Denn Biogas übernimmt eine zentrale Rolle für die künftige Energieversorgung: Als steuerbare erneuerbare Energie kann es insbesondere in Zeiten von Dunkelflauten verlässlich zur Strom- und Wärmeversorgung beitragen. Flexibilisierte Biogasanlagen könnten bis 2030 rund 12 Gigawatt und langfristig bis zu 24 Gigawatt gesicherte Leistung bereitstellen. Damit ist Biogas ein tragender Pfeiler der Versorgungssicherheit und zugleich eine echte Alternative zu teuren und unsicheren Gasimporten. Zudem stärkt Biogas die regionale Wertschöpfung und die Wirtschaftskraft im ländlichen Raum. Vor diesem Hintergrund ist es folgerichtig, dass die Länder fordern, Biogas in der Kraftwerksstrategie des Bundes zu verankern.
„Die Ulmer Erklärung setzt genau an den richtigen Stellschrauben an: mehr Ausschreibungsvolumen, echte Flexibilitätsanreize und verlässliche Perspektiven für bestehende Anlagen. Das entspricht eins zu eins unseren Forderungen“, betont Ely Eibisch, stellvertretender Präsident des BBV und Vorsitzender des Landesfachausschusses für erneuerbare Energie und nachwachsende Rohstoffe. „Jetzt braucht es keine weiteren Ankündigungen, sondern zügige Entscheidungen auf Bundesebene.“
In Bayern und Baden-Württemberg stehen rund 40 Prozent der deutschen Biogasanlagen. Gleichzeitig läuft in den kommenden Jahren für einen großen Teil dieser Anlagen die EEG-Förderung aus. Ohne neue wirtschaftliche Perspektiven droht ein massiver Rückbau dieser systemrelevanten Infrastruktur.
BBV-Forderungen decken sich mit Ulmer Erklärung
Die in der Ulmer Erklärung von Michaela Kaniber und Peter Hauk formulierten Maßnahmen greifen zentrale Forderungen des BBV und des Süddeutschen Biogasgipfels auf:
- Deutliche Erhöhung der Ausschreibungsvolumina: Nur so können bestehende Anlagen eine realistische Chance auf Weiterbetrieb erhalten.
- Stärkung der Flexibilisierung: Der Flexibilisierungszuschlag ist ein entscheidender Hebel, um Biogas bedarfsgerecht und marktorientiert einzusetzen.
- Anhebung der Bagatellgrenze auf 500 kW Bemessungsleistung: Bezogen auf die tatsächlich eingespeiste Jahresarbeit und je Anlagenstandort – nicht auf die installierte Leistung – um insbesondere kleinere und mittlere Bestandsanlagen wirtschaftlich abzusichern.
- Sicherer und schneller Netzzugang: Biogas muss seine Rolle als flexible, steuerbare Energiequelle voll entfalten können.
- Praxisgerechte Ausgestaltung der Rahmenbedingungen: Dazu gehört insbesondere eine Überprüfung restriktiver Vorgaben wie des Maisdeckels sowie die Weiterentwicklung von Regelungen für Güllekleinanlagen.
- Integration in die Kraftwerksstrategie: Biogas ist unverzichtbar für Versorgungssicherheit – gerade bei volatiler Stromerzeugung.
- Nationale Strategie für grüne Gase:Biogene Gase müssen gleichberechtigt neben Wasserstoff gedacht und gefördert werden.
Biogas ist Rückgrat der erneuerbaren Versorgung im ländlichen Raum
„Biogas ist die einzige erneuerbare Energie, die jederzeit steuerbar und verlässlich zur Verfügung steht. Diese Stärke wird bislang politisch nicht ausreichend genutzt“, so Eibisch. „Wenn wir Flexibilität wollen, müssen wir sie auch ermöglichen – mit passenden Rahmenbedingungen und wirtschaftlicher Planungssicherheit.“
Neben dem Beitrag zum Klimaschutz sichert Biogas Wertschöpfung im ländlichen Raum und eröffnet landwirtschaftlichen Betrieben zusätzliche Einkommensperspektiven.
Klare Erwartung an den Bund
Der Bayerische Bauernverband fordert die Bundesregierung – insbesondere das Bundeswirtschaftsministerium – auf, die Vorschläge der süddeutschen Länder vollständig aufzugreifen und zügig umzusetzen. „Wenn wir jetzt nicht handeln, verlieren wir funktionierende Anlagen und damit ein Stück Versorgungssicherheit. Biogas gehört ins Zentrum der Energiepolitik – nicht an den Rand“, fordert Eibisch.
Weiterführend:
- Völlig unzureichend: Biomassepaket 2.0 und Entwurf des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) 2027; Felßner und Eibisch diskutieren die Vorschläge mit Wirtschaftsminister Aiwanger
- EEG 2027: Politinfo
Bericht und Foto: BBV – BBV-Energiereferent Christian Bürger, die bayrische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und der schwäbische BBV-Präsident Stephan Bissinger (v. l.) beim ersten süddeutschen Biogasgipfel in Ulm am 4. Mai 2026.



