Kultur

Sinfonie-Konzert in Traunstein begeisterte die Zuhörer

Die Bad Reichenhaller Philharmoniker unter der Leitung von Daniel Spaw in der voll besetzten Aula der Berufsschule in Traunstein.
Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Die Bad Reichenhaller Philharmoniker gastieren seit vielen Jahren regelmäßig bei bestens besuchten klassischen Konzerten in Traunstein. Erstmals fand jetzt eine Matinee von ihnen mit „leichter Muse“, nämlich Unterhaltungsmusik von schmissigen Wiener Tanz- und Operettenmelodien, in der Aula der Berufsschule statt. Ohne Pause musizierte das großartige Orchester aus Bad Reichenhall unter der Leitung seines Chefdirigenten Daniel Spaw, der seit gut fünf Jahren künstlerischer Leiter des renommierten Orchesters ist.

Es begann mit dem temperamentvollen Marsch „Unter´n Linden“ von Walter Kollo (1878 bis 1940), der einer der produktivsten und erfolgreichsten Operettenkomponisten des Berliner Kreises war. Seine musikalischen Studien absolvierte Kollo in Sondershausen und Königsberg. 1901 übersiedelte er nach Berlin, wo er als Kapellmeister tätig war und Operetten sowie volkstümliche Lieder komponierte, die bald zu „Schlagern“, damals eher Gassenhauern, und allüberall bekannt wurden. Es folgte die wunderschöne Ouvertüre zu Franz Lehárs Operette „Wiener Frauen“. Lehár steht neben Johann Strauß besonders für das „goldene Zeitalter“ der Wiener Operette.

Der US-Amerikaner Daniel Spaw hat eine besondere, einerseits dynamisch-konzentrierte, andererseits sehr einfühlsame Art zu dirigieren, vieles nur mit „sprechenden“ Händen und Fingern. Schon 2022 debütierte Spaw mit fünf verschiedenen Orchestern und leitete über 120 Konzerte. Bei der Matinee in Traunstein führte er mit informativen, charmant-humorvollen Erklärungen in die jeweils kurzen Stücke ein. Für das Konzert sei das „Best of“ aus dem Unterhaltungsrepertoire des Orchesters ausgewählt worden. Einem Stück von Maurice Ravel folgte der wiegend-romantische Walzer „In lauschiger Nacht“ von Carl Michael Ziehrer, der als letzter namhafter Repräsentant der Wiener Tanzmusik im klassischen Zeitalter des Walzers gilt. Ziehrer schrieb etwa 600 Tänze und komponierte 27 Operetten, die heute kaum mehr aufgeführt werden. Die andalusische Tanzszene „La Bellezza“ von Ernst Fischer war das vorletzte Stück, bevor die Tanzsuite „Frohes Wochenend!“ von Josef Rixner das beschwingt-abwechslungsreiche Programm beschloss. Vielen Besuchern „juckte es in den Beinen“, selber auch zu tanzen, was in südlicheren Kulturen sicher auch der Fall gewesen wäre.

Jubelrufe und der Applaus am Schluss des Konzerts dauerten sehr lang, so dass sich das Orchester zu zwei kleinen Zugaben erweichen ließ, bevor die Besucher sich beschwingt in den kühlen Herbstvormittag begaben. Auf das nächste Konzert der Bad Reichenhaller Philharmoniker in Traunstein darf man sich schon freuen.

Bericht und Fotos: Christiane Giesen


Redaktion

Toni Hötzelsperger

Beiträge und Fotos sind urheberrechtlich geschützt!