Brauchtum

100 Jahre Chiemgau-Alpenverband: Rückblick I

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Am letzten Juli-Sonntag feierte der Chiemgau-Alpenverband für Tracht und Sitte beim GTEV Marquartstein-Piesenhausen seinen 100. Geburtstag. Mit der Rede von Gauvorstand Thomas Hiendl zu Beginn des Festgottesdienstes und mit einem Bilderbogen vom Festsonntag wollen wir an das Jubiläum erinnern:

Rede des Gauvorstandes im Wortlaut: 

Liebe Chiemgauer Trachtler, werte Ehrengäste und Festbesucher, gestern vor 100 Jahren, am 25. Juli 1926 wurde hier in Marquartstein im Gasthaus Hofwirth der Chiemgau Alpenverband gegründet. Da war es natürlich klar, dass dieses Jubiläum hier am Sitz des Gaus in Marquartstein-stattfindet. An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich beim GTEV Marquartstein-Piesenhausen, allen voran beim 1. Vorstand, Roland Polleichtner und beim Festleiter Martin Heiler für die Ausrichtung des Gaufestes bedanken.

In der Einleitung im ersten Protokollbuch steht, dass die Gründung des Gaus nicht aus Eigenbrötlerei und kleinlicher Streitsucht, sondern mit der Absicht, die Gebirgs-Trachten-Erhaltungsvereine der Chiemgauberge zu sammeln, um mit vereinten Kräften zu arbeiten an der Erhaltung und Pflege Chiemgauer Sitte, Art und Tracht. Wenn ich heute die vielen Chiemgauer Trachtler sehe, kann man durchaus sagen, dass uns genau das gelungen ist. Wir sind mit über 8.000 Mitgliedern und gut 1.700 Kinder und Jugendlichen eher ein kleiner Gau im BTV. Genau das ist jedoch unsere Stärke; Klein, kompakt, einfach a große Trachtenfamilie. Wenn man dann sieht, dass am Gaufestsonntag beim Festzug mit über 4000 Teilnehmern fast die Hälfte unserer Mitglieder mit dabei sind, ist das eine beeindruckende Quote

Unseren Gründern, allen voran unser Gründungsvorstand Hias Schrobenhauser und Baron Ludwig von Cramer-Klett ist es zu verdanken, dass der Chiemgau Alpenverband gegründet wurde. Anfänglich wurden sie belächelt, vielleicht sogar verspottet. „Was wollen sie, als so kleiner Gau in der großen Trachtenwelt bewirken“. „Kehrt um von eurem abtrünnigen Weg“ haben sie zu hören bekommen. Die Verbandsgründer haben sich jedoch nicht beirren lassen, ihren eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Genau so wenig wie alle nachfolgenden Generationen haben sie damals schon den Einflüssen von außen getrotzt.

Unseren Vorgängern, und auch uns ist daran gelegen, die Werte wie Erhalt der Tracht und des Brauchtums, Pflege der Volksmusik und unserer Plattler und Trachtentänze, kurz unsere Chiemgauer Lebensart zu erhalten.

Jung und Oid midanand ist nicht nur ein Motto, sondern ein Auftrag.

Gerade bei einem Gaufest sieht man es auf eindrucksvolle Weise, wie in den Vereinen Generationsübergreifend miteinander angepackt und auch gefeiert wird. Man sieht auch, dass der Zusammenhalt der Chiemgauer Trachtler bei so einem Fest gelebt und gestärkt wird. Das ist eine wesentliche Stärke nicht nur von uns Chiemgauern, sondern von allen Trachtlern. Nur Miteinander können wir auch in Zukunft den Einflüssen so entgegenwirken, dass die Trachtensache weiterlebt, ohne dass es uns das Herz dabei kostet. Nehmen wir die Aufgabe, die Erhaltung unserer Werte, und die Weitergabe an die nächsten Generationen an. Stellen wir uns dieser Verantwortung und zeigen wir durch unsere Zugehörigkeit zu den Vereinen, zum Chiemgau Alpenverband, zum BTV, sprich zur ganzen Trachtenfamilie wie wichtig uns die Heimat, die Tracht und unserer Bräuche sind.

Uns Chiemgauer Trachtler wünsche ich für die weiteren Jahre Viel Gespür beim Erhalt unserer trachtlerischen Werte. Dann wird die Erfolgsgeschichte des Chiemgau Alpenverbandes mit all seinen Mitgliedern bestimmt noch viele Jahre fortbestehen. Halten wir uns an den Spruch: Sitt und Tracht der alten, wollen wir erhalten. Vergelt’s Gott für eure Aufmerksamkeit. Ich darf nun seine Eminenz, Hr. Weihbischof Rupert, Graf zu Stolberg bitten mit uns die hl. Messe als Auftakt zu unserem 88. Gaufest in Marquartstein zu feiern.

Fotos: Hötzelsperger – Eindrücke vom Gaufest-Sonntag in Marquartstein

 

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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