Kirche

Trauer um Schuhverkäuferin Marianne Ramsl

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Im Alter von 89 Jahren verstarb nach langer Krankheit und Jahren guter Pflege Daheim Marianne Ramsl aus Rain bei Wildenwart. Marianne Ramsl, geborene Strunz kam im Februar 1937 in Fürstenhut im Böhmerwald zur Welt und lebte dort, bis sie 1945 mit ihrer Familie vertrieben wurde.

Wie Enkelin Katrin bei der Trauerfeier mit Pater Livio in der Pfarrkirche „Christkönig“ in Wildenwart weiter erinnerte, musste sich 1945 die Mutter Maria mit Marianne und ihrer Schwester Rosa ohne ihren Mann auf den Weg nach Bayern machen, da dieser von Russland zum Kriegsdienst einberufen wurde. Erste Ankunftsstation in Bayern war ein Lager in Ziegelberg bei Rosenheim, von dort ging es zu einem zugewiesenen Quartier beim Mögel-Bauern in Vachendorf (damals Gemeinde Wildenwart, heute Gemeinde Prien). Bis zur Ausbildung als Schuhverkäuferin besuchte sie die Schule in Wildenwart, ihre Lehre begann sie in Mannheim/Neckarau bei Verwandten, die dort ein stattliches Schuhgeschäft führten.  Ihr Vater Franz kehrte Gott sei Dank wieder ziemlich unversehrt 1950 aus der Gefangenschaft in Russland zurück und bekam in Vachendorf ein Grundstück auf dem er mit wenigen Mitteln eine kleine Landwirtschaft  (Sachel) aufbauen konnte. Dorthin kam sie als stolze Gesellin zurück und fand in Prien beim Schuh Erhard eine Arbeitsstelle. In Prien lernte sie auch ihren späteren Mann Sepp näher kennen, der ja gar nicht weit von ihr in der Rainermühle wohnte und in Prien bei der Firma Löw noch eine Lehre als Elektroinstallateur machte, bevor er für 12 Monate zum Bundeswehrdienst nach Traunstein einberufen wurde. 1960 heirateten die Beiden schließlich in Birkenstein und übernahmen die ziemlich neu erbaute Mühle in Rain von den Schwiegereltern. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor und aus der Mühle entwickelten sich durch ständiges Anbauen und Ausbauen neue Geschäftsfelder. Marianne mästete zusammen mit ihrer Schwiegermutter in dem vom Schwiegervater errichteten Stall fortlaufend dreißig Schweine mit eigens in der Mühle hergestelltem Futter. Es gehörten auch 120 Hühner dazu, deren Eier dort zum Verkauf angeboten wurden. Der Landproduktehandel wuchs und bald wurden die Lagermöglichkeiten in der Rainermühle zu klein. Marianne und Sepp suchten nach einem Ausweg, und es wurde beschlossen ein Lager an der Bahn mit Gleisanschluss zu bauen. In Bernau fand sich ein Erbbaugrundstück von der Bahn, gegenüber vom Bahnhof bei der alten Torfverladerampe am Kapellenweg. 1975 war der Startschuss für die Eröffnung der neuen Zweigstelle, dem Lagerhaus Ramsl. Zunächst war die Hälfte des Gebäudes an das Unternehmen Kaffee Haag verpachtet, aber in der anderen Hälfte war nicht nur ein Lager, sondern die Bernauer bestanden darauf, dass dort auch ein Verkauf stattfand. So ergab sich für die Marianne ein neues Aufgabenfeld. Mit ihrem Sohn Seppi begann sie dort außer Landhandelsprodukte alles Mögliche zu verkaufen. Mehl und Futtermittel aus der Mühle gab es, Kunstdünger, Torf, Gartenerde, Gartenmöbel, Arbeitsgeräte und Bekleidung für Stall, Garten und Freizeit.  1988 wurde die zweite Hälfte der Lagerflächen und Büroräume frei – es wurde gar nicht lange überlegt und die Verkaufsfläche wurde ausgeweitet. Im Nu füllten sich die Regale nicht nur mit Gummistiefeln und Arbeitsschuhen, sondern mit allem, was der Markt an Schuhen hergab. Marianne war eine großartige Verkäuferin und ab 1989 bekam sie im Schuhverkauf von ihrer Tochter Maria Unterstützung. Somit baute sich der Schuhhandel zu einem der beliebtesten Schuhhäuser in der Region weiter aus.

Im Jahr 2000 übergaben die Großeltern die Geschäfte an ihre Kinder. Oma als Seniorchefin sorgte weiterhin für das leibliche Wohl der Angestellten im Lager- und Schuhhaus. Nach 6 Jahren zog sie sich langsam zurück und kümmerte sich zu Hause in Rain liebevoll um die ganze Familie. Marianne Ramsl war eine sehr gläubige Frau, die im Gebet und Gesang ihren Dank, Lobpreis und ihre Fürbitten darbrachte. Besonders die Mutter Gottes wurde von ihr verehrt. Zur Trauerfeier in der Wildenwarter Pfarrkirche sang der Wildenwarter Kirchenchor.

Sterbefoto: Marianne Ramsl aus Rain bei Wildenwart, die langjährige Schuhverkäuferin von Bernau verstarb im Alter von 89 Jahren

Foto: Hötzelsperger – Geschäft Ramsl in Bernau a. Chiemsee


Redaktion

Toni Hötzelsperger

Beiträge und Fotos sind urheberrechtlich geschützt!