Zugaben. Nach diesem Parforce-Ritt brauchte man die Pause, um das Gehörte zu verarbeiten. Im zweiten Teil der Matinee ging es entspannter zu. Die Wiener Philharmoniker spielten Richard Strauss’ „Don Juan“ op. 20, eine Tondichtung nach Nikolaus Lenau, die 1889 in Weimar uraufgeführt wurde.

Die Wiener Philharmoniker unter der umsichtigen Leitung von Andris Nelsons klangen nun wie ausgewechselt. Der Orchesterklang war weit, offen und verzauberte den Saal mit seiner Schönheit. Während „Don Juan“ temperamentvoll daherkam, hörte man in „Till Eulenspiegels lustige Streiche“ op. 28 anfänglich tänzerische Walzermelodien, bei denen der Schalk um die Ecke lugte. Feine Bläser- und Streicher-Soli entzückten das Publikum.

Tosender Applaus für die Musiker und den Dirigenten.

Text: Daniella Rieger-Böhm – Foto: Marco Borelli (Salzburger Festspiele)


Redaktion

Toni Hötzelsperger

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