Die „Grüntebuebe Kranzegg“ feiern im August ihr 100-jähriges Bestehen. Anlässlich dieses besonderen Jubiläums richten sie auch das diesjährige Allgäuer Gautrachtenfest aus. Nachdem das letzte Gautrachtenfest im Allgäuer Gauverband schon ein paar Jahre her ist (2023 in Kempten), ist die Freude bei allen Trachtenfreunden groß, dass diese Veranstaltung nun dieses Jahr in Kranzegg durchgeführt wird.

Das Allgäuer Gautrachtenfest hat in Kranzegg mittlerweile Tradition: Nach 1986, 2001 und 2016 ist der Ort nun bereits zum vierten Mal stolzer Gastgeber. Als einer von drei Trachtenvereinen der Gemeinde Rettenberg wurde der Verein 1926 gegründet. Unter dem Leitspruch „Sitt und Tracht der Alten, wollen wir erhalten“ setzen sich die Mitglieder seither für den Erhalt und die Pflege des Allgäuer Brauchtums ein.

Über das gesamte Jahr hinweg stehen für die Jugend- und Aktivgruppe zahlreiche Auftritte und Arbeitseinsätze auf dem Programm. Sie wirken bei Veranstaltungen in der Gemeinde mit, nehmen an Festumzügen teil und beteiligen sich an kirchlichen Anlässen, wie beispielsweise der Fronleichnamsprozession. Darüber hinaus organisieren die Heimatabende mit Bewirtung und Dorffeste.

Der GTEV Grüntebuebe Kranzegg ist der größte Verein im Allgäuer Gauverband und zählt derzeit ca. 350 Mitglieder, davon ca. 30 aktive Plattler und 65 Kinder in der Jugendgruppe. Seit 2017 wird der Verein von Peter Wolf als 1. Vorstand geführt. Ein Fest dieser Größe ist eine Gemeinschaftsleistung: Neben dem Ausschuss und den aktiven Mitgliedern, die das Fundament unseres Vereins bilden, sorgen unzählige passive Mitglieder und freiwillige Helfer mit ihrem unermüdlichen Einsatz dafür, dass dieses Fest ein voller Erfolg wird!

Zur Vereinsgeschichte

Auf Wunsch einiger Trachtenbegeisterter kam im Februar 1926 der Vorstand des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins „D’Älpler“ Immenstadt nach Kranzegg. Einige Kranzegger fanden auf Anhieb Gefallen am Schuhplatteln und entschlossen sich, vorerst ein Zweigverein der „Älpler“ zu werden. Es wurden wöchentlich Plattlerproben abgehalten, und schon im Mai nahmen 17 Mitglieder zusammen mit den Immenstädtern am Gaufest in Nesselwang teil, bei dem sie direkt den Meistpreis errangen. An der ersten Generalversammlung am 4. September 1926 wurde schließlich der Wunsch laut, sich selbstständig zu machen. Nach den darauffolgenden Neuwahlen einigte man sich eine Woche später bei einer Mitgliederversammlung auf den Vereinsnamen Gebirgstrachten-Erhaltungsverein „D’Grüntebaum“. Schon im Gründungsjahr konnte der Verein eine stattliche Anzahl von 30 Mitgliedern verzeichnen.

Im Jahre 1932 entschloss sich der Verein zur Anschaffung einer Vereinsfahne. Die Kosten hierfür betrugen 500 Mark, was in der damaligen Zeit ein großes finanzielles Opfer bedeutete. Die Fahnenweihe fand Pfarrkirche Rettenberg statt. Die Patenschaft übernahm der Gebirgstrachtenverein „D’Älpler“ Immenstadt. Bis zum Jahre 1939, als der unheilvolle Zweite Weltkrieg begann, trugen die Trachtler viel zum Erhalt der Tracht und des Brauchtums bei. Von 1939 bis 1945 ruhte das Vereinsleben, da die meisten Mitglieder zum aktiven Wehrdienst einberufen wurden. Acht Plattler kehrten aus dem grausamen Krieg nicht mehr heim.

Als 1945 die ersten Heimkehrer aus dem Krieg und der Gefangenschaft zurückkamen, setzten sie alles in Bewegung, um den Trachtenverein wieder zum Leben zu erwecken. Trotz der schwierigen Bedingungen und der Auflagen der amerikanischen Militärregierung gelang es, die Genehmigung für den Verein zu erhalten, der nun offiziell in Gebirgstrachtenverein „Grüntebuebe“ Kranzegg umbenannt wurde. In den kommenden Jahren wurde das Vereinsleben immer vielseitiger. Zum 25-jährigen Jubiläum im Jahr 1951 trat zum ersten Mal die neu gegründete Jugendgruppe auf, 1957 folgte eine Jodlergruppe, und 1964 wurden drei Alphörner angeschafft, die sich bei den Zuhörern bis heute größter Beliebtheit erfreuen.

