Ein ganzes Jahrhundert voller Leidenschaft, sportlicher Meilensteine und unerschütterlicher Gemeinschaft: Der TSV Kirchenlaibach-Speichersdorf hat mit einem denkwürdigen Festwochenende sein 100-jähriges Vereinsjubiläum gefeiert. Vom Eröffnungsspiel am Mittwoch bis zur großen Fußballparty am Sonntag verwandelte sich das Sportgelände an der Jahnstraße in eine Feiermeile, die eindrucksvoll bewies, was den Verein seit 1926 im Kern zusammenhält: ein außergewöhnlicher, Generationen überdauernder Teamgeist.
„Ihr seid die Kronjuwelen des Vereins“
Der absolute Höhepunkt der Jubiläumstage war der feierliche Festkommers und Ehrenabend im vollbesetzten Festzelt. In seiner emotionalen Festrede spannte der Vorsitzende Manfred Porsch den Bogen von den schwierigen Anfängen acht Jahre nach dem Ersten Weltkrieg bis hin zum modernen Großverein der Gegenwart mit 1000 Mitgliedern in zehn Abteilungen. „Der TSV ist ganz schön alt geworden, aber unglaublich jung geblieben!“, rief Porsch sichtlich stolz den Gästen zu. Er betonte, dass die Geschichte des Vereins von Menschen geprägt wurde, die sich unter dem Leitspruch „Sport ist im Verein am schönsten“ engagierten. „Ohne euch wären die gesellschaftlichen Herausforderungen nicht zu bewältigen. Ohne euch würde es nicht gehen“, dankte der Vorsitzende den zahllosen ehrenamtlichen Helfern. Ein besonderer Meilenstein der jüngeren Vergangenheit war dabei der immense finanzielle Kraftakt rund um den Umbau und die Sanierung des Sportheims sowie der Spielplätze in den Jahren nach 2020, der nur durch Spenden, Zuschüsse und enorme Eigenleistung gestemmt werden konnte.
In einem monumentalen Mammutprojekt „Neue Vereinschronik“, die pünktlich zum Festabend stolz präsentiert werden konnte, wurde im Vorfeld das Jahrhundert Vereinsgeschichte für die Ewigkeit dokumentiert. Von der ersten Recherche über das Layout bis hin zum finalen Druck war es ein emotionaler Kraftakt aus purer Leidenschaft für den TSV. In unzähligen Arbeitsstunden und mühsamster, akribischer Kleinstarbeit tauchten Ehrenvorsitzender Helmut Raps und die zweite Vorsitzende Angela Kreutzer tief in die Archive ab. Sie wälzten vergilbte Protokollbücher, sichteten hunderte historische Fotografien, glichen Tabellen ab und führten Gespräche mit Zeitzeugen, um lose Erinnerungsfragmente vor dem Vergessen zu retten. Unterstützt wurden sie dabei von Ingrid Sendelbeck und Conny Weiß, die mit scharfem redaktionellem Blick dafür sorgten, dass ein fehlerfreies und optisch beeindruckendes Werk entstand.
Ehrungen für jahrzehntelange Vereinstreue
Zusammen mit der zweiten Vorsitzenden Angela Kreutzer und dem dritten Vorsitzenden Torsten Sewzik zeichnete Manfred Porsch mit Urkunde, Anstecknadel und Geschenk die treuesten Wegbegleiter aus, die er ehrfürchtig als die „Kronjuwelen des Vereins“ bezeichnete. Mit 75 Jahren Mitgliedschaft setzte das absolute Glanzlicht der Ehrenvorsitzende Helmut Raps, der für ein dreiviertel Jahrhundert unschätzbare Vereinstreue ausgezeichnet wurde. 70 Jahre sind dabei Karl Schiller und Max Schneider, 65 Jahre Alfred Fees und Reinhold Müller, 60 Jahre Margarethe Baumann, Helga Ehl, Elfriede Gehlke, Christa Löschner, Walter Schlöger sowie der postum geehrte Dieter Wischniowsky. 50 Jahre gehören dem TSV an Angela Bauer, Elfriede Bauer, Manfred Bauer, Marieluise Dietz, Brigitte Fraunholz, Hannelore Krauss, Barbara Küchler, Waltraud Marterer, Alfons Prechtl, Friedrich Richter, Lisa Rumsauer und Inge Siebenweiber.
