Nationalpark und Wald-Verein organisieren traditionelles Fest mit Musik, Schmankerl und Sternwanderung
Dass das Schachtenhaus in der Gemeinde Lindberg ein Sehnsuchtsort vieler ist, wurde am vergangenen Sonntag deutlich. Die Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald und die Sektion Lindberg-Falkenstein des Bayerischen Wald-Vereins hatten nach elf Jahren wieder ein Schachtenhausfest auf die Beine gestellt – und dieser Einladung sind über 600 Wanderer und Radfahrer gefolgt.

Nationalparkleiterin Ursula Schuster mit den Ehrengästen Heiner Kilger, Bürgermeister von Mauth (v.l.), Helmut Plenk, stellvertretender Landrat Regen, Sebastian Gruber, Landrat von Freyung-Grafenau und Wald-Vereins-Präsident, Nationalparkmitarbeiter Martin Wagner, Wald-Vereins Ehrenvorsitzender Georg Pletl, und Toni Schuberl, Landtagsabgeordneter. (Fotos: Annette Nigl / Nationalpark Bayerischer Wald)
Doch bevor es sich alle Besucher bei Gegrilltem, Sterz, Pichelsteiner, Kuchen und gemütlicher Musik gut gehen lassen konnten, galt es zunächst noch etwas zu schwitzen und in die Hochlagen zu gelangen. Entweder auf eigene Faust oder als Teilnehmer bei der Sternwanderung. Bei bewölktem Himmel und 20 Grad starteten sechs Wanderungen, unter anderem geführt von Nationalparkleiterin Ursula Schuster, sowie zwei Radtouren, beispielsweise mit Frauenaus Bürgermeister Fritz Schreder, hinauf zum Schachtenhaus. Oben angekommen sorgte der Wald-Verein mit Schmankerl für das leibliche Wohl der Gäste. Für die fröhliche Musik waren die „Schachtenhaus Musi“, der „Riesberg-Viergsang“ um Michael Graßl, die tschechische Dudelsack-Kombo „Veselá Dudácká Muzika z Katovic“ und die „Kircha-Höh-Musi“ aus Lindberg zuständig. Der Trachtenverein Lindberg zeigte bei Tanzaufführungen sein Können und das Umweltbildungs-Team des Nationalparks kümmerte sich um das Programm für Kinder.

Nationalparkleiterin Ursula Schuster (4.v.r.) mit Gästen aus Nah und Fern: Frauenaus Bürgermeister Fritz Schreder, Lindbergs zweiter Bürgermeister Eugen Stadler, Zwiesels zweite Bürgermeisterin Elisabeth Pfeffer, Glasprinzessin Karin Raith, Franz Winter, Vorsitzender der Wald-Vereins-Sektion Lindberg-Falkenstein, Pavel Hubený, Leiter des Nationalparks Šumava, und Helmut Plenk, stellvertretender Landrat von Regen.
Ursula Schuster war vom großen Ansturm überwältigt. „Es freut mich sehr, dass wir diese Tradition nach dem letzten Fest im Jahr 2015 wieder aufleben lassen können.“ Vergessen hätte der Nationalpark in dieser Zeit die ehemaligen Waldweiden nicht, ganz im Gegenteil. Mittlerweile sei es bekannt, dass eine rund zehnköpfige Herde des Roten Höhenviehs die Sommermonate in den Hochlagen verbringt und abwechselnd auf dem Hoch-, Ruckowitz- und Albrechtschachten grast. „Neben den tierischen Helfern unterstützen uns beim Freihalten der Schachten auch viele Helferinnen und Helfern, denen der Erhalt der Waldweiden genauso am Herzen liegt wie uns“, so Schuster. Deshalb finde einmal im Herbst der Schachtenpflegetag statt, der vom Wald-Verein in Zusammenarbeit mit der Nationalparkverwaltung organisiert wird. „Bei dieser gemeinsamen Aktion wird spürbar, welche kulturelle Bedeutung die Perlen im Waldmeer für die Bevölkerung haben.“

Die tschechische Dudelsack-Kombo „Veselá Dudácká Muzika z Katovic“.
In diesen Zusammenhang erinnerte Schuster an „einen, der heute sicherlich gerne bei uns gewesen wäre“. Gemeint war Günther Hannes, der Ehrenvorsitzende der Wald-Vereins Sektion Lindberg-Falkenstein, der am 13. Juli im Alter von 76 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben ist. „Als Wald-Vereins-Urgestein ist ihm eine offene und ehrliche Zusammenarbeit mit dem Nationalpark immer am Herzen gelegen. Mit seiner positiven und herzlichen Art hat er es immer geschafft, Menschen zusammenzubringen und gemeinsam für den Schutz der Natur zu begeistern.“

Auftritt des Trachtenverein Lindberg.
Abschließend gab es von der Nationalparkleiterin noch Dankesworte, gerichtet an Franz Winter, den Vorsitzenden der Wald-Vereins-Sektion Lindberg-Falkenstein, und sein Team sowie an alle Mitarbeiter, Ranger und Praktikanten der Nationalparkverwaltung für die Organisation, allen voran Martin Wagner. „Bedanken möchte ich mich auch bei allen, die sich dazu bereit erklärt haben, heute eine Wanderung oder Radtour zu begleiten, darunter Mario Schmid und Alexander Muthmann vom Junior Ranger Verein, Steffen Krieger von Pro Nationalpark Zwieseler Winkel sowie die Nationalparkmitarbeiter Tobias Windmaißer, Reinhold Gaisbauer, Ingo Brauer, Thomas Drexler und Stefan Neuberger.“ Für die Sicherheit der Gäste sorgten die Freiwillige Feuerwehr und die Bergwacht.

über 600 Wanderer und Radfahrer bei der Sternwanderung mit Nationalparkleiterin Ursula Schuster
Dem konnte sich Franz Winter, auch im Namen von Sebastian Gruber, dem Präsident des Bayerischen Wald-Vereins, nur anschließen. „Ich bin überwältigt, wie viele den Weg herauf zu uns gefunden haben.“ Die Schachten und insbesondere das Schachtenhaus lägen dem Wald-Verein besonders am Herzen. „Für viele ist das der Ruheort überhaupt.“ Von Zeit zu Zeit soll es aber erlaubt sein, diese Stille zu durchbrechen, sagte Eugen Stadler, der zweite Bürgermeister der Gemeinde Lindberg, wie eben bei diesem traditionellen Fest. Das Besondere dabei sei nicht nur der Aufenthalt am Haus selbst, sondern bereits der Weg dorthin. „Mit jedem Meter, den man nach oben gelangt, lässt man das Leben im Tal zurück.“
Helmut Plenk, der stellvertretende Landrat von Regen, lobte besonders die tolle Zusammenarbeit zwischen dem Nationalpark und dem Wald-Verein und freute sich über die bunte gemischte Gästeschar. „Wenn ich mich umhöre, sind nicht nur Besucher aus allen Nachbar-Landkreisen, sondern weit über die Region hinaus da – und natürlich auch Gäste aus Tschechien.“ Unter ihnen waren auch Pavel Hubený, der Leiter des Nationalparks Šumava, und Prášilys Bürgermeister Josef Rade, die im Rahmen der Sternwanderung eine Gruppe auf die bayerische Seite begleitet hatten.


