Samerberg – Ein nicht alltägliches Bild bietet sich an diesem Mittwochabend an der Aussichtskapelle in Obereck: Zahlreiche Menschen haben sich auf der Wiese rund um die Kapelle versammelt, um gemeinsam die derzeit über dem Samerberg sichtbare Sonnenfinsternis zu beobachten.
Decken und Campingstühle wurden mitgebracht, Familien, Jugendliche und Erwachsene haben sich auf dem Hang verteilt und den freien Blick Richtung Abendhimmel gesucht. Bei nahezu wolkenlosem Himmel sind die Bedingungen am Samerberg an diesem Abend besonders günstig.

Die partielle Sonnenfinsternis am Mittwochabend, gesehen von der Aussichtskapelle Obereck auf dem Samerberg.
So wird aus dem seltenen astronomischen Ereignis zugleich ein kleines Gemeinschaftserlebnis. Wo sonst Wanderer und Spaziergänger die Aussicht über den Samerberg genießen, richtet sich der Blick heute für einmal fast geschlossen nach oben.
Die Aussichtskapelle Obereck erweist sich dabei als besonders beliebter Beobachtungsplatz. Die große Zahl der Besucher zeigt, welche Faszination eine Sonnenfinsternis auch heute noch ausübt: Für einige Zeit bestimmt nicht das Smartphone, sondern der Himmel, wohin geschaut wird.
Und so dürfte dieser warme Augustabend vielen der Besucher noch länger in Erinnerung bleiben – mit einer kleinen Kapelle, einer großen Menschenmenge und einem außergewöhnlichen Schauspiel am Himmel.
Der Andrang war dabei außergewöhnlich groß. Entlang der Zufahrtsstraßen und auf umliegenden Flächen wurden zahlreiche Fahrzeuge abgestellt – nicht immer dort, wo das Parken erlaubt war. Die Polizei war vor Ort und ahndete eine große Zahl von Parkverstößen. Nach Beobachtungen vor Ort dürfte es sich um weit mehr als nur einige wenige Verwarnungen gehandelt haben. Nicht nur in Törwang selbst, sondern auch auf den Zufahrtsstraßen rund um Obereck wurden zahlreiche Fahrzeuge abgestellt. Besonders angespannt war die Situation auf der schmalen Straße von Fading hinauf zur Aussichtskapelle. Dort standen Autos über weite Strecken auf beiden Straßenseiten dicht an dicht bis nach Obereck. Teilweise blieb zwischen den geparkten Fahrzeugen nur noch eine schmale Durchfahrt. Damit wurde die Situation nicht nur für den normalen Begegnungsverkehr schwierig. Problematisch wäre eine derart verengte Zufahrt insbesondere für größere Fahrzeuge von Feuerwehr und Rettungsdienst gewesen, die im Einsatzfall auf ausreichend breite und jederzeit passierbare Straßen angewiesen sind.
Auch in Törwang selbst sorgte der Besucherandrang für erhebliche Verkehrsbehinderungen. Die Samerberger Bürgermeisterin sprach angesichts der Situation von einem „totalen Verkehrskollaps“. Nach Ende der Sonnenfinsternis setzte schließlich der Rückreiseverkehr ein. Zahlreiche Besucher wollten nahezu gleichzeitig wieder vom Samerberg hinunterfahren, was die ohnehin angespannte Verkehrssituation zusätzlich belastete.
Der große Andrang zeigt zugleich, welche Anziehungskraft das seltene Himmelsereignis entwickelte. Die Aussichtskapelle Obereck gehört aufgrund ihres weiten Blicks über das Rosenheimer Land ohnehin zu den beliebten Aussichtspunkten auf dem Samerberg. Am Mittwochabend allerdings erreichte das Besucherinteresse eine Dimension, für die die schmalen Straßen und begrenzten Parkmöglichkeiten rund um Obereck nicht ausgelegt sind.
Wer seinen Beobachtungsplatz rechtzeitig erreicht hatte, bekam dafür ein außergewöhnliches Naturschauspiel zu sehen: Während sich der Abendhimmel in kräftige Orange- und Rottöne färbte, schob sich der Mond vor die Sonne und ließ von ihr zeitweise nur noch eine markante Sichel erkennen. Gerade kurz vor Sonnenuntergang entstand so über den dunklen Silhouetten der Landschaft ein eindrucksvolles Bild.
Über dem Samerberg verbanden sich damit an diesem Abend gleich zwei besondere Naturerlebnisse: eine Sonnenfinsternis und ein farbenprächtiger Sonnenuntergang.
Titelfoto: Zahlreiche Menschen haben sich am Mittwochabend an der Aussichtskapelle Obereck auf dem Samerberg versammelt, um gemeinsam die Sonnenfinsternis zu beobachten.


