Mit einem eindrucksvollen Konzert in der Spitalkirche St. Johannes eröffnete die Capella dell’halla mit Tenor Matúš Šimko, Martin Bolterauer auf dem Zink und Robert Schlegl, Alexander Brungert und Tural Ismayilov auf den verschiedenen Registern der Barockposaunen am Freitag das Zeitklang-Festival im Rahmen der Feierlichkeiten zum 525-jährigen Bestehen des Klosterhofs. Ensemblegründer und Leiter Robert Schlegl führte die Zuhörer durch Musik des 16. bis 18. Jahrhunderts und stellte dabei immer wieder Bezüge zur Geschichte Bad Reichenhalls her.
Den Auftakt bildete die „Fanfare l’homme armé“ des zeitgenössischen Komponisten Marnix de Cat. Zwei Posaunen und Tambourin zogen musizierend durch den Kirchenraum und schufen einen klangvollen Einstieg. Anschließend standen Landschaft und Heimat im Mittelpunkt. Ludwig Senfls Lied „Zwischen Berg und tiefem Tal“ sowie vierstimmige Instrumental-Motetten von Heinrich Isaac und Senfl ließen die Natur der Region musikalisch lebendig werden.
Lebensfreude vermittelte Isaacs Lied mit den lautmalerischen Silben „La la hö hö“, dessen wiederkehrendes Bassmotiv von den Oberstimmen aufgegriffen wurde. Nach dem Frühlingslied „Im Maien“ wechselte das Programm zum Thema Krieg und Konflikt. Werke wie „Battaglia Tagliano“ von Matthias Werrecore oder „La Guerre“ von Clément Janequin schilderten musikalisch das Kriegsgeschehen, das auch die Geschicke der Region geprägt hat. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Verbindungen zwischen Menschen und Kulturen. Dazu erklang Heinrich Isaacs berühmtes Lied „Innsbruck, ich muss dich lassen“ sowie das Kyrie aus seiner „Missa carminum“, der „Lieder-Messe“. Schlegl erläuterte dabei die Technik der sogenannten Parodie, bei der ein weltliches Lied – hier über Innsbruck – mit dem geistlichem Text zum Kyrie neu gedeutet wurde.
Mit dem Vokalwerk „Petrus Apostolus und Paulus“ erinnerte das Ensemble an Peter Guetfreund, den früheren Salzburger Hofkapellmeister und Amtsvorgänger des Bad Reichenhaller Komponisten Andreas Hofer. Besondere Aufmerksamkeit erhielt Percussionist Tobias Steinberger. In einem virtuosen Solo auf der Rahmentrommel und weiteren Schlaginstrumenten leitete er mit Händen und Füßen und einer erstaunlichen Vielfalt an Klängen und Rhythmen – von marschierenden Soldaten bis zu filigranen Klangmustern Clément Janequins „La Guerre“ („Der Krieg“) ein, bevor Robert Schlegl und Georg Nagler die Besucher mit Klangpunkten auf dem Alphorn zum Festabend in die Eichenallee vor dem Klosterhof geleiteten.
Dieses musikwissenschaftlich sorgfältig zusammengestellte Programm des Eröffnungskonzerts, das die Klangwelt der Renaissance und die Entstehungszeit des Klosterhofs um 1500 eindrucksvoll nachzeichnete, wurde so weit mehr als eine historische Aufführung: Es verband Musik, Geschichte und regionale Identität zu einer lebendigen Zeitreise, die den Auftakt der Jubiläumsfeierlichkeiten würdig prägte.
Klangvolle Vielfalt italienischer Renaissance in der Ägidikirche
Das zweite Konzert des Zeitklang-Festivals in der Ägidikirche eröffnete den Zuhörern faszinierende Einblicke in die musikalische Welt des 17. Jahrhunderts. Mit ihrer stilistisch differenzierten Interpretation machten die Musiker der Capella dell’halla die Klangsprache jener Epoche lebendig – von kunstvoller Mehrchörigkeit über virtuose Diminutionen bis hin zu fein nuancierten Klangfarben. So wurde deutlich, aus welchem reichen musikalischen „Stiluniversum“ Komponisten wie Andreas Hofer und Joseph Joachim Benedikt Münster – Werke von ihnen erklangen im dritten Konzert (Bericht folgt) – schöpften und wie eng die europäische Musiklandschaft jener Zeit miteinander vernetzt war.
Die Werke in St. Ägid waren etwa 100 Jahre später entstanden als diejenigen des Vortages. Matyas Houf musizierte auf seinem Zink bei „La Golferamma“ von Nicoló Corradini von der Kanzel aus und spielte mit Echowirkung und abwechselnder Imitation mit dem Ensemble. Das in der Renaissance übliche langsame Tremolo bei langen Tönen mit an- und abschwellendem Klang und sanftem Pulsieren der Atemluft war gut bei Girolamo Frescobaldis „Canon prima à 3“ auf der Posaune zu hören.
Die vier Musiker spielten in unterschiedlichen Konstellationen – als Solo (Orgel), im Duett, Trio oder Quartett, zum Beispiel bei „La Gioia“ (Die Freude) von Giovanni Martino Cesare – Werke von Giovanni Picchi, Thomas Luis de Victoria, Andrea Gabrieli und Dario Castello, ebenso wie von Girolamo dalla Casa und Giovanni Pierluigi Palestrina, deren Motetten von Komponistenkollegen mit einer Variationstechnik mit Diminutionen ergänzt worden waren. Dabei „zerkleinerten“ sie die langen Notenwerte des Cantus firmus (Melodie) in viele schnelle, kürzere Töne.
Dieses Konzert verband musikwissenschaftliche Entdeckungen mit eindrucksvollen Hörerlebnissen und ließ die Ägidikirche zu einem Resonanzraum vergangener Klangwelten werden.
Bericht und Fotos: Brigitte Janoschka
8679: Capella dell’halla mit Martin Bolterauer, Zink, Robert Schlegl, Barockposaune, Tobias Steinberger, Percussion, Matúš Šimko, Tenor, Alexander Brungert und Tural Ismayilov, Barockposaunen in der Johannes Spitalkirche St. Johannes
8681: Der „Trommler“ Tobias Steinberger war einer von sechs Musikern in der Spitalkirche St. Johannes, die das Jubiläumsfest 525 Jahre Klosterhof einläuteten.
8684: Langer Applaus für Robert Schlegl, Martin Bolterauer, Tobias Steinberger, Matúš Šimko, Alexander Brungert und Tural Ismayilov
8801: Ägidikirche (von links): Matyas Houf auf einer akustischen Kopie aus dem 3-D-Drucker eines Originalzinks, Matthijs Lunenburg, Zink, Marian Polin an der Truhenorgel und Robert Schlegl, Barockposaune.
8810: Viel Applaus gab es für die Capella dell’halla mit Robert Schlegl, Matthijs Lunenburg, Marian Polin und Matyas Houf








