Solidarität & Lichtblicke

50 Jahr Feier Sozialwerk Neubeuern-Nußdorf-Törwang

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Vorausschauendes Handeln und ein ausgeprägter Gemeinsinn prägten die Mitglieder der Pfarrgemeinderäte des Pfarrverbandes Neubeuern–Nußdorf–Törwang bereits Mitte der 1970er-Jahre. Schon damals war ihnen die häusliche Pflege im sozialen Umfeld ein großes Anliegen. Nach intensiven Gesprächen reifte die Idee, einen Verein zu gründen, der Angehörige bei der Pflege von hilfsbedürftigen Menschen zu Hause unterstützt.

Die Gründungsversammlung fand am 14. Juli 1975 im Gasthof Vornberger in Altenbeuern statt. Im Rahmen einer gemeinsamen Sitzung der Pfarrgemeinderäte mit den Pfarrern Leo Hochreiter, Konrad Karl und Georg Blabsreiter trugen sich 39 Unterstützer in die erste Mitgliederliste ein. Sie berieten über Namen und Sitz des Vereins und beauftragten 14 Vertreter mit dem Aufbau des Sozialwerks. Von den damaligen Gründungsmitgliedern sind bis heute fünf dem Verein treu geblieben und können auf über 50 Jahre Mitgliedschaft zurückblicken: Rupert Poll (Neubeuern), Renate Stein (Nußdorf), Mathilde Auer (Samerberg), Renate Pröbstl (Nußdorf) und Hildegard Ettinger (Nußdorf).

Bereits am 23. Juli 1975 fand in Nußdorf die erste Vertreterversammlung statt. Delegierte aus den Pfarreien Neubeuern, Nußdorf und Törwang nahmen daran teil. Grundlage für die Vereinsarbeit bildete eine Mustersatzung des Caritasverbandes, die an die örtlichen Bedürfnisse angepasst wurde. Zudem wurde die erste Vorstandschaft gewählt: Alfons Börner wurde mit großer Mehrheit zum ersten Vorsitzenden bestimmt. Zu seinen ersten Amtshandlungen gehörte der Antrag auf Eintragung ins Vereinsregister, die am 21. Januar 1976 durch das Amtsgericht Rosenheim erfolgte.

Mit großem Engagement warb der Vorstand in allen Pfarrgemeinden um Mitglieder. Bereits ein Jahr später, im Juli 1976, zählte der Verein rund 200 Mitglieder. Heute sind es 522.Im September 1976 begann die praktische Arbeit: Die examinierte Schwester Therese Hollerauer nahm in Nußdorf und am Samerberg ihre Tätigkeit auf, während Anna Kirchner in Neubeuern tätig wurde. Das Sozialwerk etablierte sich rasch als verlässlicher Partner in der ambulanten Pflege und ist heute eine tragende Säule der Versorgung in den Gemeinden.

Bis heute werden pflegebedürftige Menschen unabhängig von Herkunft, Konfession oder Weltanschauung in ihrer gewohnten Umgebung betreut. Ziel ist es, Krankenhausaufenthalte zu verkürzen oder möglichst ganz zu vermeiden. Die Pflege erfolgt auf Grundlage ärztlicher Verordnungen oder bei anerkanntem Pflegegrad. Gleichzeitig erhalten Angehörige Beratung und Unterstützung in ihrer oft herausfordernden Aufgabe. Im Mittelpunkt steht dabei stets eine würdevolle und menschliche Betreuung.

Die Finanzierung erfolgt überwiegend über Leistungen der Krankenkassen. Darüber hinaus leisten Mitgliedsbeiträge sowie Spenden von Pfarreien, Gemeinden und privaten Unterstützern einen wichtigen Beitrag zur Deckung der Gesamtkosten.

Ein besonderer Dank gilt den zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern sowie den Verantwortlichen der ersten Jahre, insbesondere den Vorständen Alfons Börner und Renate Stein, die neben der Leitung auch umfangreiche Verwaltungsaufgaben übernahmen.

Die bisherigen Vorsitzenden des Vereins:

  • Alfons Börner (1975–1989)
  • Pfarrer Josef Reuder (1989–1994)
  • Pfarrer Georg Blabsreiter (1994–1997)
  • Renate Stein (1997–2009)
  • Dr. Michael Gierlinger (seit 2009)

Unter der Leitung von Pflegedienstleiterin Christine Schmidt betreut das Team derzeit mit 19 Pflegekräften über 160 Patientinnen und Patienten mit unterschiedlichen Krankheitsbildern und Pflegegraden. Zusätzlich nehmen mehr als 60 Angehörige das Beratungsangebot in Anspruch. Fachliche Kompetenz, Zuverlässigkeit und ein hohes Maß an sozialer Verantwortung zeichnen das Team aus. Dies wird regelmäßig durch den Medizinischen Dienst bestätigt – zuletzt im Jahr 2025 mit der Bestnote 1,0.

Das Zusammenspiel von Pflege, Beratung und Verwaltung erfolgt mit einem gemeinsamen Ziel: eine verlässliche Versorgung vor Ort. Was vor 50 Jahren begann, ist heute wichtiger denn je. Angesichts von Pflegenotstand, steigenden Kosten und strukturellen Herausforderungen im Gesundheitswesen leistet das Sozialwerk einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung in der Region. Neue Mitglieder sind jederzeit willkommen. Informationen und Anträge sind online unter www.christliches-sozialwerk-neubeuern.de, in der Geschäftsstelle in Nußdorf (Leonhardiweg 5a) sowie in den Gemeindeverwaltungen und Kirchen des Pfarrverbandes erhältlich.

Bericht und Bilder: Christliches Sozialwerk Neubeuern-Nußdorf-Törwang e.V.

Anhang: Plakat


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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