Kardinal Reinhard Marx hat die Notwendigkeit betont, caritatives Handeln und theologisches Denken miteinander zu verschränken. „Ohne den Blick auf den Menschen können wir nicht Kirche sein, können wir nicht theologisch denken“, so der Erzbischof von München und Freising am Freitagvormittag, 19. Juni, bei einer Podiumsdiskussion der Katholischen Stiftungshochschule München (KSH). Diese fand im Rahmen der zweitägigen Veranstaltung „Crossing Perspectives: Werkstattgespräch Theologie # Soziale Arbeit“ zum Thema „Was bringt die Soziale Arbeit der Theologie?“ an der KSH in München statt.
„Wir müssen neu und vertieft nachdenken über das Verhältnis von Caritas und Theologie. Diese Verbindung ist für mich unverzichtbar“, erklärte der Kardinal im Gespräch und fügte hinzu: „Auch für Jesus war klar: Verkündigung und Heilung gehen immer zusammen, und das bezieht sich auf den Leib und auf die Seele.“ Der Erzbischof ging im Rahmen der Diskussion auch auf die Herausforderung ein, in Zeiten sinkender Kirchenmitgliedszahlen die caritative Arbeit auf Ebene der Pfarreien zu verankern: „Die Zukunft des Christentums wird davon abhängen, ob dieses Element bei uns lebendig bleibt. Wir überlegen genau, wie wir das auch in die sich verändernden lokalen Strukturen integrieren können.“ Er kündigte an: „Wir möchten die Zusammenarbeit zwischen Pfarreien, der lebendigen Kirche und der Caritas noch stärker in den Blick nehmen.“ Als gelungenes Beispiel nannte er die Arbeit zahlreicher Ehrenamtlicher auf Pfarreiebene in der Flüchtlingsarbeit, „ohne deren Hilfe es heute ganz anders aussähe. Das haben die Engagierten vor Ort gestemmt.“
Es sei nicht nur wichtig zu erkennen, so Marx, dass caritatives Handeln durch theologische Überzeugungen motiviert sei, sondern dass die Erkenntnisse aus der caritativen Arbeit auch eine wichtige Grundlage für das christliche Nachdenken über den Menschen darstellten. Denn „ohne den Blick auf die Realität, auf die Welt, fehlt der Theologie eine wichtige Erkenntnisquelle“. Das bedeute nicht, dem Zeitgeist hinterherzurennen, sondern „zu unterscheiden: Was ist der Zeitgeist, was ist nur Mode? Und was ist ein Zeichen der Zeit, aus dem wir lernen müssen zu erkennen, dass uns der Geist Gottes hinweist auf eine neue Realität“, stellte der Erzbischof klar.
Kardinal Marx kam in der Diskussionsrunde mit Paulina Hauser, Sozialethikerin, Theologin und Referentin beim Caritasverband in Berlin, und Johannes Haeffner, Lehrstuhlinhaber für Diakonik an der Evangelischen Hochschule Nürnberg, ins Gespräch. Moderiert wurde das Panel von Annemarie Schubert, Fachreferentin für das Freiwillige Soziale Jahr in der Erzdiözese München und Freising. (fho)
Bericht: Erzbischöfliches Ordinariat – Archiv-Foto: Hötzelsperger



