Kultur

Salzburger Hofmusik in Ainring

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Mit Tanzmusik aus drei Jahrhunderten begeisterte die Salzburger Hofmusik unter der Leitung von Professor Wolfgang Brunner erneut ihr Publikum im neuen Kulturhof Ainring. Obwohl der Baufortschritt des Veranstaltungsortes bereits deutlich sichtbar ist, befindet sich das Gebäude noch immer in der Fertigstellung. Wie schon bei der Eröffnung im September 2025 zeigte sich jedoch, dass die Kraft der Musik die noch unvollendete Kulisse mühelos vergessen lässt.

Den Auftakt bildete der „Salzburger Gruß“ aus dem 17. Jahrhundert von Ignaz Franz Biber, der oft als „Paganini des Barock“ bezeichnet wird. Authentisch unterstrichen wurde die Musik durch die historischen Instrumente des Ensembles: ein zweimanualiges Cembalo mit kunstvoll bemalter Deckelinnenseite und ein Hammerflügel aus dem Jahr 1810, gespielt von Wolfgang Brunner, sowie Traversflöte (Eva Ivanova-Dyatlova), Barockviolinen (Florian Moser, Kamile Kubiliute), Viola (Maria Galkina), Violoncello (Angelika Miklin) und Kontrabass (Roberto di Ronza). Die mit Darmsaiten bespannten Streichinstrumente und die historische Spielweise verliehen dem Klangbild besondere Wärme und Farbigkeit.

Das Programm stand ganz im Zeichen des Tanzes. Wolfgang Brunner erinnerte dabei an ein Zitat des Kirchenlehrers Augustinus: „Mensch, lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel nichts mit dir anzufangen.“ Besonders eindrucksvoll erklang Johann Sebastian Bachs Orchestersuite h-Moll mit ihren abwechslungsreichen Tanzsätzen. Die Solistin Eva Ivanova-Dyatlova überzeugte auf der Traversflöte mit feinem Gespür für die unterschiedlichen Charaktere von Rondeau, Sarabande, Bourrée, Polonaise und Menuett. Höhepunkt war die temperamentvoll und virtuos vorgetragene „Badinerie“, die mit begeistertem Beifall aufgenommen wurde.

Mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart und Franz Schubert führte die Hofmusik das Publikum anschließend in die Epoche der Klassik. Dabei schienen bisweilen vertraute Opernmelodien durch die Tanzmusik hindurch. Für einen besonderen Moment sorgte Wolfgang Brunner, als er bei einem Stück selbst zum Tambourin griff und die Musikerinnen und Musiker wie einen Spielmannszug in die Pause führte.

Nach der Pause rückte der Hammerflügel aus der Zeit Franz Schuberts in den Mittelpunkt. Brunner stellte das historische Instrument vor und interpretierte dessen Tanzstücke mit großer Ausdruckskraft. Jedes Werk entfaltete dabei seinen eigenen Charakter – mal temperamentvoll und virtuos, mal sanft und walzerartig. Eine Mazurka leitete schließlich zu Frédéric Chopin und der Romantik über. Dabei präsentierte Brunner jene Fassungen, die gemeinsam mit der Sängerin, Pianistin und Komponistin Pauline Viardot entstanden waren. Ihre Bearbeitungen verleihen den Mazurken sowohl eine vokale Dimension auf Französisch und Deutsch, also auch einen virtuoseren Aspekt mit Kadenzen und Verzierungen und eröffnen neue Ausdrucksmöglichkeiten.

Die Sopranistin Emma Kindinger begeisterte mit deren Interpretation mit ihrem kristallklaren Sopran und verlieh ihnen in den Fassungen Pauline Viardots eine besondere Leuchtkraft. Ausdrucksstark gestaltete sie auch die Bach-Arie „Ich folge dir gleichfalls mit freudigen Schritten“ aus der Johannespassion. Mit dem Konzertwalzer „Frühlingsstimmen“ für Koloratursopran und Instrumentalensemble von Johann Strauss meisterte sie zudem eine anspruchsvolle Koloraturpartie mit herausragender technischer Sicherheit und Musikalität.

Langanhaltenden Applaus mit großem Jubel spendete das Publikum schließlich auch für die beiden Zugaben. Die schwungvolle „Tritsch-Tratsch-Polka“ sorgte ebenso für Begeisterung wie der humorvolle Foxtrott „Ich bin so unmusikalisch“, bei dem Emma Kindinger absichtlich „falsch“ singen musste – eine ebenso amüsante wie anspruchsvolle musikalische Leistung.

Musikalische Exzellenz, authentische Aufführungspraxis und spürbare Spielfreude ließen das facettenreiche Konzert der Salzburger Hofmusik im Kulturhof Ainring zu einem besonderen Erlebnis werden.

Bericht und Fotos: Brigitte Janoschka 

Fotos: 8361: Eva Ivanova-Dyatlova begeistert auf ihrer Traversflöte.

8427: Sopranistin Emma Kindinger setzt mit ihrem Koloratursopran Glanzpunkte.

8445: Begeisterter Applaus für die Salzburger Hofmusik (von links): Emma Kindinger, Eva Ivanova-Dyatlova, Wolfgang Brunner, Florian Moser, Maria Galkina, Angelika Miklin, Roberto di Ronza und Kamile Kubiliute

 

 

 

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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