Es ist keine Seltenheit, dass junge Frauen aus ihrem Berufsalltag und von ihrem gewohnten Zuhause ausbrechen und für eine bestimmte Dauer Zeit für sich haben wollen. Oft geschieht dies einen Almsommer lang mit ganz und gar neuen Herausforderungen. So kommt es immer wieder vor, dass beim Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern mit Sitz in Holzkirchen Anfragen nach einer Almstelle eintreffen und dass dann eine Vermittlung zu einem Almbauer erfolgt. So gleich oder ähnlich die Vorgänge auch sein mögen, so unterschiedlich und individuell sind auch die Lebensentwürfe der Sennerinnen auf Zeit.
Ein gelingendes Beispiel findet sich diesen Sommer auf der Feichteckalm auf dem Samerberg, die zu Fuß sowohl von der Hochries als auch vom Wanderparkplatz Samerberg-Bruchfeld gut zu erreichen ist. Auch Mountainbiker wissen um die Alm mit den guten Einkehrmöglichkeiten. Doch damit das auch tagaus und tagein gewährleistet ist, bedarf es einer ständigen persönlichen Präsenz. Für die Almbauernfamilie von Bartholomäus Mayer aus Samerberg-Schilding war die Vermittlung durch den Almwirtschaftlichen Verein wieder einmal ein Glücksgriff. Maria Praxenthaler vom Hof „Beim Schieferl“ in Fridolfing nahe dem Waginger See im Landkreis Traunstein hat rasch zugesagt, als sie die Feichteckalm vorgeschlagen bekam und sich das erste Mal vor Ort mit den Bauersleuten unterhielt. Zusammen mit zwei Schwestern auf dem elterlichen Naturlandbetrieb groß geworden bringt sie beste Voraussetzungen für die Betreuung von insgesamt 52 Stück Jungvieh mit. Schulisch und beruflich war der bisherige Weg der Besuch der Realschule in Traunstein, dann verschiedene Stationen in Bayern und Österreich als gelernte Hotelfachfrau, der Besuch in Corona-Zeiten von der Hauswirtschafts-Winterschule in Traunstein und zuletzt eine Ausbildung als Medizinische Masseurin in Rosenheim. Letzteres könnte für die 28jährige auch nach der Almzeit wieder ein berufliches Standbein werden, eventuell sogar in Selbstständigkeit.
Viehzählen, Zäunerichten und Distelnstechen – dann kommen die Gäste
Doch derzeit und noch bis Ende September gilt es ein Augenmerk auf das Almvieh und auf die oft hungrigen Almbesucher zu richten. Apfel-Nuss- oder Kirschstreußelkuchen gehören täglich von ca. 10.30 Uhr bis 20 Uhr zum Bewirtungsangebot ebenso wie selbstgemachter Käse oder frisch hergerichtete Brotzeitbrettl. „Sobald ich vom morgendlichen Viehzählen, Zäune-Richten oder Disteln-Stechen zurück bin, kommen auf mittag schon die ersten Wanderer sowie E-Bike- und Mountain-Bike-Fahrer, dann gibt es eine täglich aktuelle kleine Speisenkarte“. Natürlich gibt es auch -gerade bei heißen oder regnerischen Tagen- Zeiten, an denen die Sennerin alleine auf der Alm ist. „Das ist dann die Zeit, in der ich die Unberührtheit der Natur, die Weitsicht ins Tirolerische und den Feierabend für mich genieße“ – so Maria Praxenthaler. Ihre Zeit vertreibt sie sich auch gerne mit ihrer Gitarre und mit Singen. Gerade das Singen in Gemeinschaft mit einem Besuch oder auch mal ein Schafkopfen sind es, die für zusätzliche Abwechslung sorgen. Zur Abwechslung im bisherigen Almsommer haben auch ein Gast und ein Fuchs gesorgt. Der Einkehrer war ein Bergader-Fachmann, der Tipps zu eingelegtem Knoblauch- und Chilli-Käse gab und ein abgemagerter Fuchs war auch schon in den Nachbarsalmen aufgefallen. Gerade mit diesen wird ein guter Austausch gepflegt, einmal ergab es sich, dass Maria anstatt 52 sogar 53 junge Kühe zusammenzählte. „Das klärte sich aber bald auf, denn der Almnachbar war schon lange auf der Suche nach seinem fehlenden Stück. Da habe ich mir gedacht: lieber ein Vieh zu viel als zu wenig“. Bei den täglichen Viehzählungen kommt die Sennerin auch an Waldstellen und Waldrändern vorbei, diese bieten manche Chancen nach einem Schwammerlfund. Doch heuer lassen die Pilze noch etwas auf sich warten – bis diese wieder kommen, wartet Maria Praxenthaler auf wieder neue Gäste“.
Alm-Gottesdienst und Waginger Musi auf der Feichteckalm
Und so geht die Almzeit rasch vorüber, eine schöne Unterbrechung ist am Samstag, 1. August, wenn ab 11 Uhr bei schönem Wetter eine Bergmesse gefeiert und anschließend zum Almkirta eingeladen wird. An diesem Tag werden die Sennerin und die Almbauernfamilie Mayer wieder alle Hände voll zu tun haben, um ihren Gästen die angenehmste Seite eines arbeitsreichen Almlebens erleben zu lassen. Ein weiterer besonderer Alm-Genuss steht eine Woche später am Sonntag, 9. August bevor. An diesem Tag ist bei gutem Wetter die Waginger Musi zu Gast und spielt ab 11 Uhr zur almerischen Einkehr auf.
Fotos: Hötzelsperger – 1. Sennerin Maria Praxenthaler – 2. Eindrücke von der Feichteckalm auf dem Samerberg.













