Eine große Trauergemeinde fand sich in der Pfarrkirche St. Laurentius in Bernau ein, als Franz Praßberger aus dem Bernauer Ortsteil Westerham nach längerer Krankheit im Alter von 86 Jahren verstarb. Beim Trauer- und Auferstehungs-Gottesdienst charakterisierte Pater Livio den Verstorbenen als eine Persönlichkeit, die von Familienzuwendung, Arbeit, Lebensfreude und Traditionspflege geprägt war. Die musikalische Gestaltung der Trauerfeierlichkeiten übernahm in der Kirche der Bernauer Kirchenchor.
Bei der Trauerfeier in der Kirche erinnerte Sohn Franz Praßberger an den Lebensweg seines Vaters, der auf dem Bernauer Kammern-Anwesen im dortigen Zuhäusl zur Welt kam und schon in früher Kindheit den bäuerlichen Rhythmus kennenlernte. Mit sechs Jahren kam er zu seinem Großvater nach Bernau-Wiesen, von dort besuchte er zu Fuß acht Jahre die Volksschule in Bernau. Mit 16 Jahren kam Franz Praßberger zurück an den Kammernhof, übernahm Verantwortung und begann eine landwirtschaftliche Ausbildung. Als Bauhelfer erwarb er sich zusätzliches und praktisches Handwerkergeschick und als Ski-Lehrer verdiente er sich noch bei der örtlichen Skischule Kaufmann.
Franz Praßberger heiratete 1970 Irmgard Noichl aus Reit im Winkl. Vier Kinder und die Enkelkinder waren deren große Freude. Doch das Schicksal meinte es nicht immer gut; 2002 verstarb deren Tochter Regina allzu früh. Den 1975 übernommenen Hof in Westerham übergab Franz Praßberger 20 Jahre später an seinen gleichnamigen Sohn. Eng verbunden war er mit den örtlichen Vereinen. Bereits 1957 trat er dem Trachtenverein „D´Staffestoana“ bei, dessen Zweiter Vorstand Andreas Winkler am offenen Grab daran erinnerte, dass Franz Praßberger in den fast 70 Jahren seiner Vereinszugehörigkeit unter anderem Vorplattler, Fähnrich und Mitglied des Festausschusses beim Gaufest 1984 in Bernau war und mehrfach geehrt werden konnte.
Chiemgauer Platteln, Dirndldrahn und Preisrichten waren hohes Anliegen
Zudem waren ihm das Chiemgauer Platteln, das Dirndldrahn und das Preisrichten ein hohes persönliches Anliegen. Daran erinnerte auch Erster Gauvorstand Thomas Hiendl vom Chiemgau-Alpenverband. Bei einem vor einiger Zeit mit Franz Praßberger geführten Gespräch zu Chiemgauer Plattler-Erinnerungen erzählte er: „Nach einem Komödienstadl-Auftritt wurde der Hohenaschauer Hubert Haas im Herbst 1961 zum ersten gewählten Gauvorplattler auserkoren. Für mich war beim Gaupreisplatteln 1958 in Übersee Hans Hächer aus Schleching mein Vorbild, er stand wie ein Baum auf der Bühne und er gewann auch in diesem Jahr in seiner Klasse das Platteln“. Von 1966 bis 1980 war Franz Praßberger aufgrund seiner Plattler-Ergebnisse Mitglied der Gaugruppe und von 1980 bis 1986 war er gewählter Stellvertreter von Martin Auracher aus Reit im Winkl. „Eine schöne Zeit waren diese zwei Jahrzehnte aktiven Plattelns schon, sie waren geprägt von Kameradschaft und Auftrittserlebnissen, die Freundschaften halten bis in die Gegenwart an“ – so erinnerte sich Franz Praßberger, der sich nach seiner aktiven Plattlerzeit lange Zeit auch als Preisrichter und Beisitzer dem Chiemgau-Alpenverband für Tracht und Sitte zur Verfügung stellte.
Auch für den Bernauer Schützenverein „Edelweiß“ bedeutete der Tod von Franz Praßberger den Verlust eines aktiven Schützen, der mehrfach vom Verein und vom Bayerischen Sportschützenbund ausgezeichnet worden ist. Erster Schützenmeister Florian Lackerschmid dankte für einen stets kritischen, fairen und geselligen Schützen, der dem Verein seit 1959 und solange es die Gesundheit erlaubte die Treue hielt und aktiv war. Der Trachtenverein, der Gauverband und die Schützen nahmen mit ihren Fahnen- bzw. Standarten-Abordnungen Abschied von Franz Praßberger. Auf dessen Wunsch spendeten sie anstatt eines Blumenkranzes an die Ökumenische Kranken- und Bürgerhilfe Bernau. Dafür bedankte sich Ferdinand Thalhammer bei der Trauerfamilie ganz herzlich.
Fotos: Hötzelsperger – 1. Eindrücke von der Trauerfeier für Franz Praßberger in Bernau – 2. Sterbefoto Franz Praßberger









