Natur & Umwelt

Unglaubliche Schmetterlingsvielfalt im Bayerischen Wald

Veröffentlicht von Günther Freund

Nationalpark-Podcast gibt Einblick in komplexe Welt der farbenprächtigen Flugkünstler

Nicht zufällig haben sich Podcasterin Julia Reihofer und Schmetterlingskenner Rudolf Ritt, Vorsitzender des Naturwissenschaftlichen Vereins Passau, das Reschbachtal bei Mauth für ihre Exkursion ausgesucht. An kaum einen Ort im Nationalpark ist die Vielfalt an Schmetterlingen im Sommer so gut zu beobachten wie hier. In einer neuen Folge des Podcasts „Wildnis schafft Wissen“ nehmen die beiden die Zuhörer mit in die Welt der farbenprächtigen Flugkünstler.

Eine Pappel am Wanderparkplatz Schwarzbachbrücke ist das erste Ziel der beiden. „Das ist ein Blutbaum“, erklärt Ritt im Podcast. „Die Säfte, die aus dem alten Baum fließen, ist für eine Vielzahl von Insekten interessant, darunter auch viele Schmetterlinge.“ Regelmäßig seien hier Arten, wie der Admiral oder auch der große Eisvogel, einer der größten heimischen Tagfalter, zu beobachten.

Der Schmetterlingsvielfalt im Reschbachtal ist Rudolf Ritt vom Naturwissenschaftlichen Verein Passau im Podcast Wildnis schafft Wissen auf der Spur.

 

Zusammen mit Ernst Lohberger, Peter Lichtmannecker, Herbert Hofmann, Michael Kratochwill, Andreas Segerer und dem bereits verstorbenen Ludwig Weigert hat Rudolf Ritt an einer umfangreichen wissenschaftlichen Broschüre über die Schmetterlinge im Bayerischen Wald gearbeitet. „Ausgangspunkt war die langjährige Arbeit von Ernst Lohberger und Peter Lichtmannecker, die zunächst die Vielfalt an Schmetterlingen hier im Nationalpark untersucht haben. Später wurde das Gebiet auf den gesamten Bayerischen Wald ausgeweitet und auch das Autorenteam vergrößert, um den gewaltigen Arbeitsaufwand zu bewältigen.“ Insgesamt liegen dem Werk nämlich rund 180.000 teils historische Datensätze mit rund einer halben Million Einzelbeobachtungen zu Grunde. Ein bislang einzigartiges Projekt, das in Zusammenarbeit von Fachamateuren und dem Nationalpark entstand.

Über 2.300 Schmetterlingsarten, darunter auch der Baum-Weißling (Aporia crataegi), wurden von dem siebenköpfigen Autorenteam im gesamten Bayerischen Wald nachgewiesen. (Fotos: Julia Reihofer/Nationalpark Bayerischer Wald)

 

Insgesamt wurden für den Bayerischen Wald über 2.300 Schmetterlingsarten erfasst. „Wobei den Großteil die Nachfalter ausmachen. Tagfalterarten gibt es im Bayerischen Wald rund 130.“ Den Schmetterlingsexperten ging es bei ihrer Arbeit aber nicht nur rein um die Erfassung der heimischen Vorkommen. „Solch wertvolle Gebiete wie hier das Reschbachtal zwischen Mauth und Finsterau mit Mooren, Wiesen und Wäldern, sind außerhalb von großen Schutzgebieten auf dem Rückzug und damit auch viele dort lebende Arten“, erklärt Ritt. Pestizide und der Klimawandel würden ebenfalls eine nicht unerhebliche Rolle spielen. „Es ist deshalb von großer Bedeutung diese Lebensräume zu schützen und zu erhalten.“ Wie Ritt betont, seien Schmetterlinge nicht nur wichtige Bestäuber, sondern auch Nahrungsquelle für viele Vögel. „Die Raupen sind für die Aufzucht von Jungvögeln essenziell.“ Deshalb seien auch viele andere Arten direkt vom Insektensterben betroffen und Lebensräume, wie im Reschbachtal umso bedeutsamer.

Die Podcast-Folge über die Schmetterlinge im Bayerischen Wald gibt es unter anderem auf der Nationalpark-Homepage und bei YouTube anzuhören. Die umfangreiche wissenschaftliche Broschüre über die Schmetterlinge im Bayerischen Wald steht online zum Download zur Verfügung.

 

 

 


Redaktion

Günther Freund

1944 in Bad Reichenhall geboren, Abitur in Bad Reichenhall, nach dem Studium der Geodäsie in München 3 Jahre Referendarzeit in der Vermessungs- und Flurbereinigungsverwaltung mit Staatsexamen, 12 Jahre Amtsleiterstellverteter am Vermessungsamt Freyung, 3 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Zwiesel und 23 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Freyung (nach Verwaltungsreform mit Vermessungsamt Zwiesel als Aussenstelle). Seit 2009 im Ruhestand, seitdem in Prien am Chiemsee wohnhaft.

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