Überraschungslaudatio: Stehende Ovationen für den Motor des Vereins
Ein hochemotionaler Moment spielte sich ab, als die zweite Vorsitzende Angela Kreutzer das Wort ergriff, um eine ganz besondere Würdigung vorzunehmen: Vorsitzender Manfred Porsch selbst wurde für 60 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Seit seinem zwölften Lebensjahr ist sein Name untrennbar mit dem TSV verbunden. Nach Stationen als Ski-Abteilungsleiter (seit 1984), drittem und zweitem Vorsitzenden führt er den Verein seit 2003 an der Spitze an. „Unzählige Stunden neben dem Sportplatz, Sitzungen, Gespräche, Verhandlungen und unsichtbare Arbeit im Hintergrund – nie ging es dir um persönliche Interessen, immer nur um das Wohl des Vereins und seiner Mitglieder“, hob Kreutzer unter dem Applaus der Gäste hervor. „Du hast den TSV nicht nur begleitet, sondern mitgestaltet und geprägt.“
Auszeichnungen für die Aktivposten im Hintergrund
Ohne die „guten Seelen“ im Hintergrund ist kein Vereinsleben denkbar. Daher erhielten zwei echte Powerfrauen und zwei unverzichtbare Handwerker ein verdientes Forum: Conny Weiß wurde mit großem Dank und Blumen für phänomenale 40 Jahre als Schriftführerin und Leiterin der Mitgliederverwaltung geehrt. Renate Himsel wurde als absolute „Mit-Herzblut-TSVlerin“ für ihren jahrzehntelangen Einsatz als Jugend- und Damentrainerin, Vorstandschaftsmitglied und verlässliche Kraft am Grillpavillon ausgezeichnet. Werner Knappe und Norbert Baumann wurden als die handwerklichen „Eckpfeiler“ des Vereins gewürdigt. Ohne das enorme Pflichtgefühl und das Know-how des Polier-Fachmanns Knappe wäre der Großumbau des Sportheims niemals möglich gewesen.
Ehrung der sportlichen Aushängeschilder
Auch die aktuellen sportlichen Erfolge wurden auf offener Bühne gefeiert. Ein halbes Jahrhundert gelebte Fitness und Gemeinschaft repräsentierten die Gymnastik-Gruppen um Gisela Schmidt und Rosi Pecher. Als frischgebackener Aufsteiger in die prestigeträchtige Bayernliga wurde die Badminton-Abteilung um Philipp Mirsberger gefeiert. Für ihre Meistertitel wurden die Jugendmannschaften der E2-, D2-, C2-, B1- und B2-Jugend ausgezeichnet. Die hervorragende, vereinsübergreifende Jugendarbeit wurde zudem vom Vorsitzenden des ASV Haidenaab, Stefan Veigl, ausdrücklich gewürdigt. Die erste Mannschaft um Trainer Thomas Moder feierte den spektakulären Wiederaufstieg in die Bezirksliga Oberfranken Ost.
Hochkarätige Auszeichnungen durch die Sportverbände
Dass der TSV Kirchenlaibach auch auf Verbandsebene höchste Anerkennung genießt, spiegelte sich in den herausragenden Auszeichnungen wider, die am Abend überreicht wurden. Die Goldene Raute mit Ähre des BFV, ein absolutes Qualitätssiegel, durfte der Verein aus den Händen des Kreisehrenamtsbeauftragten Stefan Schmitt entgegennehmen. Der TSV erfülle die vier anspruchsvollen Kriterien (Ehrenamt, Jugendförderung, Breitensport sowie Prävention) mit einem hervorragenden Ergebnis. Schmitt lobte die vorbildliche Führung, die Organisation, das soziale Miteinander und das moderne Breitensportangebot. Ein Sonderlob ging an Thomas Stock, der den enormen „Antragsmarathon“ im Vorfeld im Alleingang bewältigt hatte. Die Übergabe erfolgte stolz an das Führungsteam um Porsch, Stock, Kreutzer und Bezirksvorsitzenden Unger.
Der BFV-Bezirksvorsitzende von Oberfranken, Thomas Unger, überreichte die offizielle Ehrenplakette des Deutschen Fußball-Bundes und eine Zuwendung von 500 Euro. „Das Jubiläum ist der Beweis, was Menschen mit Leidenschaft und Engagement aufbauen können“, so Unger. Er würdigte den TSV als Heimat für Freundschaft und Zusammenhalt sowie als starken Pool für Wertevermittlung. Markus Täuber, Kreisvorsitzender des Bayerischen Landes-Sportverbandes, überreichte die BLSV-Ehrenurkunde mitsamt einem Scheck über 600 Euro. „Gemeinsame Erlebnisse der Menschen, die zusammenschweißen, sind wichtiger denn je“, betonte er. Die vorliegenden Förderbescheide des Vereins seien der beste Beweis dafür, dass hier konsequent und gut in die Zukunft investiert werde.
Stimmen der Ehrengäste
Landrat Florian Wiedemann schlug in seinem Grußwort eine emotionale Brücke zu seiner eigenen Jugend, in der er selbst aktiv in Hummeltal und Donndorf Fußball gespielt hatte. Auch dank eines damals sehr sportaktiven Pfarrers habe er früh gelernt, dass Fußball und Kirche ein tolles Miteinander bilden können. Vor der Arbeit des Jubelvereins zog er den Hut: „Ich habe höchsten Respekt vor dieser vorbildlichen Jugendarbeit, die überregional bekannt ist. Der TSV hat sich den Geist bewahrt, Kinder und Jugendliche für den Sport zu gewinnen.“ Neben den gesundheitlichen Aspekten lerne man im Verein auch, mit Niederlagen umzugehen. „Aber eines ist wichtig: Aufgeben ist keine Option! Das prägt einen auch für das private und berufliche Leben. Im Teamgeist zu leben bedeutet, immer sein Bestes zu geben und dem anderen auch zu verzeihen, wenn mal spielentscheidende Fehler passieren.“
Landtagsabgeordneter Franc Dierl zeigte sich mit Blick auf die vollbesetzten Ränge im Festzelt tief beeindruckt: „Bei dieser geballten Stärke ist mir um die Zukunft des Vereins überhaupt nicht bang.“ Seit 100 Jahren würden Menschen hier zusammenkommen, um Gemeinschaft zu schaffen und Erfolge zu feiern. „Entgegen dem Trend der digitalen Vereinsamung bietet der TSV Zeit und Raum, sich persönlich zu treffen“, lobte Dierl. Um den Verein auf seiner Erfolgsspur zu begleiten, sprach er eine ganz besondere Einladung aus und lud die frisch gebackene Bezirksligamannschaft zu einem Besuch in den Bayerischen Landtag ein.