Am 18. September 1976 wurde das 50-jährige Vereinsjubiläum mit 15 Gründungsmitgliedern, allen Mitgliedern, Freunden, dem Gauverband sowie dem Patenverein im Mohrensaal in Kranzegg gefeiert. Zehn Jahre später, 1986, fand das 60-jährige Jubiläum in Verbindung mit dem Allgäuer Gautrachtenfest statt. Es war die wohl größte Herausforderung für die Verantwortlichen seit der Vereinsgründung. Allein am Festumzug nahmen 83 Gruppen, Musikkapellen und Festwagen teil.

Ende der 80er-Jahre standen die Grüntebuebe vor einem Raumproblem: Der Mohrensaal wurde für die wachsende Plattlergruppe zu klein. Der Verein wich zunächst in die ehemalige Sennerei aus, die in unzähligen freiwilligen Arbeitsstunden hergerichtet wurde. Nach elf Jahren zwang jedoch der Immobilienmarkt zur Aufgabe dieser Räumlichkeiten. Nach zähen Verhandlungen stellte die Gemeinde dem Trachtenverein schließlich einen großen Raum im Obergeschoss des neuen Bauhofs zur Verfügung. Dort errichteten die Mitglieder im Jahr 2001 mit viel Eigenleistung ihr neues Vereinsheim, das bis heute Bestand hat.

Gekrönt wurde das Jahr 2001 vom 75-jährigen Vereinsjubiläum. Zu diesem besonderen Anlass luden die Grüntebuebe zum zweiten Mal zum Allgäuer Gautrachtenfest ein – ein Fest mit Brauchtum, Musik und Gemeinschaft, das die Erfolgsgeschichte des Vereins eindrucksvoll fortschrieb.

In den darauffolgenden Jahren folgten zahlreiche überregionale Auftritte, wie beispielsweise auf dem Münchener Oktoberfest, dem Straubinger Gäubodenvolksfest oder auch bei der Internationalen Grünen Woche in Berlin. Als stolzer, großer Verein richteten die Kranzegger im Jahr 2016 bereits zum dritten Mal das Gautrachtenfest aus – bei schönstem Wetter und einer fantastischen Stimmung. Schon damals stand fest: Im Jahr 2026 wollen wir das 100-jährige Bestehen wieder im ganz großen Rahmen feiern. Umso schöner ist es, dass dieses Vorhaben nun in die Tat umgesetzt wird!

Das Festprogramm

Im Festzelt in Kranzegg startet das Rahmenprogramm am Donnerstag, 06.08., ab 19:00 Uhr mit einem Tanzabend. Für Unterhaltung sorgen die Musikkapelle Vorderburg und die Gruppe Alpensound. Am Freitag, 07.08., findet ab 19:00 Uhr der Festheimatabend statt. Es wird ein abwechslungsreiches Programm mit Plattlern, der Jodlergruppe Rettenberg und der Musikkapelle Rettenberg geboten. Im Anschluss spielen die Katzebachtel Musikanten zum Tanz auf. Am Samstag, 08.08., spielen ab 19:00 Uhr die Holzschuah Buebe, bevor die Allgäu Feager für Stimmung sorgen. Der Festsonntag, 09.08., startet mit einem Weckruf um 06:00 Uhr durch die Alphornbläser, die am sogenannten Sängerstein über Kranzegg diesen besonderen Tag einläuten sowie den Böllerschützen, die mit ihren Salutschüssen den Festtag weithin hörbar eröffnen. Der Festgottesdienst findet um 09:00 Uhr statt, gefolgt von einem zünftigen Frühschoppen mit Ehrentänzen der Jugendgruppen, bevor um 13:30 Uhr der Festumzug startet. Hierzu werden über 100 Gruppen, Musikkapellen und Festwägen mit insgesamt 3500 Teilnehmern erwartet. Nach dem Umzug sorgt die Harmoniemusik Untermaiselstein-Rottach für gute Laune im Zelt und auf einer eigenen Bühne werden sich verschiedene Vereine aus dem Gauverband präsentieren und ihre Platter zeigen. Zum Abschluss des viertägigen Festes spielt das „Solzstroß Quintett“ zum Festausklang.

Bericht und Bilder: Annika Achberger


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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