Wie Musik lebendig, greifbar und spannend werden kann, erlebten kürzlich 15 Kinder im Haus der Kultur in Ainring. Unter der Leitung der Vorsitzenden des Kulturvereins, Erika Emans, begaben sie sich auf eine musikalische Entdeckungsreise rund um Franz Schuberts berühmtes „Forellenquintett“. Mit einem durchdachten Konzept aus Singen, Bewegung, Zuhören und kreativem Gestalten wurden die jungen Teilnehmer spielerisch an klassische Musik herangeführt.
Ausgangspunkt der erlebnisreichen Musikstunde war das bekannte Lied „Die Forelle“. Erika Emans und Regina Winkler sangen es mit den Kindern, begleitet vom AroC-Quintett mit Cora Stiehler (Violine), Thorsten Köpke (Viola), Julia Ammerer-Simma (Violoncello), Christian Junger (Kontrabass) und Olga Hahn (Klavier). Mit viel Bewegung und Fantasie näherten sich die Kinder anschließend dem Variationensatz des Forellenquintetts. Ein Kreistanz mit Hüpfen, Klatschen und rhythmischen Schritten ließ die Musik körperlich erfahrbar werden. Durch das Ziehen von Losen mit Fisch- und Wassersymbolen sowie das Erraten der musikalischen Rollen einzelner Instrumente lernten die Kinder die Klangsprache Schuberts kennen. Besonders spannend war es, den Instrumenten aus nächster Nähe zu lauschen und herauszufinden, welches die fließenden Bewegungen des Wassers und welches die Melodie des Fischleins verkörpert.
Da die musikalischen Aufgaben der Instrumente in den Variationen immer wieder wechseln, blieben die jungen Zuhörer ständig in Bewegung und aufmerksam. Ihre Höreindrücke hielten sie anschließend kreativ fest: Auf Arbeitsblättern mit den Abbildungen aller fünf Instrumente zeichneten sie mit Farben und Linien ihre Vorstellungen und Empfindungen zur Musik. Den Höhepunkt des Projekttages bildete die kreative Umsetzung der Musik auf Leinwand. Unter Anleitung der Lehrkraft Barbara Scheuerl entstanden mithilfe der Farbschütt-Technik farbenfrohe Kunstwerke. Die Kinder hatten diese besondere Maltechnik bereits am Vormittag gemeinsam mit Barbara Scheuerl und Regina Winkler kennengelernt und konnten ihre musikalischen Eindrücke nun in individuelle Bilder verwandeln.
Das Projekt machte eindrucksvoll deutlich, wie nachhaltig klassische Musik wirken kann, wenn Kinder sie mit allen Sinnen erleben dürfen. Die Verbindung von Musik, Bewegung und Kunst verwandelte Schuberts Forelle in ein lebendiges Abenteuer und hinterließ bei den jungen Teilnehmern sicherlich bleibende Eindrücke.
Rhapsodische Erzählungen aus mehreren Epochen
Bestens vorbereitet verfolgten die Kinder am Abend das Konzert „Rhapsodie in Five“ des AroC-Quintetts mit großer Aufmerksamkeit. Ihre Kunstwerke wurden auf Staffeleien präsentiert und fanden bei den zahlreichen Konzertbesuchern große Bewunderung. Eine besondere Ehre wurde den jungen Teilnehmern zuteil, als sie gemeinsam mit Erika Emans das Publikum mit dem Forellenlied begrüßten. Im Mittelpunkt des Konzerts stand Franz Schuberts Forellenquintett, dessen vierter Satz auf jenem bekannten Forellen-Lied basiert. Olga Hahn führte als Moderatorin mit wissenswerten Details durch das Programm. Das Quintett musizierte in vollkommener Harmonie miteinander und ließ in allen Werken fantasievoll, feinfühlig und virtuos die dahinter liegenden musikalischen Geschichten aufblitzen.
Bereits im ersten Satz des Forellen-Quintetts erzeugte das Klavier eine spannungsvolle Erwartungshaltung, bevor sich die eingängige Themenwelt des Werkes entfaltete. Der berühmte Variationensatz zeigte eindrucksvoll das Wandern der Hauptmelodie durch die Instrumente. Das temperamentvolle Finale, das auf einem deutschen Volkstanz beruht, verband volksmusikalische Elemente mit der Raffinesse klassischer Kammermusik. Mit George Gershwins „Rhapsody in Blue“ folgte ein Kontrast zu Jazz, Blues und klassischer Sinfonik, die zu einem energiegeladenen Klanggemälde verschmolzen. Die speziell für das AroC-Quintett angefertigte Bearbeitung des Bukarester Komponisten Jean Dobrinescu stellte insbesondere die virtuose Meisterschaft von Pianistin Olga Hahn eindrucksvoll unter Beweis. Den berühmten Eröffnungsaufstieg – im Original ein Tonleiterglissando auf der Klarinette – übernahm dabei Bratschist Thorsten Köpke mit großer Ausdruckskraft.
Temperamentvoll und lebensfroh erklang anschließend George Enescus „Rumänische Rhapsodie Nr. 1“. Die lockere Aneinanderreihung folkloristischer Themen wurde vom Ensemble mit großer Spielfreude präsentiert. Besonders Cora Stiehler und Olga Hahn, die beide in Rumänien geboren wurden, verliehen dem Werk mit ihrer Herkunft und musikalischen Leidenschaft eine besondere Authentizität. Der lang anhaltende Applaus zeigte, wie sehr das Konzert die Zuhörer begeisterte. Mit einem Ausschnitt aus dem Forellenquintett verabschiedete sich das AroC-Quintett schließlich von seinem Publikum.
Bericht und Bilder: Brigitte Janoschka
* Die Kinder hören dem AroC-Quintett aufmerksam zu.
* Fantasievolle Kunstwerke entstehen.
* Begeisterten Applaus gab es für Cora Stiehler, Olga Hahn, Thorsten Köpke, Julia Ammerer-Simma und Christian Junger.
* Das AroC-Quintett begeisterte mit dem Forellenquintett und zwei Rhapsodien.








