Kirche

Fronleichnams-Predigt von Kardinal Marx

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Kardinal Marx: „Wir Menschen müssen entscheiden!“   – Der Erzbischof von München und Freising würdigt in Predigt zu Fronleichnam die Enzyklika von Papst Leo. 

Kardinal Reinhard Marx hat zu Fronleichnam die erste Enzyklika von Papst Leo XIV. zur Herausforderung der Künstlichen Intelligenz gewürdigt und hervorgehoben, dass die neue Technologie darin „nicht als schlecht angesehen“ werde.

„Die Technik, die uns geschenkt wird, ist immer eine Möglichkeit. Das bedeutet aber: Wir Menschen müssen entscheiden! Das geht nur in einer offenen, freien Gesellschaft, in die alle ihre Meinung einbringen. In der nicht nur einige wenige ihren Profitinteressen folgen oder ihren Menschheitsfantasien, sondern in der wir in einer demokratischen und offenen Weise miteinander Regeln finden, wie dieses Instrument auch den Menschen dienen kann“, sagte der Erzbischof von München und Freising in seiner Predigt am Donnerstagvormittag, 4. Juni, auf dem Marienplatz in München.

In seiner Botschaft sei der Papst „sehr klar“, so Marx: “Er spricht in seiner Enzyklika Magnifica Humanitas zwar nicht von der offenen Gesellschaft. Aber was er sagt, ist im Grunde nichts anderes: Wir müssen miteinander reden! Wir brauchen den Dialog! Wir brauchen Regeln! Wir brauchen die Erkenntnis, welche Folgen die neue Technologie für die Zukunft der Menschheit hat. Wir sind eine Gemeinschaft, die zusammengehört – hier in dieser Stadt, in unserem Land, weltweit!“ Die Worte des Papstes seien in den Medien und in den Sozialen Netzwerken groß aufgenommen worden, unterstrich der Kardinal und betonte: „Der Mensch ist nicht nur eine Datenbasis, die optimiert wird. Der Mensch ist etwas anderes. Künstliche Intelligenz kann in einzelnen Bereichen intelligenter sein als wir. Aber sie ist kein Mensch! Sie kann von sich aus nicht zwischen Gut und Böse unterscheiden. Das wird von außen in sie hineingegeben. Der Papst ist da sehr deutlich!“ Für diesen sei der rote Faden der Katholischen Soziallehre, so Marx, wie die technologischen Entdeckungen den Menschen dienen können. Es gehe nicht darum, „einfach nur mehr zu besitzen, mehr zu verbrauchen, mehr zu polarisieren, und am Ende setzt sich der Stärkere durch. Das ist nicht das Ziel unserer Gesellschaft!“

Zugleich warnte Kardinal Marx in seiner Predigt vor dem Rückfall in „alte Schablone und Vorurteile“: „Eine offene Gesellschaft kann nicht nur eine Meinung haben, nicht nur eine Weltanschauung. Sonst fallen wir zurück in die Diktatur und in eine Gesellschaft, in der einige wenige bestimmen, was wir tun sollen. Das können wir, auch vom christlichen Glauben her, nicht wollen.“ Die Freiheit des Einzelnen sei das große Geschenk Gottes an die Menschen, erklärte er. Deswegen sei es wichtig, das in diesem Augenblick, jetzt und hier, wahrzunehmen und sich daran zu erinnern: „Woher kommen wir? Aus den Katastrophen des 20. Jahrhunderts, in die wir nicht zurückfallen wollen.“ Die Erinnerung werde in allen totalitären und populistischen Regimen weltweit verfälscht, die Geschichte verdreht. Es gebe aber nicht nur die eine Wahrheit der Geschichte: „Diese entsteht immer dann, wenn wir miteinander reden und unsere Erfahrung austauschen, aber nicht, wenn einer nur seine Meinung durchsetzt. Das ist kein Weg in das verheißene Land. So kommen wir nicht in den Auftrag und in die Sendung hinein, das zu tun, was notwendig ist.“

Mehr als 10.000 Menschen kamen zum Gottesdienst auf dem Münchner Marienplatz und zur anschließenden Fronleichnamsprozession, die vom Marienplatz über die Residenzstraße zur Ludwigskirche und über die Ludwig- und Theatinerstraße zurück zum Marienplatz führte. Fronleichnam wurde 1264 von Papst Urban IV. zum offiziellen kirchlichen Fest erklärt. Der Begriff „Fronleichnam“ stammt aus dem Mittelhochdeutschen: „fron“ bedeutet „Herr“ und „lichnam“ meint den lebendigen Leib. (hor)

Bericht: Erzbischöfliches Ordinariat – Foto: Hötzelsperger 

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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