Bürgermeister und Schirmherr Christian Porsch lobte den TSV als verlässliche Säule der Großgemeinde: „Als größter Verein mit toller Jugendarbeit und Breitensport tragen die Vereinsfarben unsere Gemeinde hinaus in die Welt.“ Dass das gesamte Umfeld an der Jahnstraße hervorragend herausgeputzt sei, zeige den großen Zusammenhalt.
„Sport und Kirche passen zusammen“
Eingeleitet wurde der Festabend durch einen feierlichen ökumenischen Zeltgottesdienst, zelebriert von dem katholischen Pfarrer Sven Grillmeier und dem evangelischen Lektor Stefan Steininger. Umrahmt von den gemeinsam gesungenen Liedern „Wo Menschen sich verbünden“ und „Lobe den Herren“ gestalteten Ingrid Sendelbeck (Kyrie und Lesung vom Leib mit den vielen Gliedern) sowie Conny Weiß, Angela Kreutzer, Lisa Dorsch, Bianca Kolb und Eva Dötsch (Fürbitten) den Gottesdienst aktiv mit.
In seiner packenden Predigt zog Pfarrer Grillmeier einen genialen Vergleich zum Jahr 2006, als Deutschland das WM-Halbfinale verlor, aber das ganze Land im Zeichen des „Teamgeists“ stand. Genau dieser Teamgeist sei das Lebenselixier des Vereins, egal ob beim Fußball, der Gymnastik, beim Basketball, Badminton oder Schach. „Wenn der Teamgeist fehlt, wenn nicht alle ihre Aufgaben wahrnehmen, zusammenhelfen und am gleichen Strang ziehenx^x, kann ein Verein nicht 100 Jahre existieren“, stellte Grillmeier klar. Vom Vorsitzenden bis zu den Helfern, die einschenken, abspülen oder einkaufen: „Jeder hat seinen Platz. Teamgeist soll die oberste Maxime bleiben – auch für die nächsten 100 Jahre.“ Als symbolisches Geschenk überreichte der Pfarrer einen historischen „Teamgeist“-Fußball von 2006. Er schloss mit den Worten: „Wenn der Teamgeist da ist, gehen wir Christen davon aus, dass es der Heilige Geist ist, der im Team wirkt. Er muss im Verein wirken können – frisch, fromm, fröhlich, frei.“ Lektor Stefan Steininger bekräftigte: „Im christlichen Glauben sind wir in Freundschaft und Kameradschaft verbunden.“
Das sportliche Rahmenprogramm im Überblick
Auch auf dem grünen Rasen bot das Jubiläum echten Grund zum Feiern: Die Erste Mannschaft untermauerte den Festauftakt am Mittwoch mit einem fulminanten 5:2-Sieg gegen den SV Bavaria Waischenfeld. Die zweite Mannschaft zog am Sonntag mit einem glatten 3:0 gegen die SG SV Röhrenhof/TSV Bad Berneck II nach. Zwar musste sich die A-Jugend am Freitag der SpVgg Mögeldorf 2 mit 1:6 geschlagen geben, dafür hielt die B-Jugend der SG SV Seybothenreuth die Fahnen mit einem 4:2-Sieg gegen denselben Gegner hoch. Beim hochklassig besetzten U13-NLZ-Leistungsvergleich setzte sich am Samstag der 1. FC Eintracht Bamberg knapp vor der SpVgg Mögeldorf und der SG Quelle Fürth durch.
Mit einer ausgelassenen Fußballparty und der Live-Übertragung des WM-Endspiels am Sonntagabend ging ein geschichtsträchtiges Festwochenende zu Ende. Manfred Porsch hatte bereits am Vorabend das Glas auf eine erfolgreiche, von Mut und Zuversicht geprägte Zukunft erhoben – auf die nächsten 100 Jahre TSV Kirchenlaibach!
Bericht und Fotos: Wolfgang Hübner, Speichersdorf – Die geehrten Mitglieder und Aktivposten des Vereins um Ehrenvorsitzende Helmut Raps (75 Jahre, Rollstuhl vorne Mitte) im Kreise der Vereinsfunktionäre und Ehrengäste.
– Pfarrer Sven Grillmeier
– Auszeichnungen des Vereins







