Kultur

“Werther-Triumph” in Salzburg

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Ein Werther, der tief ergreift und fesselt  –  Benjamin Bernheim triumphiert als „Werther“ bei den Salzburger Festspielen  – Von Daniella Rieger-Böhm

Eine konzertante Version der Oper „Werther“ von Jules Massenet, auf der Grundlage des Briefromans von Johann Wolfgang von Goethe, wurde im Großen Festspielhaus aufgeführt und endete mit lauten Bravo-Rufen und Standing Ovations. Die Besucher waren hellauf begeistert von den kurzweiligen zweieinhalb Stunden.

Diese Produktion stammt vom Brüsseler Théâtre Royal de la Monnaie, und Chefdirigent Alain Altinoglu leitet das Orchestre Symphonique de la Monnaie nicht nur mit feinster Umsicht, sondern entlockte ihm Farben, die an Claude Monet erinnerten. Bereits die Ouvertüre war, mit Soli von Violine und Cello, ein wahrer Hörgenuss. Der warme Klang des Klangkörpers verströmte französische Finesse.

Sechs Kinder des Salzburger Festspiele und Theater Kinderchors (Einstudierung: Wolfgang Götz) unterbrechen, in der Rolle von Charlottes Geschwistern, dieses Klang-Gemälde mit fröhlichen „Noël“-Rufen. Ihr Vater, der Amtmann (Le Bailli), übt mit ihnen bereits im Juli für Weihnachten, das in der Geschichte Werthers einen dramatischen Höhepunkt finden sollte.

Als Werther Charlotte zum ersten Mal begegnet, verliebt er sich sofort in sie. Charlotte jedoch hat ihrer sterbenden Mutter versprochen, Albert zu heiraten. Doch ihre Zuneigung zu Werther kann sie nur schlecht unterdrücken, obwohl sie ihr Geheimnis bleibt. In Massenets Opernfassung ahnt Charlottes Ehemann Albert jedoch, was in ihr vorgeht. Als Werther ihn später unter einem Vorwand bittet, ihm eine Pistole zu leihen, gibt Albert sie ihm bereitwillig, worauf Werther sie benutzt, um sich zu erschießen. Als Charlotte dem tödlich Verwundeten zu Hilfe eilt, gesteht sie ihm ihre Liebe und besiegelt dies mit einem Kuss, bevor er stirbt. Das Drama ist perfekt. Selbst als Sterbender zieht Werther alle Register, um Charlotte über seinen Tod hinaus emotional an sich zu binden.

Jules Massenet schafft einen Spannungsbogen im Stil der Spätromanik. Alle Sänger werden den Anforderungen dieser besonderen Oper mit ihren schönen Stimmen gerecht.

Die absolute Offenbarung in dieser Produktion ist jedoch der französische Tenor Benjamin Bernheim. Er verkörpert die Titelfigur Werther nicht nur sängerisch auf höchstem Niveau, sondern (durch-)lebt und leidet jede Phase seiner Emotionen. Mit dem fast schon überirdisch schönen Timbre seines lyrischen Tenors gestaltet er sowohl kraftvoll als auch „sotto voce“ die Dramatik seiner Partie. Er durchdringt diese Figur mit allen Fasern und Klangfarben.

Glanzmoment und absoluter Höhepunkt des Abends wurde die Arie „Pourquoi me réveiller“. Die Begeisterung des Publikums kochte hoch, und es gab kein Halten mehr. Nach dem letzten Ton tobte die Menge auf eine Weise, wie man sie von italienischen Opernhäusern her kennt. Das Publikum bekam eine Wiederholung dieser Verismo-Arie. Danach erst konnte die Handlung weitergehen, und Charlotte (Mezzosopranistin Adèle Charvet) litt weiter am Dilemma zwischen der Liebe zu Werther und dem Pflichtbewusstsein gegenüber ihrem Ehemann Albert (Andrey Zhilikhovsky).

Klug inszeniert wurde diese konzertante Version mit kleinen, aber sehr klaren Gesten und Auftritten. Ein Gesamtmeisterwerk und ein Opernerlebnis par excellence, das es am Samstag, 1. August, noch einmal zu erleben gibt.

Karten unter www.salzburgerfestfestspiele.at

Bericht und Fotos: Daniella Rieger-Böhm – Salzburger Festspiele (Marco Borelli)

  • In der Titelrolle glänzt der Tenor Benjamin Bernheim.
  • Souveräne Gesamtleistung: Dirigent Alain Altinoglu (li.), Mezzosopranistin Adèle Charvet (Charlotte) und Tenor Benjamin Bernheim (Werther)
  • Charlotte (Adèle Charvet) gesteht Werther (Benjamin Bernheim) ihre Liebe.
  • Abschlussapplaus (Foto Daniella Rieger-Böhm)

 

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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