Manchmal braucht es nur einen Moment der Stille, ein gutes Wort oder eine ausgestreckte Hand, um Gottes Nähe zu spüren. Genau darum ging es beim ökumenischen Reformationsgottesdienst am 31. Oktober in der evangelischen Friedenskirche in Aschau. Unter dem Leitwort „Hört! – Gott mitten im Alltag“ stand ein Gedanke im Mittelpunkt, der Menschen über alle Konfessionsgrenzen hinweg verbindet: Gott begegnet uns nicht nur an besonderen Orten, sondern mitten im Leben.
Christinnen und Christen aus vier Konfessionen – der evangelisch-lutherischen, der römisch-katholischen, der altkatholischen und der neuapostolischen Kirche – gestalteten diesen besonderen Gottesdienst gemeinsam. Was die Kirchen in ihren Traditionen unterscheidet, trat dabei in den Hintergrund. Viel wichtiger war das, was sie verbindet: der Glaube an Gott, die Hoffnung auf seine Nähe und der Wunsch, diese Hoffnung miteinander zu teilen.
Gottes Stimme im Alltag entdecken
„Höre, Israel!“ – mit diesen Worten aus dem fünften Buch Mose begann die biblische Botschaft des Abends. Doch wie gelingt das Hören auf Gott in einer Welt, die oft laut, schnell und voller Ablenkungen ist? Wo finden wir Zeit zum Innehalten? Und hören wir eigentlich noch aufeinander? Diesen Fragen gingen Vertreterinnen und Vertreter der vier Konfessionen in kurzen Ansprachen nach. Dabei wurde deutlich: Gottes Stimme muss nicht laut sein. Manchmal begegnet sie uns in einem tröstenden Wort, einem offenen Ohr, einer helfenden Hand oder in einem Augenblick der Stille. Auch die Fürbitten griffen diese Gedanken auf. Sie erinnerten an Menschen, die unter Krankheit, Einsamkeit, Sorgen oder Ängsten leiden, und an die Verantwortung, einander gerade in schwierigen Zeiten nicht allein zu lassen. Zugleich richtete sich der Blick auf das, was Christinnen und Christen gemeinsam bewegen können: Frieden stiften, füreinander einstehen und Gottes Liebe im Alltag sichtbar machen.
Ein Bibelwort und ein Segen zum Mitnehmen
Ein besonders berührender Gedanke prägte den persönlichen Segnungsteil des Gottesdienstes. Die Besucherinnen und Besucher waren eingeladen, nach vorne zu kommen und sich einzeln segnen zu lassen. Jede und jeder erhielt dabei ein persönliches Bibelwort und ein Segensbändchen, das um das Handgelenk gebunden wurde. Eine kleine Geste mit großer Bedeutung: Der Segen Gottes sollte nicht an der Kirchentür enden, sondern die Menschen in ihren Alltag begleiten. Das Bändchen konnte daran erinnern, dass niemand seinen Weg allein gehen muss und dass Gottes Zuspruch auch dann trägt, wenn das Leben schwierig wird.
Gemeinsam glauben, gemeinsam Hoffnung schenken
Wie lebendig Ökumene sein kann, zeigte sich auch in den gemeinsamen Gebeten und Liedern. Den feierlichen Abschluss bildete der Aaronitische Segen, den die Vertreterinnen und Vertreter der vier Konfessionen gemeinsam spendeten. Gerade darin lag eine starke Botschaft: Unterschiedliche kirchliche Traditionen müssen kein Hindernis sein, wenn Menschen im Glauben miteinander unterwegs sind. Mit dem Lied „Vertraut den neuen Wegen“ wurde zugleich der Blick nach vorne gerichtet. Denn gelebte Ökumene bedeutet nicht nur, sich zu besonderen Anlässen zu begegnen. Sie bedeutet, aufeinander zuzugehen, einander zuzuhören und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Nach dem Gottesdienst war im Gemeindehaus Gelegenheit, bei einem gemeinsamen Abendessen ins Gespräch zu kommen, Begegnungen zu vertiefen und die Gemeinschaft über die Kirchenmauern hinaus fortzusetzen. So stand am Ende eine Botschaft, die weit über den Reformationstag hinausreicht: Wo Menschen einander zuhören, füreinander da sind und gemeinsam Hoffnung schenken, wird etwas von Gottes Liebe spürbar.
Und vielleicht war genau das die schönste Botschaft dieses ökumenischen Abends: Vier Konfessionen, unterschiedliche Traditionen – aber ein gemeinsamer Glaube, der verbindet.
Text und Bild ACK Chiemsee





